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VW Golf VI , Audi A3

Ist der neue Golf besser als sein Premium-Vetter?

Foto: Beate Jeske 22 Bilder

Hochwertig wie nie zuvor geht die sechste VW Golf-Generation im Oktober an den Start. Wie weit rückt der bürgernahe Volkswagen seinem Premium-Vetter Audi A3 auf die Pelle?

28.08.2008 Christian Bangemann

Die Einführung des Golf V im Oktober 2003 war von hörbarem Murren begleitet. Gemessen am Vorgänger hatte sich der Kompakte nämlich nicht gänzlich zum Besseren entwickelt. Technisch war der Neue mit Einzelrad-Aufhängung rundum zweifellos ein Fortschritt, aber im Interieur machten Kritiker viel schnödes Hartplastik aus. Und weil der Golf nicht zu den Schnäppchen seiner Klasse zählte, stieß dieses Manko übel auf - genau wie die magere Grundausstattung. Erst als eine Klimaanlage serienmäßig geliefert wurde, waren die Käufer weitgehend mit dem Preis versöhnt. Diese Schnitzer will VW beim Modellwechsel zur sechsten Generation kein zweites Mal machen. Darum ist die Klimaanlage vom Start weg Serie, selbst beim 80 PS starken Basis-Modell mit 1,4-Liter-Benzinmotor für 16.500 Euro (plus 200 Euro).

Verarbeitung der Materialien ist tadellos

Auch der Materialmix wirkt gediegen, obwohl noch Hartplastik eingebaut wird. Beim neuen Golf ist es aber kaum als solches zu erkennen. Im Fotoauto brachte erst eine Berührung der Ober flächen Klarheit: Die schwarzen Teile des Armaturenträgers sind weich, die hellen hart. Doch die Kunststoffnarbung ist geschickt mit einer rauen Oberfläche kombiniert und sieht so sehr hochwertig aus. Eine Teppich-Auskleidung der Türtaschen wertet den Golf zusätzlich auf und soll das Klappern von Teilen in den Ablagen unterbinden. Man muss schon sehr pingelig sein, um die Grate auf den hinteren Türablagen als Makel einzustufen. Denn ansonsten ist die Verarbeitung der Materialien tadellos, die Fugenverläufe und die Passungen sind stets akkurat.

Damit wirft der Golf einen Fehdehandschuh in Richtung des Audi A3. Schließlich gilt der bislang als Primus in der Kompaktklasse, wenn es um das Thema optische und haptische Qualität geht, obwohl sich auch in seinem Innenraum große Flächen ohne jede Softlack-Kaschierung finden. Daran hat die jüngste Modellpflege nichts geändert. Wirkt der Audi also immer noch hochwertiger als der VW? Nein, nicht wirklich. Die Verarbeitungsqualität der Kunststoffteile ist bei A3 und Golf auf sehr ähnlichem, sehr hohen Niveau. Eine Stärke des Audi ist freilich, wie mit Metall-Applikationen an Armaturentafel und Schaltern noch ein Sahnehäubchen draufgesetzt wird. Denn die Audi-Zierteile wirken beinahe wie aus dem Vollen gefräst. Da hat der hier gezeigte Golf Comfortline das Nachsehen. Erst bei der Topversion glitzert es ähnlich ansprechend. Als Highline hat der Golf also endgültig das Zeug zum A3-Schläger.

VW etwa 2.500 Euro günstiger

Bei den Kosten sowieso. Ein Blick auf die Preise für die Versionen mit dem 102-PS-Saugmotor und 1,6-Liter-Hubraum zeigt, warum. Man kommt beim VW etwa 2.500 Euro günstiger weg als beim identisch motorisierten Audi. Für das gesparte Geld könnte man sich das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (Serie ist eine Fünfgang-Handschaltung) bestellen, das aktive Fahrwerk mit regelbaren Stoßdämpfern oder das sehr gut klingende Dynaudio-HiFi-System. Aber nicht nur diese Schmankerl sind neu auf der Preisliste, auch der aus dem Touran bekannte Einpark-Assistent wird angeboten. Nur kurze Zeit nach der Markteinführung soll außerdem ein intelligenter Tempomat folgen, bei dem ein Laser den Abstand zum Vordermann misst und ihn selbsttätig hält. Im Stop-and-go-Verkehr kann der Tempomat bis zum Stillstand abbremsen.

VW Golf ist nicht schwerer geworden

Der Golf bekommt also Extras, die bislang eher in teureren Autos zu finden waren. Immerhin kosten nicht alle Aufpreis - wie die schalldämmende Windschutzscheibe, die Windgeräusche reduzieren soll und in ähnlicher Form bereits im A3 angeboten wird. Überhaupt verspricht VW, den Golf zu einem Leisetreter erzogen zu haben. Aufwendige Dämmmaßnahmen und die weichere Anbindung des Fahrwerks an die Karosserie sollen für Ruhe sorgen. Mehr Gewicht bringen sie gleichwohl nicht: Bei vergleichbarer Ausstattung sei der neue nicht schwerer als der alte Golf, heißt es.

Nicht einmal gewachsen ist er. Nötig gewesen wäre es ohnehin nicht, denn das Platzangebot für vier Erwachsene war schon im Golf V für einen Kompaktwagen sehr gut. Im Prinzip ist hier alles beim Alten geblieben, ebenso beim Kofferraumvolumen. Tatsächlich wurden in Höhe und Länge sogar einige Millimeter eingespart. Neue Stoßfänger machen den Golf dabei nicht nur kürzer, ihre Form sorgt gleichzeitig - gemeinsam mit Lichtkanten an den Flanken und den flacheren Lampen - dafür, dass die sechste Generation viel satter auf der Straße steht.

Vom alten Golf ist tatsächlich nur das Dach geblieben, denn Chefdesigner Walter de Silva hat alle sichtbaren Flächen neu gestaltet, um dem Golf zu einem ganz neuen Auftritt zu verhelfen. Selbst die Türen sind komplette Neuteile, obwohl die Türausschnitte identisch sind.

Völlig neu sind die Scheinwerfer mit serienmäßigem Tagfahrlicht und die Rücklichter. Übrigens strahlen am Heck keine LED-Lampen. Die wären zwar extrem langlebig, hätten das Auto aber etwa 200 Euro teurer gemacht. Und wenn sie doch einmal kaputt gehen, wäre der Austausch bei einem Gebrauchtwagen ein herber Schlag. Vor allem bei einem Volkswagen, der im Unterhalt preiswert sein soll.

Motoren mit Turbo- und Kompressor-Aufladung

Dazu müssen die Motoren ihr Scherflein beitragen. Der schon erwähnte 1,4-Liter-Vierzylinder wird gemeinsam mit dem 102 PS starken 1,6-Liter-Motor der einzige Sauger sein. Alle Diesel und die stärkeren Benziner werden mit Turbo-, teilweise zusätzlich mit Kompressor-Aufladung angeboten. Wozu die Turbo-Technik imstande ist, zeigt der Audi S3, der aufgeladen aus einem Zweiliter-Vierzylinder 265 PS herauspresst. Dagegen wirkt der bisherige Golf R32 mit 250 PS aus sechs Zylindern und 3,2 Liter Hubraum zwar nicht schwächlich, aber überflüssig. Folgerichtig entfällt der Sechszylinder beim Golf künftig ganz.

Dafür wird die momentan bei 160 PS endende Motorenpalette schon bald um einen 210 PS starken GTI und einen Common-Rail-Zweiliter-TDI mit 170 PS ergänzt. Angesichts steigender Spritpreise dürften aber vor allem die besonders sparsamen Motoren von Interesse sein. So wird die Diesel-Palette 2009 mit einem 105 PS starken 1,6-Liter-TDI nach unten abgerundet, der als Blue-Motion über eine Start-Stopp-Funktion verfügen soll. Schon Ende 2008 gibt es den Golf mit einem Motor, der Flüssiggas (LPG) verbrennt. Dass alle Motoren die Euro 5-Abgasnorm erfüllen, ist sicher. Und 2010 kommt der Golf dann auch als Drei-Liter-Auto, mit Dieselhybrid und nur 80 g/CO2 pro Kilometer. Murrende Kritiker wird man dann wohl keine hören.


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