Infotainment: Bediensysteme der Zukunft bei Mercedes

Mercedes, Conceptcar

Reisen im Jahr 2025: Die Mercedes-Studie F 125 fährt mit Wasserstoff und reagiert sensibel auf Gesten und Worte ihres Fahrers. Einen Teil der Zukunftsvisionen verwirklicht die Marke jedoch bereits wesentlich früher.

Die große Zeitreise beginnt mit kleinen Gesten: Eine Handbewegung genügt, und schon setzt sich die riesige Flügeltür in Bewegung, der Vorhang zum Cockpit der Zukunft hebt sich. Geht es nach Mercedes, dann bedienen wir Autos in ein paar Jahren kaum noch über herkömmliche Tasten und Knöpfe, sondern mittels Bewegungen, Touchpads und Sprache.

Multimedia-Bildschirm per Handbewegungen steuern

Im Forschungsfahrzeug F 125 reagieren nicht nur die Türen auf Gesten: Nach dem Vorbild von Microsofts Spielekonsole X-Box lässt sich der große Multimedia-Bildschirm, der an Stelle des Beifahrersitzes hochklappt, ohne zusätzliche Fernbedienung steuern. Vielmehr werden Handbewegungen nach links und rechts als Scrollen im Menü gedeutet, um beispielsweise einen Fernsehsender zu suchen. Ist der richtige Kanal gefunden, genügt ein kleiner Wink, und das Programm startet. Damit der Bildschirm nicht bei jedem Fuchteln im Innenraum umschaltet, müssen die Gestiksensoren zunächst mittels einer definierten Handbewegung nach vorn aktiviert werden.

Auch von der Sprachsteuerung erwartet Mercedes große Fortschritte. Gehorcht heutzutage die Routeneingabe beim Navigationssystem mehr oder weniger aufs Wort, so sollen sich in Zukunft komplexe Internet-Anwendungen sprachbedienen lassen. Auf die Frage "Wie hat denn der HSV gespielt" startet das System eine entsprechende Abfrage und beglückt die Insassen mit den Informationen von Fußball-Nachrichtendiensten. Für den morgendlichen Weg zur Arbeit lassen sich darüber hinaus passend zur Fahrtlänge Text- und Audioartikel aus allen Bereichen von Wirtschaft bis Sport nach persönlicher Gewichtung zusammenstellen und dann im Auto abspielen.

Infotainmentsystem mit Facebook-Verknüpfung

Dagegen lesen sich die ab November eingeführten neuen Comand-Online-Funktionen deutlich bescheidener: Neben Google Streetview und Panoramio, mit denen entlang der Route aufgenommene Fotos angezeigt werden können, dürfte vor allem Facebook auf Interesse stoßen. Immerhin besitzen bereits 25 Prozent der Bevölkerung einen Facebook-Account. Verraten Freunde dort ihren Standort, navigiert das Mercedes-System auf Wunsch zu ihnen.

Aber auch das Mobiltelefon bekommt bald mehr zu tun: Den Start des frei verkäuflichen Smart ED im nächsten Jahr begleitet Mercedes mit einer leicht bedienbaren Handy-App, über die sich Akkuzustand, Reichweite oder verbleibende Ladedauer überwachen lassen. Ist zum Beispiel Energie für eine bestimmte Kilometerzahl nachgeladen worden, geht eine SMS an den Fahrer. Um die kostbare Batterieenergie nicht fürs Aufheizen des Innenraums zu verschwenden, kann darüber hinaus die geplante Abfahrtszeit im Webportal eingegeben werden. Auf diese Weise wird der Stromer vorgeheizt, so lange er noch an seiner Kupferleine hängt.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2011

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