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Indien

In einer fremden, fernen Welt

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Nur vier Tage hat Markus Schönfeld Zeit für eines der grössten Länder der Welt: Indien. Hier wächst die Bevölkerung jedes Jahr um 20 Millionen Menschen – das entspricht der Einwohnerzahl Australiens. Die Kontraste die dieses Land bietet könnten nicht stärker sein. Und schon in den ersten Minuten erfasst es ihn mit voller Wucht.

18.04.2009 Powered by

Diese Kontraste sind kaum zu begreifen. Ich blicke über die 400 Jahre alten Mauern des Forts Devi Garh hinunter auf das Land. Schwärme von leuchtend grünen Papageien fliegen über das bewaldete Tal. Ihre lauten Schreie durchbrechen die Stille, kehren als Echo aus den Aravalli-Bergen zurück. Von den feuchten Hängen löst sich ein leichter Nebel. Im Gegenlicht der Abendsonne wirkt die Kulisse wie aus einem Märchen.

Hin und wieder kann man sogar langarmige Affen in den Baumkronen umherklettern sehen – Makaken. So wie hier, mitten in der indischen Provinz Rajasthan, muss es im Paradies aussehen. Dabei hat mich das Land vor zwei Tagen ganz anders empfangen – im 15-Millionen-Gewusel Delhi, Indiens zweitgrößter Stadt. Für Europäer blankes Chaos: ein quäkendes Hupkonzert, schreiende Menschen, knatternde Auspuffe, donnernde Laster. Wie alle großen Städte des Landes lärmt sich auch Delhi permanent mit der Lautstärke eines Presslufthammers in meine Sinne. Die Luft ist schwer von Abgasen – die Sicht durch zerbeultes Blech und Rauch versperrt. Nicht zu übersehen: die Armut. Und überall Menschen, wohin das Auge auch blickt. Sie tragen gefüllte Säcke auf den Köpfen, schieben Wagen vor sich her, verkaufen Obst am Straßenrand. Die Banane für zwei Cent, Mangos für vier, Ananas für zehn. Hier sind die staubigen Straßen Mittelpunkt des Lebens. Ob man in dieser Stadt irgendwo Ruhe finden kann? Bestimmt nicht in solchen Touristenmagneten wie dem Roten Fort, der bekanntesten Burg von Delhis Mogulkaisern. Als ich aus dem dreirädrigen Tuk-Tuk – einer motorisierten Rikscha – aussteige, werde ich sofort umzingelt: Dutzende Händler bieten mir in gebrochenem Englisch Spielzeug, Bilder und Textilien zu Spottpreisen an. Indien – das hatte ich mir anders vorgestellt. Besinnlich, spirituell, ruhig. Klar kannte ich Bilder aus den Medien, wusste, Kühe sind heilig, werden nicht geschlachtet oder gegessen! Auch die wichtigsten Verhaltensregeln waren mir bekannt: Frage nur Männer nach dem Weg – niemals fremde Frauen! Betritt religiöse Orte nur ohne Schuhe! Lege nicht die Füße hoch!

Doch ob sich im tosenden Delhi jemand an irgendwelche Regeln hält, kann ich nirgendwo erkennen. Was für die Menschen hier Alltag ist, bleibt für mich ein einziger Kulturschock. Aufatmen kann ich erst dutzende Kilometer südlich von dieser Stadt auf dem Highway 8 Richtung Jaipur. Die Piste verbindet Delhi mit der Küste des Arabischen Meeres und fährt weiter zu Indiens Wirtschaftsmetropole und größter Stadt, Bombai, die seit 1996 wieder Mumbai heißt. Die Luft wird langsam klarer und die Straße freier. Etliche Busse kreuzen meinen Weg – einfache, bunt bemalte Kästen mit vier Rädern, Fenstern ohne Scheiben, Einstiegen ohne Türen. Leute hängen überall aus und in den Öffnungen. Nicht, weil sie Luft schnappen möchten, sondern weil im Bus kein Zentimeter Platz mehr ist. Dies gilt hier als die günstigste Art der Fortbewegung. Kurz hinter Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, verlasse ich die zerfurchte Piste. Mit einem Suzuki Grand Vitara fahre ich jetzt auf sandigen Nebenstraßen durch das fremde Land. Ich meide die riesige Wüste Thar im Westen, die bis ins ferne Pakistan hineinreicht, passiere den östlich gelegenen Ranthambhore-Nationalpark mit all seinen wilden Tieren. Mein Ziel ist Udaipur, die angeblich schönste Stadt Indiens. Sie liegt an den südlichen Ausläufern des 1000 Meter hohen Aravalli-Gebirgszuges, den ich nun direkt vor mir erkennen kann. Er trennt die lebensfeindliche, unwirtliche Thar im Westen von den fruchtbarsten Ebenen Rajasthans im Osten. Je weiter ich mich von Delhi entferne, desto mehr verschwindet der rasende Pulsschlag der Großstadt aus meinen Sinnen. Endlich komme ich zur Ruhe und kann Indien auf mich wirken lassen. Doch einsam bin ich selbst inmitten der scheinbaren Wildnis nicht.

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