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Interview mit Maserati-Chef Harald Wester

"Profitabel trotz Absatzminus von 40 Prozent“

Harald Wester 7 Bilder

Harald Wester ist Entwicklungsverantwortlicher des gesamten Fiat-Konzerns - und Maserati-Chef. Wie sich die italienische Sportwagenmarke in den aktuellen Krisenzeiten schlägt, erklärt Wester im Interview mit den auto motor und sport-Redakteuren Bernd Ostmann und Harald Hamprecht.

31.12.2009

Wie schlägt sich die Marke Maserati in der Krise?
Wester: Zunächst einmal sind wir stolz, dass wir uns noch im positiven Bereich bewegen. Bis Ende August haben wir mit sechs Millionen Euro ein positives operatives Ergebnis eingefahren. Und auch im Gesamtjahr werden wir profitabel sein. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Maserati Gran Turismo S 2:32 Min.

Wo genau werden Sie dieses Jahr landen?
Wester: In der Fiat-Gruppe zählen wir nicht zu den Marken mit dem höchsten Return-on-Investment, aber wir werden wie gesagt profitabel sein. Dieses Jahr in einer Größenordnung von etwas über einem Prozent. Vergangenes Jahr waren wir fast zweistellig.
 
Wann werden Sie wieder alte Höhen erreichen?
Wester: Wenn sich die Märkte normalisieren und wir die nächste Generation der heutigen Produktpalette im Markt haben, also in vier, fünf Jahren.
 
Wie entwickelt sich Ihr Absatz?
Wester: Wir haben zwei Rekordjahre hinter uns - mit einem satten Absatzplus von 17 beziehungsweise 33 Prozent. So verbuchten wir für das Gesamtjahr 2008  rund 8.600 Auslieferungen - den höchsten Wert unserer Geschichte. Dieses Jahr  haben wir alles Menschenmögliche getan, aber es wird insgesamt gegenüber 2008 weltweit ein Minus von zirka 40 Prozent geben.
 
Das ist aber stärker als der Premiummarkt?
Wester: Nein, wenn wir allein den Markt der Luxuslimousinen größer 100.000 Euro betrachten, dann liegt der Einbruch über alle Anbieter hinweg bei 55 Prozent. Und das Segment der Gran Turismo Coupes ist um fast 40 Prozent geschrumpft. Deswegen schlagen wir uns relativ gesehen besser als unsere Wettbewerber in den jeweiligen Segmenten.
 
In welchen Regionen sind die Einbrüche am schmerzhaftesten?
Wester: Sie wissen, dass die USA noch im vergangenen Jahr unser Hauptmarkt waren mit einem Absatzanteil von mehr als 30 Prozent. Wir haben hier mehr oder weniger gleiche Einbußen wie der Wettbewerb zu verzeichnen. Der GranTurismo liegt im Mittelwert des Segments, der Quattroporte dagegen hat sich besser geschlagen und in den wichtigsten acht internationalen Märkten Prozent Segmentanteil dazu gewonnen.
 
Wie sieht es in China und Westeuropa aus?
Wester: Die beiden Märkte haben es in diesem Jahr auch schwer. In Europa haben wir uns vom Volumen her besser behauptet und die Einbrüche sind nicht so hoch wie in den USA. Insgesamt liegen wir in Europa ca. 20 Prozent unter den Vorjahresvolumina; dies ist deutlich besser als das durchschnittliche Minus in unserem Marktsegment, so dass wir konsequenterweise unseren Marktanteil in Westeuropa im Bereich der Luxuslimousinen um ca. 20 Prozent von 3,8 auf 4,6 Prozent steigern konnten. In China haben wir uns ebenfalls gut behauptet. Die Einbussen liegen in etwa im Bereich der europäischen Zahlen; unsere Daten 2009 für China werden das 2007 Jahr dennoch um rund 25 Prozent übertreffen.

Sehen Sie ein Ende der Krise?
Wester: Ich glaube den Gurus nicht mehr, die jeden Tag das Licht am Ende des Tunnels sehen. Ich sage meiner Mannschaft jeden Tag, dass wir uns darauf einstellen müssen, mit dem Absatzniveau dieses Jahres im nächsten Jahr deutlich profitabler zu sein. Alles was dann oben darauf kommt, ist industriell relativ einfach zu realisieren.
 
Stehen Einschnitte bei der Belegschaft an?
Wester: Die haben wir dieses Jahr im direkten Bereich schon um rund 20 Prozent reduziert: vor  Weihnachten 2008 die Fabrik angepasst und im Laufe des 1. Quartals 2009 alle Filialen. Den Kern von heute zirka 800 Mitarbeitern weltweit wollen wir vorerst konstant halten. Darüber hinaus setzen wir auf arbeitsorganisatorische Optimierungen, um weitere Effizienzen zu realisieren.

Müssen Sie am Entwicklungsbudget sparen?
Wester: Es ein grundlegender Unterschied ist, ob man integrierter Bestandteil von Megagruppen ist - oder Hobby einzelner Investoren. Mein Credo ist: Ich kann nicht zu meinem Shareholder gehen und sagen, wir haben so tolle emotionale Autos, jetzt machen wir die nächste Generation, unabhängig vom wirtschaftlichen Ergebnis. Das beste Beispiel ist unser jüngster Spross, das Gran Cabrio, das wir im Konzern-Vorstand schon im Dezember 2007 als Projekt vorgestellt haben. Danach haben wir das gesamte Paket nochmals komplett überarbeitet und im Dezember 2008 erneut diskutiert und verabschiedet. Die Kosten sind in diesem Zeitraum um 20 Prozent gestiegen, und das zu einem Zeitpunkt, wo sich die Krise schon abzeichnete. Da das Projekt wirtschaftlich gut dastand, ist es verabschiedet worden; andernfalls wäre es dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das zeigt Ihnen, wie sehr wir angewiesen sind, auf jeden Cent zu achten, den wir ausgeben. Auch in der Entwicklung.
 
Das heißt, so schnell werden wir bei Maserati keinen Hybrid und auch keinen Elektroantrieb sehen?
Wester: Alternative Antriebe sind innerhalb der Fiat-Gruppe verfügbar und werden auch für Maserati diskutiert. Letztendlich werden wir in unserem Segment aber auch über andere Lösungen sprechen müssen.
 
Wie sonst wollen Sie Ihre CO2- und Verbrauchswerte senken - und in welchem Ausmaß?
Wester: Downsizing ist sicherlich auch für uns ein Thema, modulare Motoren spielen eine Rolle und statt großvolumigen Achtzylinder Motoren können wir uns auch turboaufgeladene Sechszylinder-Motoren mit geringerem Hubraum vorstellen. Wir denken in diesem Zusammenhang auch an Leichtbauweise und generell energieeffiziente Systeme in allen Bereichen.

Wie viele Händler haben Sie aktuell weltweit - und wie wird sich diese Zahl entwickeln?
Wester: Wir haben heute weltweit 273 Maserati Händler. 2010 wird es in diesem Bereich quantitativ keine signifikanten Änderungen geben.
 
Wie entwickeln sich das Vertriebsnetz und der Absatz in Deutschland?
Wester: Hier sind wir auf einem guten Weg. Das Vertriebsnetz ist und bleibt stabil und wir werden weiter Lücken schließen. Den Absatz für dieses Jahr mussten wir aufgrund der Situation auch in Deutschland anpassen.
 
Ihre dritte Baureihe - das 440 PS-starke GranCabrio - wird im Frühjahr 2010 in den Markt eingeführt. Welche Hoffnungen setzen Sie darauf?
Wester: Das GranCabrio ist das erste viersitzige Cabrio in der Maserati Geschichte. Die Resonanz auf der IAA war enorm und ist weiterhin ungebrochen. Wir sind sehr stolz auf dieses Produkt, das in seiner Klasse einen absoluten Referenzpunkt darstellt und in vielen Eigenschaften allen Wettbewerbern klar überlegen ist. Und wir haben entsprechend große Erwartungen in unseren Hauptmärkten.
 
Welche weiteren Produkthighlights dürfen die Händler und Kunden von Maserati kurz- bis mittelfristig erwarten? Sprich: Wann kommen Nachfolger bestehender Modelle - oder neue Varianten? Und wann dürfen wir eine komplett neue Baureihe erwarten?
Wester: Erst einmal liegt unser Fokus auf dem GranCabrio. Anschließend werden wir sukzessive die bestehenden Produkte pflegen und erneuern. Eine völlig neue, zusätzliche Baureihe muss sicherlich kompakter und vom Design her nicht unbedingt eine klassische Limousine sein.

Wie sehr profitieren Sie von der Auftragsfertigung des Alfa 8C?
Wester: Der Alfa 8C weckt ähnliche Emotionen wir ein Maserati. Er wird bei uns in Modena produziert und auch über die Maserati Handelspartner ausgeliefert und gewartet. Da wir unser Geschäft verstehen, haben wir die bestmöglichen Vorraussetzungen, dem Wagen nicht nur weiterhin zum Erfolg zu verhelfen, sondern dies parallel auch für uns zu nutzen, zum Beispiel um 8C-Kunden und -Interessenten die Maserati Modellpalette zu präsentieren.
 
Welche Pläne haben Sie im Bereich Motorsport?
Wester: Wir haben mit dem erneuten und dritten Sieg in Folge in der  FIA GT-Weltmeisterschaft (Team/Konstrukteur und Fahrer) erneut Motorsportgeschichte geschrieben und sind damit in dieser Klasse der Maßstab. Wir werden in der gleichen Klasse (FIA GT-WM) mit einem nochmals verstärkten Team auch im nächsten Jahr wieder präsent und schwer zu schlagen sein. Parallel dazu weiten wir aber auch unsere kundennahen Motorsportaktivitäten aus. Wir werden mit dem Maserati GT4 in den internationalen GT-Meisterschaften sowie in einer Markenserie mit einem GT4-Derivat antreten, also ein ideales Betätigungsfeld für unsere Kunden in einem sehr attraktiven Gentlemen Driver Ambiente.
 
Welche anderen Wege beschreiten Sie, um neue und alte Kunden anzusprechen?
Wester: Neben den klassischen Marketingaktivitäten gehen wir verstärkt in den Bereich Online und suchen uns dort unsere Nischen. Das Internet wird auch für Kunden im Bereich Luxus immer relevanter und dient als wichtige Informationsquelle. Da spielen Information und Unterhaltung eine große Rolle. Diesem Anspruch kommen wir nach und bietenunseren Interessenten neue außergewöhnliche, interaktive Produktinszenierungen und einzigartige digitale Erlebniswelten. Der Maserati Car Configurator bietet zahlreiche Features, die uns von unseren Wettbewerbern unterscheiden. Ansonsten setzen wir auf den direkten Kontakt in Form von Kundenfahrtagen, Produktpräsentationen und Erlebnistagen.  

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