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Isofix für Rollstühle

Wo bleibt die Norm für Rollis?

Luca Leicht, Porträt Foto: Hans-Dieter Seufert 4 Bilder

Für fast alles haben wir eine Norm oder ein Gesetz – nur bei der Rollstuhl-Fixierung im Auto hört die Regulierungswut auf, kritisiert Luca Leicht.

11.07.2014 Luca Leicht

Sichere Mobilität ist ein Grundrecht für jedermann. Genau deshalb gelten auch beim Transport von Personen in Rollstühlen klare Regeln. Trotzdem gehen Autounfälle für Rolli-Fahrer viel zu oft tödlich aus, da beispielsweise Rollstühle zum Einsatz kommen, die nicht als Fahrzeugsitz zugelassen sind. Im vergangenen Jahr fand das Deutsche Institut für Qualitätsförderung (DIQ) bei einer Feldstudie heraus, dass rund 85 Prozent der Schulkinder in derlei ungeeigneten Rollis zur Schule, zur Therapie oder zum Sport gefahren werden — obwohl 2009 zahlreiche Normen überarbeitet wurden und die Anforderungen an die Rollstühle, Fahrzeuge und Haltesysteme für Rollis und Rolli-Fahrer sicherstellen sollen.

Einheitliches System für Rollstuhl-Fixierungen fehlt

Die geeigneten Rollstühle müssen mit sogenannten Kraftknoten ausgestattet sein, um sie im Fahrzeug zu verankern. So müssen sie einen Crashtest aus 50 km/h bestehen und bekommen nur mit einem Dreipunktgurt die notwendige Zertifizierung, um zur Beförderung von Rollstuhlfahrern zugelassen zu werden. Alle anderen Rollis werden mit einem Symbol als untauglich zum Transport gekennzeichnet und dürfen auch nur so verkauft werden.

So gut diese Regularien in der Theorie sein mögen, so schnell stoßen sie im Rollstuhlfahrer-Alltag an ihre Grenzen. Ein Crashtest des DIQ mit einem nicht zugelassenen Klapprollstuhl, den auch die Kinder der Feldstudie fuhren, brachte ein verheerendes Bild zutage: Der Rolli wurde beim Crash fast vollständig zerstört und klappte regelrecht zusammen. Der Dummy löste sich sogar aus dem Stuhl, und durch herausgebrochene Bauteile wäre es beim echten Crash wahrscheinlich zu schweren Verletzungen, wenn nicht zum Tod gekommen. Probleme gibt es aber auch bei den zertifizierten Systemen. Da die Rollstühle meist mit Abspanngurten am Fahrzeugboden befestigt werden müssen, sind die Rolli-Fahrer wegen ihrer Beeinträchtigung häufig auf Hilfe beim Verzurren angewiesen. Viele Fahrer der Wohlfahrtsdienste sind sogar geschult, Rollstühle korrekt zu befestigen. Durch hohen Termindruck haben sie aber nicht die Zeit, zu helfen. Zudem machen es die vielen verschiedenen Systeme und Vorgaben der Hersteller besonders Laien schwierig, den Rolli sicher zu verankern. Noch dramatischer wird es im Linienbusbetrieb. Hier sieht der Gesetzgeber zwar zwei Rolli-Plätze vor, Punkte zum Verzurren sucht man jedoch meist vergebens.

Was fehlt, ist ein einheitliches System. Ein Standard, mit dem alle Rollstuhl- und Fahrzeughersteller arbeiten können. Dass so etwas funktionieren kann, zeigen bereits die Isofix-Kindersitze, die mit genormten Halterungen und einfachen Klicksystemen für mehr Sicherheit bei einfacher Handhabung sorgen. Ein ähnliches Docking-System bietet der dänische Hersteller Dahl. Bis ein solches System als Standard etabliert ist, kann es aber noch Jahre dauern – was angesichts dieser Missstände nicht zu akzeptieren ist. Ein erster Schritt wäre eine Regelung wie bei unseren skandinavischen Nachbarn: In Norwegen und Dänemark dürfen beispielsweise Rollstühle ohne Transport-Zertifizierung nur noch mit Sondergenehmigung verkauft werden.

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