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Jaguar

Höhere Zulassungszahlen trotz Finanzkrise

Jeffrey Scott

Jaguar- und Land Rover-Deutschland-Chef Jeffrey Scott spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über Absatzziele, die Modellpolitik, die Beliebtheit der V6- und V8-Motoren und die Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer Tata.

29.12.2008 Harald Hamprecht

Herr Scott, wie stark trifft die Finanzkrise das Geschäft mit Ihren beiden britischen Premiummarken?
Scott: Wir schlagen uns ganz gut. Für das Gesamtjahr gehe ich von 7.200 Neuzulassungen bei Land Rover aus - nach 8.178 im Vorjahr - und von rund 4.000 bei Jaguar , das wären 7,5 Prozent mehr als im Jahr 2007.
 
Was sind die speziellen Gründe für diese Veränderungen?
Scott: Die schwierige Gesamtmarktsituation im zweiten Halbjahr hatte leider auch auf unser Geschäft Auswirkungen. Noch im ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichneten wir bei Land Rover einen Zuwachs von 15,9 Prozent und bei Jaguar von 21,5 Prozent. Bei Land Rover stieß der neue, kompakte Freelander auf sehr gute Kundenresonanz, aber auch die eher nutzungsorientierten Modelle wie der Defender und der siebensitzige Discovery erfreuten sich einer guten Nachfrage.

Bei Jaguar ist der neue XF sehr erfolgreich, aber auch der kleine X-Type konnte leicht zulegen und der XK hat nach wie vor viele neue Kunden erobern können. Wir können insgesamt mit dem Geschäftsjahr ganz zufrieden sein, immerhin ist Jaguar eine von zwei Marken, die in diesem Jahr in Deutschland überhaupt noch ein positives Ergebnis verzeichnen können.

Leiden Sie stark unter dem Spritfresser-Image?
Scott: Nein, wir spüren nicht einmal bei unseren Achtzylindern einen Rückgang beim Absatz. Es gibt einfach Kundschaft, die ihre Ansprüche hier nicht zurück schrauben will. Und unser Range Rover Sport mit seinen starken V6 und V8 Diesel-Motoren verkauft sich auch in Deutschland besser als ein Lexus RX mit Hybridantrieb. Außerdem senken wir kontinuierlich die Verbräuche unserer Fahrzeuge.

Nennen Sie uns Beispiele?
Scott: Bei Land Rover haben wir in den letzten 5 Jahren sieben neue Modelle mit komplett neuen Motoren eingeführt, die mehr als 10 Prozent weniger verbrauchen als die vorigen Motoren mit deutlich mehr Leistung. Der neue Freelander z.B. hat einen Durchschnittsverbrauch von nur 7,5 Liter und selbst der große Range Rover TDV8 liegt bei nur 11,3 Liter Diesel. Bei Jaguar konnten wir mit der Einführung der Dieselmotoren seit 2003 die Verbräuche enorm senken. So verbraucht die Luxuslimousine XJ 2.7 Diesel nur 7,9 Liter. Das ist gerade mal soviel wie die neue S-Klasse mit Hybrid.

Wann dürfen wir bei Land Rover und Jaguar Hybrid-Motoren erwarten?
Scott: Wir haben in 2007 ein Investitionsprogramm von rund einer Milliarde Euro für die Entwicklung von alternativen Antrieben bekannt gegeben.

Die ersten Ergebnisse liegen vor. Land Rover hat in 2008 auf der London Motorshow einen Diesel Vollhybrid-Konzept vorgestellt, das nicht nur einen CO2 Wert von 120 Gramm und einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter ermöglicht, sondern auch die Allradfähigkeiten eines Land Rover gewährleistet. Dieses Konzept befindet sich bereits im Straßenverkehr in der Testphase.

Der Freelander, der als erster SUV weltweit über eine spritsparende Stopp/Start Technik verfügt, wird im Frühjahr 2009 eingeführt. Alle Technologien, die wir derzeit zunächst für Land Rover entwickeln, können auch bei Jaguar eingesetzt werden. Doch verfügen wir bereits über sehr wirtschaftliche Dieselmotoren, die ohne die für uns und den Kunden sehr, sehr teure Hybridtechnik, Verbräuche zwischen 6,0 und 7.9 Liter in den Limousinen erreichen.   
 
Wie sieht es mit Elektroantrieben oder gar Brennstoffzellen aus?
Scott: Wir entwickeln selbstverständlich in alle Richtungen, denn aus heutiger Sicht ist es noch unklar, welche Antriebe sich auf lange Sicht durchsetzen werden. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Technical Strategy Board (TSB) - eine Initiative der englischen Regierung für die Entwicklung von Zukunftstechnologien – arbeiten wir an ganz unterschiedlichen Programmen.  
 
Welche Neuheiten, die Absatzimpulse geben könnten, dürfen wir im kommenden Jahr erwarten?
Scott: Design und Motoren bei Jaguar sowie Design, Motoren und Allradtechnik bei Land Rover sind die Kernelemente unserer Marken. Auf diese werden wir uns auch in 2009 konzentrieren. Wir werden unsere Motoren weiterentwickeln, um zum einen noch mehr Fahrspaß zu bieten, zum anderen aber auch um den Verbrauch und die Emissionen weiter zu senken. So haben wir gerade die neue Generation von Sechszylinder Dieselmotoren angekündigt, die ab April in dem Jaguar XF zum Einsatz kommen wird. Dieser 3.0 Liter Twin-Turbo Dieselmotor wird in zwei Versionen angeboten – mit  240 PS und einem Drehmoment von 500 Nm und in der Topversion mit 275 PS und 600 Nm Drehmoment.

Es ist überflüssig zu sagen, dass sich dieser Motor wie ein Achtzylinder fährt, jedoch enorm leise und sparsam ist. Beide Versionen haben einen Durchschnittsverbrauch von nur 6,8 Liter und einen CO2 Ausstoss von 179 Gramm pro Kilometer. Bei Land Rover werden wir im Mai 2009 den Freelander TD4_e mit Stopp/Start Technik einführen, dessen Verbrauch bei nur 6,8 Litern liegt.

Und was steht in den kommenden Jahren an?
Scott: Hier lasse ich Sie gerne selbst spekulieren, denn das sind wohlgehütete Firmengeheimnisse. 
 
Nach auto motor und sport-Informationen arbeiten Sie auch an einem zweisitzigen Porsche-Fighter.
Scott: David Smith, unser CEO, sagte, dass wir keinen SUV bei Jaguar bauen werden. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass wir eine Art von Sportwagen planen.
Selbstverständlich sind unsere Designer sehr kreativ und denken über viele neue Konzepte nach. Aber dies gehört zu den Dingen, zu denen wir noch keine Entscheidung getroffen haben. Wir fokussieren uns zunächst auf die Weiterentwicklung unserer aktuellen Modelle.
 
Wann wird es den Nachfolger Ihres Einstiegsmodells X-Type geben?
Scott: Wir haben dem X-Type gerade ein sehr gelungenes Facelift verpasst und für die Version mit Dieselmotor ein Sechs-Gang Automatikgetriebe eingeführt. Beides ist im Markt sehr gut angekommen, sodass wir für den X-Type trotz des sehr schwierigen Marktes einen leichten Zuwachs verzeichnen können. Es gibt derzeit noch keine Pläne, den X-Type zu stoppen.
 
Welche Absatzentwicklung erwarten Sie 2009?
Scott: Ehrlich gesagt – weniger als in diesem Jahr. Aber es wäre vermessen, eine genaue Prognose abzugeben. Ich denke, dazu ist heute kein Automanager in der Lage - die Marktsituation ist zu ungewiss. Unsere Zentrale hat glücklicherweise rechtzeitig mit Produktionskürzungen reagiert, sodass wir keine Überkapazitäten haben, die mit hohen Rabatten in den Markt gedrückt werden müssen. Das sollte meines Erachtens Ziel aller Automobilhersteller sein, in diesen schwierigen Zeiten das Produktionsvolumen der Nachfrage anzupassen, um nicht wie in den letzten Jahren mit unrentablen Geschäften die Zulassungszahlen zu verschönern.
 
Wie sieht Ihr Händlernetz in Deutschland heute aus – und welche Veränderungen stehen an?
Scott: Wir haben bei Jaguar rund 60 Händler und bei Land Rover 110, wobei fast alle Jaguar Händler auch Land Rover Händler sind. Wir planen keine signifikanten Änderungen.
 
Müssen Sie viele Insolvenzen beklagen – oder drohen im kommenden Jahr viele?
Scott: Nein, danach sieht es nicht aus. Denn die durchschnittliche Umsatzrendite unserer Jaguar-Händler wird dieses Jahr bei rund 1,5 Prozent liegen – nach 1,4 Prozent im Vorjahr. Damit liegen wir deutlich über dem Branchenschnitt von 0,3 Prozent. Ähnliches gilt für Land Rover mit einer durchschnittlichen Umsatzrendite von 1,7 Prozent in diesem Jahr. Für beide Marken ist unser mittelfristiges Ziel eine Rendite von über zwei Prozent. Und ich gehe davon aus, dass wir diesen Wert 2011 erreichen.

Ihre Importeursgesellschaft haben Sie dieses Jahr personell etwas verschlankt.
Scott: Das ist richtig. Ende 2007 beschäftigte Jaguar und Land Rover Deutschland 85 Menschen, Ende dieses Jahres sind es 78. Dies waren jedoch keine Entlassungen, sondern Positionen, die ich in der gegebenen Marktsituation nicht wieder neu besetzt habe.
 
Wie gestaltet sich das Geschäft von Jaguar und Land Rover weltweit?
Scott: Wir werden bei Jaguar in diesem Jahr nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit mit rund 65.000 Einheiten ein positives Absatzergebnis erreichen. Und bei unserer SUV-Marke 185.000.
 
Wie stark ist der Einfluss Ihres neuen Eigentümers Tata auf das Geschäft?
Scott: Wir spüren hier weniger Einflussnahme als bei Ford - hier in Deutschland nämlich gar keine. Unsere Geschäftsleitung in England trifft sich jeden Monat mit Ravi Kant, dem CEO von Tata Motors und mit Ratan Tata etwa alle zwei Monate. Die Meetings finden normalerweise in England statt, denn Tata unterhält ein Technology Center in Coventry. Zudem gibt es eine Reihe von Experten, die uns helfen, den Übergang von Ford zu bewältigen, wie etwa  im Finanz- und IT-Bereich. Doch das tägliche Geschäft wird ausschließlich von Jaguar - und Land Rover -Managern betrieben, die nach wie vor ausschließlich meine Ansprechpartner sind.

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