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Im Mercedes G500 durch Detroit

Krasse Bruch- und coole Bastel-Buden

01/2015, Impression Mercedes G500 Detroit Foto: ams 20 Bilder

Angeblich soll es ja bergauf gehen mit Detroit, das Berlin-Phänomen grassiere dort, das ja im Wesentlichen auf der Ansiedlung selbsternannter Hipster in baufälligen Gebäuden basiert. Wirklich? auto motor und sport begibt sich auf Spurensuche – sicherheitshalber im Mercedes G-Modell


19.01.2015 Jens Dralle

"All the magic happened right here in this place!“ Hängt man Sheena, der ebenso engagierten wie mitreißenden Führerin im Motown Museum ein wenig zu lange nach, scheint es, als tanze man in Detroit noch immer überall auf den Straßen. Aber es wäre ja auch ein schlechtes Museum, gelänge es nicht, den Geist der in diesem Fall wirklich guten, alten Zeit zu konservieren.

Vom Fabrikarbeiter zum Plattenchef

Von Sheena erfahren die Besucher des schlichten Hauses am West Grand Boulevard, dass sie erstens hier nicht fotografieren dürfen und zweitens wie aus dem einfachen Fabrikarbeiter Bary Gordy der Betreiber des zuweilen größten Schallplatten-produzierenden Unternehmens der Welt wurde. Und dass das Label 24 Stunden geöffnet hatte, um wirklich keinen Geistesblitz seiner Künstler zu verpassen – Stevie Wonder, Jackson Five, Temptations, Aretha Franklin und viele mehr. Vorbei, definitiv.

Wie überhaupt aus Detroit keine Schönheit mehr werden wird, zumindest nicht in absehbarer Zeit und allen Wiederauferstehungs-Theorien der letzten Jahre zum Trotz. Noch immer liegt Detroit in der Kriminalitätsstatistik der USA ganz weit vorne, wenngleich die Zahlen der einzelnen Delikte rückläufig sind. Die Bevölkerung schrumpfte seit den 1950er Jahren um mehr als die Hälfte auf derzeit rund 700.000 Einwohner, hier zeichnet sich ebenfalls keine Trendwende ab. Woher kommen also die Gerüchte um den vermeintlichen Aufschwung? Nun, er existiert durchaus, blüht jedoch noch im Verborgenen. Ähnlich wie im Berlin nach der Wende, locken alte Bausubstanz und Billig-Mieten, um den Traum des eigenen Unternehmens zu erfüllen. So eröffneten Szene-Läden wie Willys (Mode), Detroit Run (Laufsport) oder die Galerien wie das Cass Café und das Library Steet Collective. Viele Beobachter werteten allein die Eröffnung einer Wholefood-Filiale als eindeutiges Indiz für die Kehrtwende, da die Bio-Supermarktkette ihre Produkte zu vergleichsweise hohen Preisen anbietet. Wer die Kundschaft ist? Sie rekrutiert sich vor allem aus Mitgliedern des mittleren und höheren Managements von Ford und GM sowie deren Angehörigen.

Detroit, von Edel-Accessoires bis Bruchbuden

Doch noch prägen Bruchbuden das Stadtbild, zumindest sobald man Downtown verlässt, dort wo noch das Renaissance Center, Cobo Hall und Hotels wie das Crowne Plaza und Westin Book Cadillac den Schein einer funktionierenden Metropole wahren. Schnell verfinstert sich die Lage, das bröselige Park Hotel bildet nur den Auftakt. Immerhin: Auf der Woodward Avenue wühlen die Bagger um die Wette, reißen die alte kariöse Straße auf, es wird höchste Zeit – und es gibt noch viel Arbeit. Zahlreiche Läden stehen leer, bieten Raum für Unternehmergeist. Warum nicht? Ein Unternehmen strampelt sich gerade vom Image des lokalen Geheimtipps frei – Shinola. In Handarbeit stellen rund 300 Mitarbeiter Fahrräder, Uhren und Leder-Accessoires her. Eben jene Handarbeit lässt sich das Label teuer bezahlen, Uhren ab rund 500 Dollar, Räder ab 2.000 Dollar aufwärts, Technik und Materialien fallen vergleichsweise schlicht aus. Das von Steve Bock gegründete Unternehmen appelliert an den Patriotismus der Detroiter, Bock weiß als Ex-Manager von Fossil, wie sich mit derartigen Waren Geld verdienen lässt. Selbst wer sich für keines der Produkte erwärmen kann, sollte einen Besuch des Ladengeschäfts in der Canfield Street einplanen – es lohnt sich allein wegen des hervorragenden Cappuccinos.

Nur wenige Schritte entfernt zerfällt die Stadt jedoch weiter, rottet vor sich hin. Rund 84.000 Gebäude sind verlassen, baufällig oder schlicht Schrott, meist alles zusammen. Erschreckend: 100.000 Wohnungen und Häuser fehlt eine ordentliche Trinkwasserversorgung. Weniger erschreckend, einem Aufschwung aber auch nicht zuträglich: 40.000 Haushalten fehlt ein Internetanschluss. Vor allem die krude Mischung aus wie zerbombt aussehenden Ruinen und bewohnten Immobilien gleich daneben wirkt verstörend. Manche Hütten sehen aus, als würden ihre Reste in sich zusammenfallen, nur weil davor das 5,5-Liter-Triebwerk des G-Modells startet.

Das Mercedes G-Modell feiert Erfolge in den USA

Im Gegensatz zu Detroit ist der G in seiner über 35-jährigen Karriere immer wieder aufgestanden, oder besser gesagt: nie vor irgendwelchen neuen Abgas- und Crashnormen in die Knie gegangen. Und seit der kantige Geländewagen 2001 offiziell auf dem US-Markt startete, gab das dem Absatz neuen Schwung. Ganz nebenbei: Mehr als die Hälfte der aktuellen Jahresproduktion von rund 17.000 Einheiten entfällt auf die noch teureren AMG-Varianten mit V8- und V12-Biturbo-Triebwerken. Im G500 arbeitet dagegen noch der gute alte Sauger, klingt dabei sehr amerikanisch, bollert warm vor sich hin, und dem massiven Chassis des großen Kastens scheinen die erschreckend großen Schlaglöcher nichts anhaben zu können.

In den Nebenstraßen liegt ohnehin eine dicke Schnee- und Eisschicht darüber, dazwischen dampft es aus der Kanalisation, was die morbide Stimmung nur wenig auflockert. Einzig die durch die Sonne nochmals strahlend aufgeladene, kalte und klare Winterluft nimmt die Furcht davor, noch mal in eine Nebenstraße statt wieder zurück auf die Hauptstraße einzubiegen.

Symbol des Niedergangs: das Packard-Werk

Und irgendwann taucht das alte Packard-Werk vor der steilen Frontpartie auf, völlig zerschraddelt und zugewuchtert, nicht etwa ein Industriedenkmal wie die alten Zechen im Ruhrgebiet. Irgendwo liegt ein alter Bootsrumpf herum, eingestürzte Mauern, Müll. Das eine oder andere coole Graffiti bewahrt dem Bau minimale Restwürde. Bis 1956 wurden hier die edlen Modelle – unter anderem sogar mit Zwölfzylinder-Triebwerken – des Autobauers gefertigt, von den bis zu 36.000 Arbeitern waren damals allerdings schon nicht mehr viele übrig. Rund 31.000 Fahrzeuge baute Packard im Jahr 1954 – die Gewinnschwelle lag jedoch bei 80.000 Einheiten. Eine private Initiative will nun verhindern, dass das knapp 27 Hektar große Areal wieder zu dem wird, was es einst war: Eine Kuhweide. Nur zu erkennen ist von etwaigen Aktivitäten nichts.

Also rumpelt der Mercedes G wieder stadteinwärts, die Sonne taucht die Skyline von Detroit in ein gnädiges Licht. Vielleicht ist Detroit so etwas wie das Wien der Siebziger oder eben das Berlin der 90er-Jahre. Eine unterschätzte Großstadt mit viel Tradition in verrottenden Bauwerken und in lebendigen Ideen der Bewohner, was sich vereinzelt Bahn bricht. Der viel beschriebene Aufschwung scheint jedoch überschätzt. Im Motown Museum glaubt jedenfalls niemand daran, dass die gute alte Zeit der schwarzen Musik nach Detroit zurückkehrt. Deshalb fordert Sheena alle Besucher auf, zum Ende der Tour den Temptations-Klassiker "My Girl“ einzusingen. "Right here in the legendary Studio A where all the magic happened“. Sie gibt den Takt vor.

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