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Italien-Reise

Auf den Spuren Nuvolaris

Foto: Beate Jeske 14 Bilder

In der Heimat von Italiens größtem Rennfahrer Tazio Nuvolari liebt man feines Essen und schnelle Autos. Auf Spurensuche rund um Mantua.

05.09.2008

Jeden Vormittag, wenn sich das Sonnenlicht durch die engen Gassen in der Altstadt tastet, wenn die ersten Touristen neugierig über die Piazza Broletto schlendern, dann wird Rodolfo munter. Ah, due espressi. Bitte schön. Wie wär’s mit einem Stück von der Sbrisolona, der berühmten Mandeltorte aus Mantua? Oder eine Piadina? Rodolfos Bar ist eng, dunkel und alles andere als gemütlich. Aber es ist die Bar Nuvolari. Und wenn jemand nach Tazio Nuvolari fragt, dann kommt der Chef, der mit groß gewachsener Gestalt, grauem Haar und dem dunklen Menjou-Bärtchen in jedem Theater als reifer Liebhaber reüssieren könnte, erst richtig in Fahrt.

Große Verwandtschaft in Mantua

"Oh", schmettert er über die Piazza, "wissen Sie, dass ich der Neffe von Nuvolari bin" Dann lacht er spitzbübisch und wechselt die Stimme vom Heldentenor zum seriösen Bariton: "Aber hier in Mantua ist ja jeder mit Nuvolari verwandt. Irgendwie." Zumindest seelenverwandt. Denn für die Mantovaner ist er der Held, Ehrenbürger, Übervater. Italiens größter Rennfahrer aller Zeiten. Tazio war einer, der in den zwanziger und dreißiger Jahren auf Motorrädern genauso große Rennen gewann wie mit Alfa Romeo, Bugatti und Maserati. Den sie den fliegenden Mantovaner, den Sohn des Teufels nannten und von dem Ferdinand Porsche behauptete, er sei der größte Fahrer der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

Die Begegnung mit Nuvolari kann nur an der Piazza Broletto beginnen. Nicht in Rodolfos Bar, sondern gegenüber im Palazzo Podestà im kleinen Museum, das ganz dem berühmten Mantovaner gewidmet ist. Vincenzo Ghidini ist der Präsident des Automobilclubs von Mantua, ein pensionierter Apotheker und natürlich Nuvolari-Experte. "Sein Markenzeichen war die goldene Schildkröte, die ihm 1932 der Dichter Gabriele d’Annunzio geschenkt hat."

Gelber Pullover als Markenzeichen

In den Vitrinen glänzen unzählige Pokale. Große und kleine, hübsche und hässliche. Ganz wichtig der gelbe Pullover mit seinen Initialen, den er meist trug, wenn er an den Start ging. "Drüben auf der anderen Seite der Autobahn, in Castel d’Ario, ist er geboren und aufgewachsen", erzählt Signor Ghidini. Nuvolaris Eltern waren Reisbauern. Ihr altes Haus steht heute noch gut zwei Kilometer außerhalb des Dorfes. In Castel d’Ario huldigen sie dem Champion auf eher unspektakuläre Art.

Als Ortsfremder sucht man besser die nächste Bar auf und lässt sich bei einem Caffè den Weg weisen. "Da vorne fährst du links in die Via Matteotti", sagt der junge Barista in der Segafredo Bar, "und siehst gleich rechts sein Geburtshaus. Dann weiter bis zum Nuvolari-Denkmal, rechts ab, und nach fünf Minuten kommst du zum Bauernhaus." Nicht erwähnt hat er die Piazza Nuvolari mit einer weiteren Statue. Wer einmal die Fährte aufgenommen hat, stößt sowieso immer wieder auf Nuvolari. Egal ob im verschlafenen Castel d’Ario, wo einer seiner Neffen immer noch den verlassen wirkenden Bauernhof bewirtschaftet, oder im quirligen Zentrum von Mantua.

Den rennfahrenden Teufel gibt es auch als Comicband in der kleinen Buchhandlung in der Via Ardigo. Nebenan im Feinkostladen wäre eine Flasche Rotwein der Marke Rosso Nuvolari zu haben. Gleich ums Eck steht der Spielwarenladen Tazio Toys. Eine Querstraße weiter die Pizzeria Nuvolari. Wer Gehaltvolleres zur Biografie sucht, kann sich beim Besuch seines einstigen Stammlokals, der Antica Locanda Ai Garibaldini im Vicolo S. Longino 7, von den Qualitäten lokaler Spezialitäten wie Risotto alla Mantovana oder Tortelli mit Kürbis, Butter und Salbei überzeugen.
 
Hochsaison im September

Etwas weiter südlich in der Viale Rimembranze steht das gelbe Haus, in dem er bis zu seinem Tod 1953 wohnte. Nuvolaris Frau vermachte es Anfang der achtziger Jahre den Schwestern des Pauliner-Ordens, die das Studio von Tazio zu einer Kapelle umfunktionierten. Warum auch nicht? Das Gros der Mantua-Besucher orientiert sich ohnehin an klassischen Kulturgütern wie der Piazza Sordello mit dem Dom und dem Herzogspalast der Gonzaga.

Tazios Verehrer gehen ihre eigenen Wege. Für sie ist Hochsaison im September beim alljährlichen Gran Premio Nuvolari. Seit 1954 huldigen sie ihm mit der Rundfahrt durch die Po-Ebene bis Rimini, über San Leo bis ins Chiantigebiet, dann weiter nach Siena und auf einer Runde wieder zurück durchs flache Land via Lugo und Ravenna nach Mantua. Als kurzweilige Alternative empfiehlt sich von Mantua aus ein Abstecher Richtung Po zum verträumten Renaissance-Städtchen Sabbioneta oder ins Don-Camillo-Dorf Brescello.
 
Italiener im Maserati

Der Maserati Quattroporte im diskreten Blu Nettuno hätte Nuvolari für Ausflüge auf den kurvenreichen norditalienischen Landstraßen wohl gefallen. Maserati und Alfa Romeo waren auch jene Marken, denen er am längsten treu gewesen ist. Privat fuhr er Alfa, obschon er dank seinem guten Geschäftssinn ein wohlhabender Mann war und ebenso wie heutige Rennfahrer früh Statussymbole wie Flugzeug und Motorboot besaß. Er hatte Stil, war aber kein Lebemann. Redete wenig und fotografierte leidenschaftlich.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie er im Maserati über die damals noch leeren Straßen der Po-Ebene gebraust ist, durch enge Kurven hinein in die Berge, vorbei an verschlafenen Dörfern. Wie immer mit blauer Hose und gelbem Pulli. Dazu seine geliebten Lederschuhe, die er sich in England fertigen ließ. Das wäre bis heute elegant und stilsicher. Nur die ständige Zigarette im Mundwinkel, auch eines seiner Markenzeichen, würden ihm die Sponsoren heute eher übel nehmen.
 
Anreise: Mit dem Pkw auf der Inntal- und Brennerautobahn über Rosenheim, Innsbruck und den Brennerpass bis zur Ausfahrt Mantua-Nord. Die Fahrt ins historische Zentrum von Mantua ist nur für Anlieger erlaubt, Kameras überwachen den Bereich.

Hotels: Hotel Casa Poli, kleines Viersterne-Frühstückshotel in Mantua mit Designermobiliar. Eigene Hotelgarage. Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer pro Person ab 120 Euro. Infos unter: hotelcasapoli.it
 
 
Restaurants: Die Küche in Mantua ist mit jener der Emilia Romagna nah verwandt und wie immer in der Po-Ebene geschmackvoll bis deftig. Spezialitäten sind Risotto alla Mantovana oder Risotto alla Pilota mit Salami. Ein Klassiker: die Tortelli mit Kürbis.
- Trattoria Quattrotette, Via Nazione, 4: urtümliches Lokal im Zentrum mit traditioneller Küche. Beliebt bei Einheimischen. Nur mittags geöffnet (Sonn-, Feiertage geschlossen).
- Trattoria Cento Rampini, Piazza Erbe, 11: klassische Küche und entsprechendes Ambiente an der Piazza Erbe (Sonntagabend und Montag Ruhetag).
 
Shopping: Gastronomia Zapparoli, Via Cavour 49: kleines, feines und sympathisches Feinkostgeschäft im Zentrum. Hier kauft man die Sbrisolona, die Mantovaner Mandeltorte, frische hausgemachte Pasta, Salami und Schinken. Gut sortiertes Büffet mit Antipasti.

Museum: Museo Tazio Nuvolari, Piazza Broletto, 9, Täglich 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr, 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr (außer Montag und Donnerstag). November bis März: nur an Wochenenden und Feiertagen. Infos unter: tazionuvolari.it 

Rallye: Oldtimer-Rundfahrt Gran Premio Nuvolari mit Start und Ziel in Mantua, 19. bis 21. September 2008. Mehr Infos: gpnuvolari.it

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