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Interview mit Opel-Boss Karl-Thomas Neumann

"Die Marke Opel wird wieder positiv gesehen"

Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann, Interview, ams 07/2016 Foto: Jens Erbeck 5 Bilder
Interview

Der Opel-Vorstandsvorsitzende spricht mit auto motor und sport über den Reiz der neuen Modelle, den schleppenden Absatz von Elektroautos sowie die Folgen des Diesel-Skandals.

16.03.2016 auto motor und sport
Die Genf-Studie Opel GT Concept sorgt für viel Furore. Wann kommt die Serienversion?

Neumann: Wir haben noch keine Entscheidung getroffen. Sicher ist aber, dass der GT Concept eine Inspiration für zukünftige Modelle sein wird. Wir warten nun die Publikumsreaktionen ab. Vor rund 50 Jahren konnte Opel gar nicht anders, als die Studie GT später auch in Serie zu bauen. Natürlich wünschen sich viele Menschen dieses Auto. Aber es ist nicht ganz einfach, ein solches Projekt zu realisieren. Grundsätzlich braucht die Marke Opel emotionale Autos, an deren Scheibe man sich die Nase platt drückt.

Falls Sie das Auto machen, ist dann die Heckantriebsarchitektur gesetzt?

Neumann: Wenn wir das Auto realisieren sollten, wäre es aus meiner Sicht ein Fehler, ein Frontantriebs-Chassis zu verwenden. Ein GT müsste kein Supersportwagen werden, aber er sollte Spaß machen. „Nur Fliegen ist schöner“ müsste auch für ihn gelten. Er müsste ehrlich und bezahlbar sein. Wir haben für das Konzeptauto daher auch den Dreizylinder genommen und keinen elektrifizierten Antriebsstrang.

Passen Dreizylinder denn zu Emotionalität?

Neumann: Inzwischen ja. Früher war ich eher skeptisch, aber das hat sich komplett gewandelt. Nehmen Sie den neuen Astra mit Dreizylindermotor. Die Kombination macht extrem viel Spaß, hat einen tollen Drehmomentverlauf und läuft sehr ruhig. Selbst der knorrige Klang passt wunderbar. Im GT wäre auch ein Soundgenerator nichts Verwerfliches. Man darf es nur nicht übertreiben, sonst klingt es unnatürlich.

Sind von Opel auch mal wieder große Modelle wie der Diplomat denkbar?

Neumann: Aktuell ist das keine Option, denn das Segment schrumpft. Deshalb nutzen wir unsere finanziellen Ressourcen lieber zur Stärkung des heutigen Markenkerns.

Was ist denn heute der Kern von Opel?

Neumann: Mit dieser Frage haben wir uns in den vergangenen Jahren sehr intensiv beschäftigt und drei Dimensionen benannt. Erstens Emotionalität: Wir wollen ein ausdrucksstarkes Design, große Touchscreens – Dinge, die dem Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Zweite ist die lange deutsche Tradition. Wir bauen seit 1899 mit Liebe und Perfektion Autos. Das sehen Sie am neuen Astra mit seiner präzisen Linienführung. Und Sie werden das auch in Zukunft noch stärker bei unseren Produkten sehen. Das Dritte ist die Nahbarkeit: Ein Opel muss ein Auto sein, das für jeden erreichbar ist.

Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann, Interview, ams 07/2016Foto: Jens Erbeck
Nicht nur eine Studie: Der Opel GT könnte kommen - auf einer Fremdplattform mit Hinterradantrieb.
Was ändert sich denn an den Modellen?

Neumann: Sie können in allen Segmenten spannende Autos erwarten. Wir stecken in der größten Modell­offensive unserer Geschichte – bis 2020 bringen wir 29 neue Modelle auf dem Markt. Als Nächstes wird der Zafira aufgefrischt. Er wird unter anderem innen noch hochwertiger. Spannend wird auch die nächste Generation des Insignia, die optisch viel vom Monza Concept erhält.

Der SUV-Boom hält an. Planen Sie auch hier neue Modelle?

Neumann: Absolut. Das war eine der größten Schwächen von Opel bei meinem Amtsantritt vor drei Jahren. Der Mokka ist ein Riesenerfolg. Der neue Mokka X wird noch mal eine Steigerung bringen und viel stämmiger aussehen. Wir haben uns auch etwas für den Meriva-Nachfolger überlegt: Der Neue soll höher werden, ein Lifestyle-Auto, aber nicht so hoch wie ein SUV, weshalb wir ihn CUV, also Cross Utility Vehicle nennen. Er soll etwas städtischer und lifestyliger aussehen. Sie bekommen trotzdem einen hohen Nutzwert wie beim Meriva, und daher bin ich mir sicher, dass er uns neue Käufer erschließt.

Hat die Kampagne "Umparken im Kopf" zu einer anderen Kundschaft geführt?

Neumann: Die Kampagne hat den Blick auf Opel verändert. Die Marke wird wieder positiv gesehen. Das heißt zwar noch nicht, dass man auch sofort einen Opel kauft. Wir sind aber bei vielen Menschen wieder in der engeren Auswahl. Dank Autos wie dem Adam und dessen Auftritt in der Sendung "Germany’s Next Topmodel" haben wir wieder mehr junge Kunden. Auch unsere Rückkehr ins Fußball-Sponsoring und die Zusammenarbeit mit Trainer Jürgen Klopp haben uns sehr geholfen. Insgesamt gesehen haben wir bei der Arbeit an der Marke schon viel erreicht.

Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann, Interview, ams 07/2016Foto: Jens Erbeck
i3-Konkurrent: Ein kleines City-SUV namens Ampera-e ist geplant. 2017 soll er kommen.
Profitieren Sie vom VW-Skandal?

Neumann: Der Schaden für die Branche ist viel größer als der Nutzen. Wir schauen nicht auf Wettbewerber, sondern lieber auf unsere Modelloffensive.

Wie sehr bringt der Abgas-Skandal die bisherige Antriebswelt ins Wanken?

Neumann: Das ist ein riesiges Thema, das oft nicht mehr rational diskutiert wird. Dabei hat der Selbstzünder viele Vorteile und ist wichtig, um die strengen zukünftigen CO2-Vorgaben zu erfüllen. Wir plädieren für eine Versachlichung der Diskussion.

Was denken Sie sich, wenn sie von unangekündigten Abgastests bei Mietwagen hören?

Neumann: Das beunruhigt mich nicht. Wir brauchen einen klaren Rahmen, innerhalb dessen man sagen kann, wir halten Grenzen ein oder nicht. Wir haben jedoch das Problem, dass verschiedenste Organisationen eigene Messungen machen und irgendwelche Ergebnisse veröffentlichen. Viele der Messungen entbehren jeder wissenschaftlichen Objektivität. In Belgien wurden kürzlich defekte Autos genommen. Deshalb bin ich ganz froh, dass wir bald auf EU-Ebene Grenzen bekommen, mit denen wir uns beschäftigen können.

Wie kam es zu der Entscheidung, bereits ausgelieferte Euro-6-Autos sauberer zu machen?

Neumann: Wir wollen in die Offensive gehen und ein Zeichen setzen. Deshalb haben wir entschieden, eine frühe und freiwillige Verbesserung im Hinblick auf die Real-Driving-Emissions-Gesetzgebung umzusetzen. Und wir haben uns entschlossen, den nächsten Schritt in Richtung zukünftiger Emissionsvorgaben - sowohl bei CO2 als auch bei NOX - zu machen. Ab dem Sommer werden wir sukzessive bei einzelnen Modellen anfangen, zusätzlich zu den offiziellen Angaben von Verbrauch und CO2 auch den Verbrauch gemäß WLTP, das heißt World­wide Harmonized Light Vehicles Test Procedure, zu veröffentlichen.

Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann, Interview, ams 07/2016Foto: Jens Erbeck
Seit dem 1. März 2013 ist Neumann der CEO von Opel.
Die Regierung wollte 2020 eine Million Elektroautos auf unseren Straßen sehen, doch das lässt sich kaum noch erreichen. Was erwarten Sie von der Politik?

Neumann: Die Politik möchte eine CO2-neutrale Mobilität, und dafür muss man sich auch Zwischenziele stecken wie das von einer Million E-Autos. Um das zu erreichen, müssen Industrie und Politik an einem Strang ziehen. Kaufprämien sind da ein durchaus denkbares Mittel. Ich bin aber skeptisch, ob der Steuerzahler die Kostenlücke schließen soll, die es heute noch zwischen Verbrenner und E-Auto gibt. Einer unserer Lösungsansätze geht dahin, dass sich viele Menschen ein solches Auto teilen. Je mehr Leute ein Elektroauto fahren, desto billiger wird es. Wir haben jedenfalls unsere Hausaufgaben gemacht und werden mit dem Ampera-e ein zukunftsweisendes Elektroauto auf den Markt bringen. Es hat eine größere Reichweite als die meisten anderen Elektroautos, und wir werden es zu einem erschwinglichen Preis verkaufen.

Sie sagten mal, dass auch ein E-Opel ein echter Opel sein muss. Wie soll sich da ein Ampera-e von einem Chevrolet Bolt unterscheiden?

Neumann: Das Design ist ein Thema, aber auch was auf dem großen Bildschirm passiert, mit all den Vernetzungsmöglichkeiten. Bei Varianten, die aus einem Modulbaukasten kommen, muss man sehr geschickt vorgehen, um authentisch zu bleiben. Wir können das!

Wie hoch ist Ihr Druck, in diesem Jahr Gewinn zu machen?

Neumann: Das ist unser großes Ziel. In den vergangenen drei Jahren ist viel Gutes passiert: Wir sind gewachsen und haben unsere Verluste reduziert. Aber natürlich gibt es auch Schwierigkeiten, denen wir uns stellen müssen - so wie der schwache russische Markt, aus dem wir uns zurückgezogen haben. Trotzdem glauben wir daran, dass wir es schaffen. Wir haben unsere finanziellen Ziele nunmehr drei Jahre in Folge erreicht. Natürlich müssen wir uns anstrengen. Unsere aktuellen Verkaufsergebnisse und unsere moderne Modellpalette stimmen uns optimistisch. Ich vergleiche das gerne mit einem Marathon: Wir sind bei Kilometer 30, aber noch nicht im Ziel. Darauf verwenden wir alle Kraft und Konzentration.

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