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Jaguar E-Type Restaurierung

Der erste E-Type: Zurück zu den Wurzeln

Jaguar E-Typ, Baujahr 1961 Foto: Arturo Rivas 20 Bilder

Der Star des Genfer Automobilsalons 1961 war der erstmals präsentierte Jaguar E-Type. Ein 38 Jahre lang unentdeckt gebliebenes Genf-Coupé wurde während der Restaurierung in seinen Urzustand von 1961 zurückgebaut.

11.02.2010 Franz-Peter Hudek Powered by

Im Grunde hätte man diesen schwarzen Jaguar E-Type von 1961 so lassen können wie er war. "Ein wirklich schönes Auto, der Lack neu gemacht, das Interieur auch, in cremefarbenem Leder", beschreibt Jaguar-Spezialist Georg B. Dönni den Zustand des Coupés und fügt hinzu: "Eine ordentliche Instandsetzung, aber natürlich keine ernsthafte Restaurierung."

Der Original Jaguar E-Type vom Genfer Automobilsalon

Die hätte dieser Jaguar mit der legendären Fahrgestellnummer 885 005 auf jeden Fall verdient: Er war der erste E-Type, welcher der Presse und Weltöffentlichkeit auf dem Genfer Automobilsalon am 15. März 1961 vorgestellt wurde. Zusammen mit dem ebenfalls mehr oder weniger in Handarbeit entstandenen Schwesterauto 885 002 und dem Roadster RW 77 handelte es sich bei dem schwarzen Coupé um einen der ersten gebauten E-Type. Doch die späteren Besitzer, die im Jahr 1999 den Sportwagen in einem Gratis-Anzeigenblatt des Kantons Waadt zum Verkauf anboten, wussten nichts von dem historischen Wert ihres schicken Briten.

Zum Glück ließ Kaufinteressent Pierre Pitte den schwarzen E-Type und dessen Papiere durch den Jaguar-Kenner Urs Haehnle überprüfen. Für den früheren Präsidenten des Jaguar Drivers‘ Club Switzerland stand eindeutig fest: Das ist der Genf-E-Type - sofort kaufen! Pitte wiederum veräußerte nach drei Jahren den jetzt enttarnten und teilrestaurierten Sportwagen an Georg Dönni, Geschäftsführer von GB Dönni Classic Cars in Roggliswil, der den Wagen zunächst behalten und in seinen Urzustand von 1961 zurückversetzen wollte. Sein Standpunkt vor der Restaurierung: "Entweder macht man es richtig, exakt und aufwendig, wo immer es Authentizität und Originalität erfordern, oder man rührt die Sache besser nicht an."

Der Jaguar E-Type sollte wieder in den Originalzustand zurück versetzt werden

Nachdem Dönni jedoch den Aufwand für Recherche und Arbeit eingermaßen abschätzen konnte, war ihm klar, dass er einen Käufer bräuchte, der auch die Kosten der Restaurierung übernehmen würde. Den fand er im Jaguar-Sammler Christian J. Jenny. Gemeinsam starteten sie ein Projekt, das der Ausgrabung Trojas durch Heinrich Schliemann nur wenig nachstand: Unter der akzeptablen Fassade eines frühen E-Type entdeckten und dokumentierten die beiden Automobil-Archäologen die Spuren eines mehr oder weniger von Hand und mit viel Improvisationstalent aufgebauten Prototypen, der in zahlreichen Details erheblich von den späteren Serien-E-Type abwich.

Jenny und Dönni waren sich von Anfang an darüber einig, die an der freigelegten Karosserie entdeckten Besonderheiten zu erhalten, obwohl diese nach der Fertigstellung des Fahrzeugs in den meisten Fällen unsichtbar bleiben. "Aber genau diese Besonderheiten machen ja den Wert dieses Wagens aus und sind für die Historie des wohl berühmtesten britischen Sportwagens von großer Bedeutung", rechtfertigt Jenny den hohen Anspruch dieser außergewöhnlichen Restaurierung. Ganz im Gegensatz hierzu sollten bauliche Veränderungen durch die verschiedenen Vorbesitzer zurückgebaut und spätere, mangelhafte Karosserie-Instandsetzungen korrigiert werden. "Unser Ziel war", erklärt Jenny, "den Wagen exakt in jenen Zustand zu versetzen, in dem er am 13. März 1961 vor einer Gruppe von Presseleuten und Rennfahrern erstmals im Genfer Restaurant du Parc des Eaux Vives präsentiert wurde."

Bei der Restaurierung des Jaguar E-Type musste eine neue Scheibe angefertigt werden

Zu den Gästen dieser effektvollen Vorpremiere - der E-Type steckte zunächst in einer Holzkiste - zählten neben Sir William Lyons, F. R. W. "Lofty" England und anderen Jaguar-Vorständen auch die Rennfahrer Graf Berghe von Trips und Joakim Bonnier. Am 15. März fand die erste offizielle Presse-Präsentation mit diesem E-Type in der Ausstellungshalle statt. Einen Tag später, nach der Eröffnung des Genfer Autosalons für jedermann, stellte das schnelle, niedrige und nur 27.500 Franken teure Jaguar-Coupé alle anderen sportlichen Automobile in den Schatten und war der stets von einer Männerschar umgebene Star der Ausstellung.

Die wichtigste, während der Restaurierung erhaltene Erkenntnis: Das für Genf vorgesehene Ausstellungsfahrzeug war auf der Bodengruppe eines Cabrios aufgebaut, der man ein von Hand angefertigtes und an vielen Stellen nachgebessertes Coupé-Dach verpasste. Vor allem im Bereich der C-Säule weist die Dachinnenseite zahlreiche mit Punktschweißung angebrachte Korrekturbleche auf. Hier wurde der Dachaufbau nachträglich etwas erhöht. Zudem musste man die A-Säulen des Cabrios verlängern. Dennoch waren die Gewindebohrungen für das Anbringen von Chrom-Ecken als Verdeckauflagen noch vorhanden. Das Blechdach des Genf-E-Type wölbt sich gegenüber dem späteren Serien-Coupé um etwa einen Zentimeter mehr in die Höhe. Die Windschutzscheibe fällt etwas schmaler aus und ist deshalb seitlich stärker gerundet. Restaurator Dönni: "Wir mussten in England bei Triplex nach unseren Maßen eine neue Scheibe anfertigen lassen, weil die Serienscheibe des Coupés nicht passte" Vermutlich handelte es sich ursprünglich um eine Sonderfertigung mit den Maßen einer nach oben verlängerten Roadsterscheibe.

Der Jaguar E-Type aus Genf hatte 35 Abweichungen vom Serienmodell

Insgesamt registrierte Dönni 35 Abweichungen des Genf-E-Type vom Serienmodell, darunter eine asymmetrisch geformte Motorhaube und den Öffner des Werkzeugfachdeckels aus dem Mark IV, der nun im Innenraum zum Entriegeln der seitlich angeschlagenen Hecktür dient. Im Gegensatz zu diesen erhaltenswerten Entdeckungen entfernte Dönni einige Umbauten, die der Genf-E-Type im Laufe von insgesamt zehn verschiedenen Besitzern zu erdulden hatte. Dazu zählen zwei seitlich angebrachte Fußraumbelüftungsklappen und eine Modifikation am Bodenblech, um den Fahrersitz weiter nach hinten rücken zu können. Jaguar verbesserte übrigens die Längsverstellung der E-Type-Sitze bereits im laufenden Modelljahr 1962.

Schließlich erhielt der Wagen die anhand von Farbresten an der Spritzwand ermittelte Originallackierung im dramatischen Opalescent Gunmetal Grey. Auch die mit dem Roadster identische Mechanik hat Dönni komplett überholt und auf den Stand einer Neu-Auslieferung gebracht. Der 3,8-Liter-Motor wurde jedoch von späteren Besitzern gegen den 4,2-Liter ausgetauscht. "Leider war der Original-Sechszylinder nicht mehr aufzutreiben, sodass wir wieder einen frühen 3,8-Liter einbauten", berichtet Restaurierer Dönni. Dessen Zylinderkopf erhielt die vom Jaguar XK 150 S übernommene Originalfarbe des Genf-E-Type - Pumpkin-Orange. Die Serien-E-Type rollten hingegen mit goldenen Zylinderköpfen vom Band.

Bleibt die Frage zu klären, wieso Lyons ausgerechnet ein Coupé in Genf präsentierte, das außerdem von dem späteren Serienmodell in vielen Details abwich? Jaguar-Kenner Jenny: "Natürlich entwickelte man bei Jaguar in der Tradition von C-, D-Type und XK-SS zunächst einen Roadster. Jaguar-Chef Lyons war jedoch ein großer Freund von Coupés und unterstützte deshalb die Idee der E-Type-Entwicklungsgruppe, auch ein Coupé zu bauen." Jaguar hoffte damit, neue Märkte zu erschließen und trat mit dem geschlossenen E-Type zugleich in direkte Konkurrenz zu den schnellen und teuren Sportcoupés von Aston Martin, Ferrari und Maserati. Der Entschluss für den Bau eines Coupés neben dem Roadster schien jedoch sehr spät gefallen zu sein.

Niemand erwartete in Genf die Präsentation eines Coupé

Umso größer war natürlich die Überraschung der Gäste im Parc des Eaux Vives, als ein Coupé und kein Cabriolet aus der Holzkiste gepackt wurde. "Sir William", so berichtet Jenny, "scheint die Überraschung genossen zu haben. Mit der Präsentation eines Coupés hatten die Motorjournalisten wirklich nicht gerechnet. Niemand hatte davon gewusst." Die Auslieferung der Serien-E-Type erfolgte bereits im Mai 1961. Die Coupés waren jetzt mit den breiten Serien-Frontscheiben ausgestattet und wiesen in ihrem Inneren keine Improvisationen mehr auf, welche die Ausstellungs-Wagen von Genf und New York - Präsentation im April 1961 - noch besaßen.

Manche Eigenheiten der Ur-E-Types kennzeichneten diese frühen Auslieferungen dennoch. So mussten die Jaguar-Fahrer bei den ersten 24 Coupés und etwa 500 Roadstern, die 1961 in der Mehrzahl gebaut wurden, die Motorhaube von außen mit einem Spezialschlüssel entriegeln. Wer nun denkt, Jaguar-Sammler Jenny würden seinen in rund 3.000 Arbeitsstunden restaurierten Genf-E-Type wie die Kronjuwelen der britischen Königin hüten, der sieht sich getäuscht. Wie alle seine Jaguar-Roadster ist auch das einzige Coupé der Jenny-Kollektion für den Straßenverkehr zugelassen und jederzeit fahrbereit: "Mir macht es große Freude, gelegentlich mit diesem schlichten E-Type unterwegs zu sein, dessen Wert und spannende Geschichte niemand erahnen kann."

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