Impressionen von der Tokio Motor Show 2011: Frische Autoideen aus Japan

Tokio Motor Show 2011, Impressionen, Mazda Takeri

Nur emissionsarm war gestern, die japanischen Autohersteller zeigen auf der Tokio Motor Show wieder mehr Sportlichkeit und frische Ideen.

Fun to drive again – wieder Spaß am Fahren - so prangt es in großen Lettern auf dem überraschend schlicht gehaltenen Messestand von Toyota auf der Tokio Motor Show. Was sich unscheinbar liest, kündet eine dringend nötig Emotionalisierung an: Wähnten sich viele japanische Hersteller, allen voran Toyota unter dem früheren Chef Watanabe, bis vor kurzem mit eher emotionslosen Autos und konsequenter Fokussierung auf das Umweltimage auf dem richtigen Weg in die Zukunft, so wird Fahrspaß auf der größten japanischen Autoshow endlich von der Liste frivoler Bezeichnungen gestrichen.

Die Situation war schließlich ernüchternd: Toyota hatte Celica und MR-2 schon lange sterben lassen, Honda einen NSX- und S2000-Nachfolger ersatzlos gestrichen, den Civic Type R auf Eis gelegt und Mitsubishi den früher wild enthemmten Lancer Evolution quasi todentwickelt.  Kein Wunder, dass ein Nissan GT-R, als absolute Lichtgestalt japanischen Sportwagenbaus von den Fans gierig aufgesogen wurde. Wie überhaupt Nissan auch mit dem 370 Z tapfer die Spaßfahne in den ökologischen Zeitgeist-Wind hält.

Flügelbestückte Flunder bei Nissan

Nun findet man bei Nissan auch auf dem diesmal wieder mit Zero Emission-Slogans zugepflasterten Messestand weder einen GT-R noch einen 370 Z an vorderster Front, dafür empfängt die Besucher eine flügelbestückte Flunder die flach auf einem Podest kauert: Es ist die Rennversion des Elektroautos  Nissan Leaf namens Nismo RC. Motto: Lokal emissionsfrei, aber diesmal dynamisch. Um 600 Kilogramm hat der Nismo RC von den ursprünglich 1,5 Tonnen des normalen Leaf abgespeckt. Möglich macht das eine komplett aus Kohlefaser gefertigte Karosserie und ein ausgeräumter Innenraum. Die 24 kWh-Lithium-Ionen-Batterie blieb unverändert, treibt mit ihrem Strom den Elektromotor aber nun an der Hinterachse an. Dieser leistet 80 Kilowatt was etwas dürftig für einen Rennwagen klingt, aber einen Sprint auf 100 km/h unter sieben Sekunden erlauben soll. Dass im Rennbetrieb die maximale Reichweite dramatisch in die Knie geht ist logisch, und nur eine Frage des Dreisatzes über die Antriebsleistung. Daher taugt der Akkublock nicht nur für extreme Schnellladung mit Gleichstrom, er kann auch in minutenschnelle getauscht werden. Freilich wird diese sportliche Fingerübung der Ingenieure nie in den offiziellen Verkauf gehen, eher darf auf eine kleine Rennserie spekuliert werden.

Bei der Serienfertigung stehen die Chancen für Juke und Leaf Nismo schon viel besser. Vor allem der Juke  dürfte die aktuelle Adelung der Nissan-Tuning-Marke Nismo zur offiziellen Bezeichnung der Werkssportmodelle aktiv begleiten. Freilich nicht als hyperdynamische R-Version mit 530-GT-R-PS unter der Haube, aber dafür mit einem auf über 200 PS erstarkten Vierzylinder-Turbobenziner. Die Tieferlegung und das leichte Tuning-Kit tun dem extravaganten SUV dabei optisch richtig gut. Der Leaf Nismo für den es bisher noch keine Leistungsangaben gibt, scheint dagegen mit seinen breiten Schwellern noch zu hadern.

Unverständlcih, warum "Celica" in der Schublade bleibt

Wer vom Nissan-Stand dann nach rechts wandert, stolpert quasi direkt über das hinterradgetriebene Subaru BRZ-Coupé, den der japanische Allradspezialist ja zusammen mit Toyota entwickelt hat. Nach einer scheinbar endlosen Ankündigungsphase mit diversen Designstudien geht der knackige 2+2-Sitzer mit seinem 200-PS-Boxermotor nun endlich in Serie. Wobei es schade ist, dass der BRZ sich nur durch ein paar optische Details vom Toyota-Bruder differenziert und dieser wiederum nur recht nüchtern GT 86 heißt, wo doch noch ein so traditionsreicher Name wie Celica in der Schublade läge. Keine 30 Meter weiter, den Gang runter, strahlt einen bei Mazda eines der Design-Highlights der Messe an: Das Konzeptauto Takeri. Das Mazda sehr attraktive Autos bauen kann ist bekannt, doch der Takeri lässt mit seiner dynamischen Form sogar den neugierigen Designer eines deutschen Herstellers "sehr schön" murmeln. Schön ist auch, dass bis auf die futuristischen Außenspiegel damit ein sehr seriennaher Ausblick auf den kommenden Mazda 6 gezeigt wird. Der wird die neuen Skyactiv-Motoren mit gleicher Verdichtung bei Diesel wie Benzinern erhalten und zudem ein Bremsrekuperationssystem, dessen Energiespeicher aus besonders schnell Strom liefernden Kondensatoren besteht.

Nun verlassen wir die East Hall 1 und schlendern in East Hall 2 wo sich neben dem VW-Konzern auch Honda, Suzuki und Mitsubishi breit gemacht haben. Wobei speziell die dunkle Honda-Höhle auf den ersten Blick wenig einladend wirkt. Doch wer sich hineintraut, sieht, dass man den Spaß am Auto bei Honda doch nicht verlernt hat. Besonders die flache, zweisitzige Heckmittelmotor-Studie Roadster-EV-STER macht viel Lust auf ein Serienmodell. Das wird dann in zirka zwei Jahren wohl erstmal mit einem konventionellen Verbrennungsmotor starten und dann als Stadtvariante den gezeigten Elektroantrieb erhalten. Sichtlich stolz weißt Honda Pressesprecher Alexander Heintzel darauf hin, dass die sportliche Frontpartie in Zukunft alle Honda-Modell prägen wird.

Fünf Meter neben dem EV-STER präsentiert Honda dann mit dem Micro Commuter wie man sich Fahrspaß in der Stadt vorstellt. Der schmale Elektro-Zweisitzer mit Hinterradantrieb(!) fährt in seinem Innenraum auch noch ein kleines ausklappbares E-Motorrad spazieren. Keine neue, aber eine witzige Idee, die für einen Motorradspezialisten wie Honda sicherlich realisierbar wäre, auch wenn der mit einer Phalanx an Betreuern vorbeischwebende Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn nach einem kurzen Blick nur trocken "same like our twizy" kommentiert.

Blendender Suzuki Regina, emotionsloser Mitsubishi Mirage

Raus aus der Honda-Höhle blendet einen bei Suzuki dann fast Regina. Regina ist eine froschgrüne und nur 730 Kilogramm schwere Kleinwagenstudie die man mit ihrem frechen und pfiffigen Design wohl am wenigsten von einem sonst eher pragmatischen Hersteller wie Suzuki erwartet hätte. Ein Citroen-Emblem wäre locker durchgegangen. Augenscheinlich verdirbt der Ärger mit VW Suzuki nicht die Laune. Auch die inneren Werte des theoretisch nur drei Liter pro 100 Kilometer konsumierenden Regina sind mit zwei sehr appetitlich arrangierten LCD-Bildschirmen hübsch anzuschauen. Solche Autos will man auf einer Tokio Motor Show sehen.

Die gute Laune bekommt dann bei Mitsubishi leider einen kleinen Dämpfer. Der neue Kleinwagen Mirage (Colt-Nachfolger) enttäuscht mit inspirationslosem Design, dass man einem chinesischen Hersteller sicherlich noch nachgesehen hätte, aber nicht Mitsubishi. Wer sich daneben einen Kia Rio vorstellt, spürt, wie schwer der Kampf um Marktanteile in Zukunft wird. Diverse nutzorientierte i-MIEV-Derivate und Akkustrom versorgte E-Gitarren reißen die Mitsubishi-Vorstellung dann nicht mehr raus.

Für einen frischen Emotionsschub heißt es ein paar hundert Meter laufen, bis man in der West Hall bei Lexus und Toyota ankommt. Dort erwartet einen erst einmal eine Armada an neuen GS. Wobei besonders die Ankündigung, dass BMW in Zukunft Toyota Dieselmotoren zuliefert, die Phantasie deutscher Autofans anregen wird. Bei Toyota nimmt man den Spaß in Zukunft wieder sehr ernst. Sicherlich fehlt mit dem Kleinwagen Aqua (Yaris-Basis) nicht die unvermeidliche, neue Hybrid-Studie, aber neben dem Coupé GT 86 steht auch noch Fun Vii auf dem Stand. Das japanische Batmobil spielt mit dem, was der Generation Facebook am meisten Spaß macht: Das vernetzen und zeigen. So ist die Außenhaut ein Display auf dem man die Inhalte seines Smartphones "spiegeln" kann. Sicherlich nichts für Introvertierte, aber es passt gut zum Grundcharakter der ersten Tokio Motor Show nach Fukushima: Die Japaner haben die Freude am Auto nicht verloren und trauen sich endlich wieder was.

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