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Schloss-Akkorde

Im VW Rometsch durchs Bergische Land

VW Rometsch, Bergische Land Foto: Klaus H. Daams 11 Bilder

Das Bergische Land bietet Geschichte, Schlösser, Kirchen, Wasser, Wunder, Wälder - und vom 25. bis 27. September die 1. Schloss Bensberg Classics. Motor Klassik besuchte Land, Leute und Grandhotel im VW Rometsch-Beeskow.

27.07.2009 Powered by

Wohl war. Es gehört schon sehr viel Selbstdisziplin dazu, sich vom Grandhotel Schloss Bensberg freiwillig fortzubewegen. Liegt man erst einmal in einem der herrlich gemütlichen und formidablen Betten, fällt es schwer, sich am nächsten Morgen für einen Ausflug zu entscheiden.

Unterwegs im Rometsch Modell Beeskow von Gregory Peck
 
Noch dazu, wenn das abendliche Diner im schlosseigenen Drei-Sterne-Restaurant Vendôme eingenommen wurde. Das nämlich zählt zu den beiden besten Restaurants Deutschlands, und auch international liegt es in der Spitzengruppe der Top-Twentyfive. Klar, dass es da manchmal auch gern etwas später wird. Doch weder das sanfteste Federkissen noch ein sensationelles Fünf-Gänge-Menü sollten Oldtimerfahrer davon abhalten, mit ihren Klassikern das Bergische Land zu erkunden. Sie könnten etwas verpassen.
 
Schon nach ein paar Kilometern gen Osten weiß man, warum. Liegt die Stadt Bensberg, die, anders als das Schloss, architektonisch und städteplanerisch wahrlich keine Preise gewinnen kann, erst hinter einem, wird alles gleich viel schöner. Das Bergische Land ist unglaublich grün, kurvig - und natürlich bergig. Seinen Namen hat es dabei gar nicht aus der Topographie. Der stammt von den Grafen von Berg, die im Mittelalter diese einst wilde Landschaft zwischen Rhein, Ruhr und Sieg beherrschten. Das bekannteste Mitglied der Dynastie war Engelbert von Berg, anno 1216 zum Erzbischof von Köln geweiht. 1225 wurde er, so lehrt die Legende, von seinem Neffen Graf Friedrich von Isenberg ermordet.
 
Von Bensberg geht's via Immekeppel über traumhafte Sträßchen Richtung Dürscheid. Auf den Weiden am Wegesrand käuen die Kühe fettes Gras wieder, blicken mit ihren dunklen, treuen Augen der Fremden hinterher. Ob sie der Fahrerin oder dem Gefährt, einem VW Käfer mit Rometsch-Beeskow-Karosserie aus dem Jahr 1955, sehnsuchtsvoll ihre Aufmerksamkeit zollen, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben.
 
Säße im Wagen indes der junge, attraktive Gregory Peck, welcher als Erstbesitzer dieses Rometsch gehandelt wird, wäre die Frage leicht beantwortet. Nicht nur allein Peck fuhr den edel eingekleideten Vierzylinder aus Wolfsburg. Auch Audrey Hepburn und der deutsche Filmstar Victor de Kowa fühlten sich damit in den fünfziger Jahren perfekt eingekleidet.
 
Sein Designer, Johann Beeskow, hatte bei Neuss in Berlin gelernt, dann die wildesten Entwürfe für Erdmannn & Rossi erdacht, später bei Deutsch in Köln den Buckel-Taunus. Dann zog es ihn zurück nach Berlin, zu Fritz Rometsch. Dort gelang ihm sein größter Nachkriegsentwurf - ein Coupé und ein Cabriolet auf VW-Käfer-Basis, das ein wenig schwerfällig als Rometsch Typ Beeskow firmierte. Doch zurück zum Bergischen Land.

Winzige Nebenstrecken verbinden die geschichtsträchtige Ortschaften

Obwohl die Landschaft so unberührt wirkt, muss man dichten Verkehr nicht fürchten. Im Bergischen Land gibt es Tausende winziger Nebenstrecken; Autos und Motorräder suchen sich ihre eigenen Wege, verteilen sich. Immer wieder verleiten kleine Orts-Hinweisschilder zum Abbiegen. Dann geht es rauf und runter, hie und da eine Spitzkehre - und allerorten Bäume, Wiesen, alte Bauern- und Fachwerkhäuser. Der Himmel blau, die Sonne allein auf weiter Flur. Wer mit dem Cabrio unterwegs ist, öffne rasch das Verdeck und creme sich die Nase ein. Es ist schön hier, man möchte nur noch schleichen.
 
Weiter geht's über Lindlar, allerdings natürlich nicht auf direktem Wege. Man halte sich südöstlich gen Hommerich, wo einst die größte Molkerei der Gegend ansässig war. All die Milch der oberbergischen Schwarz-Bunten floss hier im vergangenen Jahrhundert zusammen und ward mannigfaltig verarbeitet. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute wird in Hommerich nur noch Milchpulver hergestellt - Plastikmilch, wie die wenigen Biobauern, die es in dieser Gegend gibt, höhnisch spotten.
 
Ein Stück weiter wieder Idyll, denn der Anfahrtsweg zum Golfclub Schloss Georghausen ist schön versteckt unter alten Bäumen. Auf der kleinen, engen Brücke wacht eine steinerne Heiligenfigur über Fahrer und Automobil. Kurz dahinter befindet sich auf der linken Seite der Parkplatz. Wer Lust hat, kann hier mal eben die dicke Bertha schwingen. Voraussetzung sind die Mitgliedschaft in einem Golfclub sowie ein Handycap von 36.
 
Wer es jedoch bevorzugt, sich und seinem Wagen noch ein wenig Landschaft zu gönnen, der halte sich nun Richtung Dohrgaul und Wipperfürth, der ältesten Stadt des Bergischen Landes. Die Stadtrechte wurden ihr bereits im Jahr 1222 verliehen - die Achthundert-Jahr-Feier rückt immer näher. Stellt man sein historisches Auto auf dem Marktplatz ab, kann man vom Café aus die Bewunderer bewundern. Hier ist es einfach richtig nett. Der nördlichste Punkt der kleinen Rundreise ist erreicht, von nun an geht's bergab - könnte man denken. Doch die Straßen des Bergischen Landes führen auch immer wieder bergauf, weshalb der VW-Käfer-Motor ordentlich was zu tun hat. Alle Höhen und Tiefen aber meistert er mit Bravour, ein fünfter Gang wird gar nicht mehr vermisst.

Der Rometsch ist eine Rarität und gewann drei Mal den Schönheitspreis des Genfer Automobilsalons

Manch ein Autofahrer verfolgt das mattsilberne Coupé sogar bis zum nächsten Parkplatz, um dann ein paar Mal um ihn herumzuschleichen. Ein Rometsch-Beeskow hat seine Verehrer, keine Frage. Auch Menschen, die den kleinen Sportwagen zum ersten Mal sehen, sind begeistert. Seine elegante Form besticht, das lange Heck, die chromblitzenden Radkappen mit Flügelmuttern und Speichen, die "Augenbraue" über den Vorderreifen, wie sie dann auch beim berühmten Mercedes 300 SL zu Ehren kam, die roten Ledersitze ...
 
Wen wundert‘s, dass dieses Auto 1954, 1955 und 1956 auf dem Genfer Automobilsalon beim Schönheitswettbewerb für Karosseriebau dreimal die "Goldene Rose" erhielt? Mit solch einem Oldtimer durchs Bergische zu fahren - ein Traum von edler Form in malerischer Umgebung. Fast übersieht man während der permanenten Bewunderung all der automobilen Details schon mal die Ortshinweisschilder.
 
Es dämmert allmählich. Doch bevor es zurück Richtung Rheintal geht, sollte man unbedingt noch zum Altenberger Dom - der liegt quasi auf dem Weg. Von Wipperfürth aus hält man sich Richtung Kürten und Bergisch Gladbach, biegt in Bechen von der viel befahrenen B 506 rechts ab, und schon weisen gelbe Schilder gen Altenberg. Es folgt eine herrliche Strecke über Höhen mit weiten Blicken - bis der Waldrand naht. Von nun an geht's so richtig bergab, denn eine fast alpine Serpentinenstraße führt hinab ins Dhünntal.
 
In der vorletzten Kurve steigen der Turm des Doms und das gotische Kirschenschiff majestätisch aus dem Wald empor, während sich die Abendsonne den Weg durch das dichte Blattwerk sucht. Unten angekommen, lädt der Dom zum kurzen Verweilen ein, doch um 18 Uhr werden die Pforten geschlossen. Übrigens: Der Grundsteinleger des vor genau 750 Jahren erbauten Doms war ein gewisser Graf Adolf IV. von Berg.
 
Auf dem Rückweg nach Bensberg lohnt sich unbedingt ein Abstecher ins Schlosshotel Lerbach - mitten im Wald auf einer Anhöhe, umrahmt von alten, ehrwürdigen Bäumen. Im Vordergrund ein kleiner See, auf dem schwarze Schwäne ihre Bahnen ziehen. Ein wahr gewordenes Märchen. Auch hier wartet die Küche, ähnlich wie in Bensberg, mit fürstlichen Tafelfreuden auf. Und sei es nur zu einem Aperitif auf der großzügigen Terrasse - das Hotel ist einen Besuch wert wie die Fünf-Sterne- Gastlichkeit im Grandhotel. Selbst der Rometsch bliebe am liebsten gleich da.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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