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Interview mit Toyota EU-Vertriebs- und Qualitätschef Leroy

"Qualitätsmesslatte noch höher setzen"

Didier Leroy, Toyota Foto: Toyota 267 Bilder

Toyota Europe-Qualitäts- und Vertriebschef Didier Leroy spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über die Qualitätsprobleme und die Rückrufe der Marke Toyota.

24.03.2010 Harald Hamprecht

Erklären Sie - als ehemaliger Produktionschef von Toyota in Europa - wie ein solches Qualitätsproblem auftauchen konnte?
Leroy:
Zunächst einmal möchte ich betonen, dass unsere Qualitätsmaßstäbe nach wie vor Benchmark in der gesamten Branche sind. Daran hat sich nichts geändert. Kein einziger Toyota-Standard für ein Bauteil wurde bei einem unserer europaweit 350 Zulieferer irgendwo wegen Kostendrucks gesenkt. Aber wir wollen auf keinen Fall überheblich sein. Wir werden unsere Qualitätsmesslatte in Zukunft sogar noch höher ansetzen. Wir nehmen die Thematik sehr ernst, obwohl es einen geringen Prozentsatz an Fahrzeugen betrifft.

Welchen?
Leroy: Von 2008, als es zum ersten Vorfall mit einem defekten Pedal kam, bis Dezember 2009 hatten wir europaweit 15 Fälle, in denen es zu Problemen kam. Ich wiederhole: 15 Fälle - von insgesamt rund einer Million produzierten Fahrzeuge. Und der Prius war kein Sicherheits-Rückruf, sondern ein freiwilliger Rückruf. Meine Frau und meine zwei Kinder fragten mich, ob sie sich fürchten müssen. Und natürlich müssen sie nicht - und ich konnte ihnen raten, dass sie guten Gewissens ihren Toyota weiterfahren sollen.

In Deutschland laufen für 216.000 zurückgerufene Fahrzeuge Kosten von rund 13 Millionen Euro auf. Welche Kosten entstehen in Europa für die Rückrufaktionen?
Leroy: Wir schätzen die Kosten im Moment noch ab und können diese Frage deshalb momentan noch nicht beantworten.

Weltweit hat der Konzern bislang 1,4 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet. Glauben Sie, dass das ausreicht? Die Pannenserie will ja nicht abbrechen. Zuletzt hat es in Japan auch die Marke Daihatsu getroffen.
Leroy: Diese Zahl wurde bei der Veröffentlichung der letzten Quartalsergebnisse im Februar als vorläufige Einschätzung genannt. Derzeit geben wir noch keine genauere Zahl bekannt.

Deutschland-Chef Uyttenhoven rechnet mit einem Absatzeinbruch von 20 Prozent aufgrund der Qualitätsdiskussion. Befürchten Sie einen eine ähnliche Entwicklung auch in ganz Europa?
Leroy: Im vergangenen Jahr haben wir europaweit 855.000 Toyota verkauft. Dieses Jahr wollten wir ursprünglich 840.000 Einheiten verkaufen. Das war eine Prognose von Ende vergangenen Jahres, die wir nicht revidiert haben, die aber auch nicht sicher ist. Und zwar aus zwei Gründen.

Nämlich?
Leroy: Ursprünglich lag dieser Prognose die Einschätzung zugrunde, dass der Markt, der 2009 bei einer Größe von grob 16 Millionen Neuzulassungen lag, zwischen fünf und zehn Prozent rückläufig sein wird. Inzwischen gehen wir eher von der pessimistischen Prognose von minus zehn Prozent aus, denn die ersten beiden Monate verliefen sehr enttäuschend: Uns trifft dabei gerade Deutschland - unser größter Einzelmarkt in Europa im vergangenen Jahr, wo wir bislang kein Signal der Erholung sehen.

Wie sehr trifft Sie die Qualitätsdiskussion?
Leroy: Seit dem Rückruf einiger Fahrzeuge der Modelle Aygo, iQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis, RAV4 und Prius in Europa im Februar haben wir die Auslieferungen gestoppt. Denn wir müssen das Vertrauen unserer Kunden in unserer Marke und unseren Kernmarkenwert Sicherheit wieder reparieren. Denn unsere Marktforschungsergebnisse zeigen, dass uns einige Kunden aufgrund des negativen Medienrummels von ihrer Einkaufsliste genommen haben. Glücklicherweise handelt es sich dabei im Wesentlichen nicht um existente Kunden, die schon mal Toyota gefahren sind, sondern nur um potenzielle Kunden, die fast zu unserer Marke gewechselt wären.

Mit welchen neuen Modellen wollen Sie dem Verkauf Impulse geben?
Leroy: Den Start macht aktuell der neue Auris mit einem leichten Facelift. Zur Jahresmitte kommt der Auris Hybrid in den Handel. Das ist übrigens das erst Mal, dass ein Vollhybrid in Europa gefertigt wird, um genau zu sein in unserem britischen Werk in Burnaston. Ebenfalls im Juni kommt das Facelift des RAV4. Und zum Jahreswechsel startet in Japan die Produktion des neuen Lexus-Einstiegsmodells CT 200h, das dann 2011 in den Markt kommt.

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