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Infiniti Essence

Konzeptsportler mit 600 PS

Infiniti Essence Foto: Martin Meiners 21 Bilder

Mit der Studie Essence macht sich Infiniti zum 20. Geburtstag der Marke selbst eine Freude - und zwar nur sich selbst. Dass niemand dieses 600-PS-Geschenk fahren oder gar kaufen darf, ist äußerst bedauerlich.

08.05.2009 Jens Dralle

Im Verlauf eines Lebens nimmt die Wahrnehmung von Geburtstagen eine dramatische Wendung. Am Ende stehen langatmige Verwandtschaftstreffen, in deren Verlauf zwischen Unmengen von Essen endlose, meist mit haarsträubenden Reimen gespickte Reden gehalten werden. Von der kindlichen Vorfreude auf Geschenke, Topfschlagen-Marathons, Kuchen mit Kerzen und Smarties keine Spur mehr. Irgendwo dazwischen liegt die Phase, in der man anfängt, sich selbst zu beschenken. Bei Infiniti, der Luxus-Division von Nissan, war es nun so weit: Zum 20-Jährigen feierte sich die Marke mit dem Konzeptfahrzeug Essence.

Hybrid-Sportcoupé mit 600 PS

Und das 4,72 Meter lange Showcar fährt sogar, zumindest ein bisschen. Wenn es könnte, wie es sollte, wäre der Fahrer unter dem Glasdach Herr über einen Hybrid-Antriebsstrang, der eine Systemleistung von 600 PS entwickelt. Als Verpackung kam laut Chefdesigner Shiro Nakamura dafür nur das elegante Kleid eines zweitürigen Coupés in Frage, da nur dies "die höchste Form von Luxus und Leistung ausdrückt". Zudem werden diese Eigenschaften von der gewählten Karosserieform am einfachsten für den Betrachter übersetzt, dem zunächst die klassischen Sportwagen-Proportionen auffallen: langer Vorderwagen, danach eine geschwungene Dachlinie sowie ein kurz auslaufendes Heck. So weit, so klassisch. So wie Socken und Krawatte zum Geburtstag für Vati oder Blumen und Bücher für Mutti.

Der Essence versteht es allerdings, seine Bewunderer mit einer überraschenden Komplexität, die sich hinter der traditionellen Silhouette verbirgt, zu beschäftigen. Je länger man die in klarlackloses Silber getauchte Karosserie auf sich wirken lässt, desto mehr Sicken, Lichtkanten, Schwünge, Einzüge und Knicke nimmt man wahr. Speziell die Schulterlinie, die wie der Fenstersims eines Architektenhauses der Motorhaube entweicht, um stützend unterhalb der Fensterlinie in Richtung des Heckfensters zu verschwinden, prägt den Essence.

Die kurvenreiche C-Säule liefert einen ersten Hinweis auf sein stürmisches Wesen. Tatsächlich gibt der 440 PS starke V6 nach dem Starten ein Ständchen in feinster US-Small-Block-Stimmlage zum Besten. Applaus. Nach einem sanften Berühren öffnen sich die Türen und gewähren Einlass in die lichtdurchflutete, mit Alcantara ausgeschlagene Pilotenkanzel. Strikt durch eine massive, äußerst sparsam mit Schaltern bestückte Mittelkonsole voneinander getrennt, liegt man auf knapp geschnittenen Sportsitzen dicht unter der großen Panoramascheibe.

Serienproduktion nicht ganz ausgeschlossen

Der Biturbo-Motor verbreitet noch immer sein herrlich tiefes Timbre, die Nackenhaare haben sich mittlerweile wieder beruhigt. Stattdessen sammeln sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Zum einen aufgrund des Wissens, dass sich gleich ein sündteures Einzelstück in Bewegung setzt, und zum anderen, weil es ohne Klimaanlage im Cockpit mollig warm wird.

Die wenigen vorhandenen Bedienelemente sind ohne Funktion, doch falls die Zukunft tatsächlich mit derart wenig Knöpfen auskommt, möge sie rasch zur Gegenwart werden. Dagegen darf die Idee, dass ein Luxus-Coupé unbedingt unterschiedlich eingefärbte Sitze und Türverkleidungen braucht, um Fahrer und Beifahrer einen eigenen Kokon zu schaffen, gerne Zukunftsmusik bleiben. Kein Geburtstag kommt offenbar ohne überflüssiges Geschenk aus. Inzwischen sind nicht nur die Insassen, sondern auch der Motor aufgeheizt, was einen Boxenstopp erfordert.

Während nun Geburtstagsgeschenk und Feiergäste abkühlen, beherrscht eine Frage die Partygespräche: "Wirklich keine Chance auf eine Serienproduktion?" Shiro Nakamura orakelt: "Ein sportlich-luxuriöses Coupé wäre eine gute Möglichkeit, unser Produktportfolio zu erweitern." Hoffentlich wartet Infiniti damit nicht bis zum nächsten runden Geburtstag.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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