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Italien-Reise

Durch den Cilento mit dem VW Touareg

Foto: Michael Schröder 10 Bilder

Schon wieder in die Toskana? Nein danke. Überlaufen und zu teuer. Wer sich dagegen hinunter in den Cilento wagt, wird Italien mit anderen Augen sehen. Und gerne in Kauf nehmen, dass die Suche nach einem Hotel oder Handynetz dort eben etwas länger dauert.

28.08.2008 Michael Schröder

Kaum autobreit führt der zerschundene Pfad bergauf. Laut Karte rollt der Touareg über eine gestrichelte Linie, die sich auf einen 1.045 Meter hohen, namenlosen Pass windet und dann irgendwo im Nichts zu enden scheint. Keine Tankstelle, kein Souvenirladen, kein Handynetz - die Zivilisation hat bereits vor einer ganzen Weile kapituliert. Wer kurz hinter Rofrano links in das Vallo di Diano einbiegt, fühlt sich auf einmal so einsam und verlassen, wie man es in den Weiten Alaskas, aber nicht einen Katzensprung von Neapel entfernt erwarten würde.

Unbekanntes Land

Südlich der Stadt am Vesuv und der gleichermaßen spektakulären wie gut besuchten Amalfi-Küste beginnt der Cilento. Diesem Teil Kampaniens haben bisher noch nicht einmal die großen Reiseführer-Reihen ein eigenes Werk gewidmet - sozusagen Terra incognita mitten in Italien. Und das trotz atemberaubend schöner Küste und eines bis fast 2.000 Meter hohen Gebirges, das wegen seiner bedeutenden Kulturgüter wie Paestum vor einiger Zeit als einzige Landschaft Italiens mit der Aufnahme in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes geadelt wurde.

Man könnte den benachbarten Bade- und Urlaubsregionen also locker Konkurrenz machen. Dass dieses nicht geschieht, muss handfeste Gründe haben. An der kleinen Passstrecke im Diano-Tal kann es nicht liegen, dass Touristen den Cilento bestenfalls von der Durchreise auf der A 3 her kennen: Diese wettergegerbte Spur hält landschaftlich locker mit diversen Trassen in den Alpen mit. Sie durchschneidet einen dichten Eichenwald, führt schließlich an sattgrünen Almwiesen und wildgezackten Felsformationen vorbei und geizt nicht mit spektakulären Aussichten.

Motorisierte Einsamkeit

Rechts liegt der 1.899 Meter hohe Monte Cervadi, der höchste Gipfel dieser Region, in der das Wort Gegenverkehr unbekannt zu sein scheint: Die letzte Begegnung fand vor gut einer halben Stunde statt. Mit einem Bauern, der aus einer Ape heraus eine Herde brauner Kühe vor sich hergetrieben hatte. Und sich ganz offensichtlich darüber freute, dass auf dieser Strecke, die vom Navigationsgerät des Geländewagens inzwischen beharrlich ignoriert wird, endlich einmal etwas los ist.

Hinter der Passhöhe driftet der Weg in Richtung Norden ab, er wird staubiger und steiniger. Und spannender. Der Touareg benötigt an den größten Absätzen und tiefsten Rillen jeden seiner 30 Zentimeter Bodenfreiheit, die ihm die Luftfederung maximal zur Verfügung stellt. Und weil das Ende (noch) offen ist und man nicht umhinkommt, neben der Karte zusätzlich den Kompass im GPS-Empfänger zu Rate zu ziehen, darf man sich endlich einmal wie ein Entdecker fühlen.

Refugium für Räuberbanden

Erst nach einer ganzen Weile fällt die Strecke allmählich wieder bergab und führt schließlich unverhofft nach Laurino. Ein hübsches Dorf auf einem Bergrücken, das jetzt in der Mittagszeit vollkommen verwaist wirkt. Einzig ein kleiner Laden hat um diese Zeit geöffnet. Drinnen eine imposante Theke, dahinter uralte Regale aus dunklem Holz, die bis zur Decke reichen. Voll gestopft mit Seife, Bier, Olivenöl, Postkarten, Schinken, Windeln und alldem, was man in dieser Abgeschiedenheit sonst noch zum Leben braucht. Der starke Kaffee, der hier serviert wird, gehört auf jeden Fall dazu.

Der Besitzer spricht nach vielen Jahren in München ziemlich gut Deutsch und erzählt, dass in den meisten Ortschaften nur die Alten geblieben sind. Die ewig gleiche Geschichte. "Wer kann, ist auf der Suche nach Arbeit längst fortgezogen." Der bettelarme Cilento verzeichnet seit Jahrhunderten selbst für die italienische Provinz eine überdurchschnittliche hohe Abwanderungsquote. Aber es seien auch gewisse Bewohner hinzugekommen, sagt er: Die dunklen unzugänglichen Eichenwälder dieser Region hätten stets als Refugium für Räuberbanden gegolten.

Weiter nach Felitto. Auf einer einsamen Durchgangsstraße, die sich hingebungsvoll durch die wilde Landschaft schlängelt. Gleich hinter dem Ort steht man plötzlich am Rand der tief eingeschnittenen Calore-Schlucht, in welcher der größte Fischotterbestand Italiens leben soll. Doch das scheue Wappentier des Cilento-Nationalparks lässt sich auch während eines gut halbstündigen Spaziergangs durch den engen Canyon nicht aus der Reserve locken.

Motorisierte Pilgerfahrt

Gut eine Stunde später rollt der schwarze Geländewagen durch das wenig attraktive Vallo della Lucania, die Hauptstadt der Region Cilento. Unübersehbar wacht ein riesiges Kreuz auf dem 1.740 Meter hohen Gipfel des Monte Gelbison über die Stadt. Auf dem Berg, der auch Monte Sacro - heiliger Berg - genannt wird, befindet sich ein besonders in Süditalien bekannter Wallfahrtsort, das Kloster Madonna di Novi Velia. Und wem es mit dem Glauben ernst ist, der wandert zu Fuß nach oben, was rund fünf Stunden und dazu noch jede Menge Schweiß kostet.

Für motorisierte Pilger springt zwar am Ende des Wegs vermutlich keine geistliche Belohnung heraus, dafür umso mehr eine fahrerische: Die schmale Trasse hoch zum Gipfelplateau, von wo aus man an klaren Tagen bis Capri und sogar bis zur Vulkaninsel Stromboli blicken kann, degradiert in puncto Kurven und Steigung locker jede Achterbahn zum Kinderkarussell. Eigentlich wundert man sich nur, wie die vor dem Kloster geparkten Kleinbusse es überhaupt bis dorthin geschafft haben. Doch offenbar hält sich mindestens jeder zweite Pilot in diesem Gebiet für einen überaus begnadeten Rallye-Piloten.


Gut 40 Kilometer später rollt der Touareg am Meer entlang. Mag sein, dass die fantastische Costiera Amalfitana als schönste und aufregendste Küste Europas gilt, aber der Abschnitt zwischen Ascea und Palinuro hier im Cilento kann es durchaus mit der berühmteren Nachbarin aufnehmen. Nur dass es hier selbst im Sommer wesentlich stressfreier zugeht. Massentourismus? Weiterhin Fehlanzeige. Was nichts anderes heißt, als dass die paar Orte am Wasser Dörfer geblieben sind.

Steinernes Gesamtkunstwerk

Hinter dem charmanten Marina di Camerota, das auf Grund der höchsten Hoteldichte sozusagen als Hot Spot der Region gilt, geht es rasch noch einmal in die Berge. Hoch ins etwa acht Kilometer entfernte Camerota, das wie ein Adlerhorst auf einem blanken Felsen hängt. Die uralten Häuser stehen dicht an dicht, die steilen Gassen hinauf zum höchsten Platz führen über gewundene Brücken, durch Torbögen oder Gewölbe hindurch. Der verschachtelte, in Jahrhunderten gewachsene Ort bildet ein steinernes Gesamtkunstwerk sondergleichen.

Und so, als wolle der Cilento es allen noch einmal beweisen, wirft sich die Strecke weiter über San Giovanni bis Sapri jetzt erst richtig ins Zeug. Die Panoramen über den zerfurchten, bisweilen unzugänglichen Küstenabschnitt verdienen nur eine Auszeichnung: Extraklasse. Wie die Wege, die ab und an zu einer der vielen versteckten Buchten führen und sich bisweilen als recht anspruchsvolles Offroad-Terrain entpuppen - ohne Tankstellen, Souvenirläden oder Handynetz.

Anreise: Die Region Cilento befindet sich südlich von Neapel und der amalfitanischen Küste am Golf von Salerno. Von Norden kommend hält man sich ab Salerno auf der A3 in Richtung Reggio di Calabria und peilt die Ausfahrt Battipaglia an. Ab dort führt die SS18 bis Agropoli, wo der eigentliche Cilento beginnt. Ab nun kann man sich entlang der kurvigen Küstenstraße weiter bis Marina di Camerota hangeln. Oder man bleibt auf der SS18 und rauscht durch das bergige Hinterland dorthin. Ab München müssen für die Anfahrt rund 1.200 Kilometer gerechnet werden.


Übernachtung: Der Cilento gilt derzeit noch als touristischer Geheimtipp. Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze finden sich entlang der Küste fast nur in Palinuro und Marina di Camerota. Im Hinterland des Cilento gibt es so gut wie keine Hotels oder Pensionen, sondern bestenfalls einige Agriturismo- Betriebe ("Ferien auf dem Bauernhof"). Eine gute Übersicht über die verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten findet man im Internet unter www.cilento-ferien.de.

Leihwagen: Mietwagen können in Neapel (Flughafen), Palinuro oder in Marina di Camerota übernommen werden. Pro Tag müssen je nach Saison mit etwa 30 bis 50 Euro gerechnet werden. Infos und Vermittlung: www.cilento-ferien.de.

Literatur: In der Reiseliteratur findet der Cilento bisher kaum statt. Die bekannten Reisebuchreihen gönnen dieser Region bestenfalls ein paar Seiten. Die meisten Infos bietet der sehr gut gemachte Führer "Golf von Neapel" aus dem Michael Müller Verlag für 17,90 Euro. Eine sehr gute Karte kommt von Marco Polo: Kampanien und Basilicata im Maßstab von 1:200 000 für 7,50 Euro.

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