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Jaguar vs. BMW

Mit XE, XF und F-Pace gegen 3er, 5er und X4

Jaguar gegen BMW, ams0515 Foto: Christian Schulte 21 Bilder

Klein, aber fein: Mit einer großen Modelloffensive bis 2017 will Jaguar im Teich von BMW fischen, vom neuen XE bis zum SUV F-Pace. Wie stehen die Chancen?

29.03.2015 Jens Katemann

Sie meinen, das sei nicht fair? Ein Vergleich der Marken Jaguar und BMW wirkt in der Tat wie der viel zitierte Kampf von David gegen Goliath. Nur zur Einordnung: Jaguar verkaufte im vergangenen Jahr weltweit 81.570 Autos (plus neun Prozent), BMW setzte im gleichen Zeitraum allein in Deutschland 238.253 Fahrzeuge ab (plus 2,8 Prozent). Trotzdem: Die einst altbackene, schon vor dem Aus stehende britische Luxusmarke ist wieder voll da. Und sie tritt mit dem Anspruch an, die sportlich orientierte deutsche Premium-Marke BMW, na, sagen wir: mindestens zu ärgern. Wie BMW tickt, wissen die Jaguar-Bosse jedenfalls. Viele von ihnen haben im Laufe ihrer Karriere bei BMW gearbeitet. Jaguar-Land-Rover-Chef Ralf Speth war sogar sehr lange für den Münchner Autobauer tätig. Auch die zentralen Bereiche Forschung, Entwicklung und Produktion sind bei Jaguar und Land Rover in deutscher Hand – alle besetzt mit Ex-BMW-Managern.

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Neuheiten Jaguar gegen BMW
auto motor und sport 05/2015
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Konkurrenz für BMW ab Juni 2015

Und so sieht der Modellfahrplan aus: Nachdem Jaguar mit dem F-Type quasi eine emotionale Duftmarke gesetzt hat, soll nun der XE dem BMW 3er mit handfesten Tugenden Angst einjagen. Händlerstart der Limousine ist im Juni 2015. Doch das soll noch nicht alles sein. Intern diskutiert wird über eine recht kostengünstig realisierbare Coupé-Version, die gegen den BMW 4er antreten soll, sowie über eine Kombi-Variante.

Letztere ist allerdings nur in wenigen, aber dafür bedeutenden europäischen Märkten gefragt. "Wenn Jaguar in Deutschland künftig die wichtigen Geschäftskunden bedienen will, kommt die Marke am Kombi nicht vorbei", sagt ein Insider. Beide Derivate sind zwar noch nicht beschlossen, wären aber der nächste logische Schritt.

Denn die technische Basis ist gelegt. Für den Jaguar XE wurde eine neue, leichtere Plattform entwickelt, die auch beim neuen XF zum Einsatz kommen wird. Außerdem stehen mit der Ingenium-Motorenfamilie aus Aluminium nun wettbewerbsfähige Vierzylinder-Benziner und -Diesel zur Verfügung. Die Triebwerke sollen besonders reibungsarm und deshalb sparsam sein.

Jaguar mit klarem Nein zu Dreizylindern

Weniger als zwei Liter Hubraum oder gar ein Dreizylinder wie im nächsten BMW 3er – das ist bei den Briten allerdings undenkbar. Klar ist aber, dass sich auch Jaguar breiter aufstellen muss. So soll es unterhalb des 200-PS-Benziners im Laufe des Modellzyklus für den Jaguar XE auch eine schwächere, sparsamere Version geben. Fans starker Diesel können sich auf einen leistungsstärkeren Selbstzünder freuen. Zum Marktstart gibt es lediglich 163 oder 180 PS.

Auch Allradantrieb – zunächst nur mit Dreiliter-V6-Benziner bestellbar – soll später in Kombination mit Vierzylinder- Motoren erhältlich sein. Zum Vergleich: Beim 3er reicht die Bandbreite künftig vom 136 PS starken Dreizylinder bis zum M3 mit 431 PS. Auch der Einstieg beim Diesel fällt mit 116 PS deutlich bescheidener aus als beim Jaguar XE. Fast genau zum gleichen Zeitpunkt wie der XE-Start erfolgt auch das 3er-Facelift, was den Mittelklasse-BMW noch mal deutlich fahraktiver macht: Der 3er bekommt die Hinterachsen-Konfiguration des 4er und wird damit noch einmal agiler.

Jaguar XF als Pendant zum 5er

Noch bevor der Jaguar XE zu den Händlern rollt, stellt Jaguar den neuen XF vor – das Pendant zum BMW 5er. Er basiert auf der Architektur des XE und soll beim Gewicht unter das Niveau des aktuellen Modells (1.660 bis 1.987 kg) kommen. Die Reduzierung soll sich aber in Grenzen halten, Insider rechnen mit höchstens 20 bis 30 kg. Zum Vergleich: Der 5er wird dank der neuen Mischbauweise aus Carbon, Alu und Stahl um rund 100 kg auf dann deutlich unter 1.600 kg abspecken.

Optisch orientiert sich der XF künftig an der Designsprache des XE. Anders als beim kleinen Bruder ist die Kombi-Version Sportbrake gesetzt. Beim 5er ändert sich in den Abmessungen und äußerlich wenig. Wie beim X5 rücken die Scheinwerfer direkt an die Niere, auch die Haube schließt mit dem bekannten Grill ab. Damit fällt die wenig attraktive Fuge zwischen Haube und Front weg.

Während viele Marken in dieser Klasse auf digitale Kombi-Instrumente setzen, bleibt das dem XF zunächst verwehrt. Erst mit dem neuen XJ, der voraussichtlich Ende 2016 präsentiert wird, erneuert Jaguar diese Technik und will sie dann auch in den unteren Baureihen einführen. In Sachen Lichttechnik setzen die Briten wie Mercedes auf Voll-LED, Laserlicht wie bei BMW ist aus Kostengründen kein Thema.

Nächster 5er noch komfortabler und agiler

BMW muss sich eine große Bandbreite an Innovationen nicht vom Mund absparen, kann sich im nächsten 5er (kommt 2016) aus dem Angebot des 7er bedienen. Mit dem neuen Flaggschiff – Premiere ist auf der IAA im September – bietet BMW neben Laserlicht und Gestensteuerung auch erstmals eine Vielzahl von Systemen an, die teilautonomes Fahren ermöglichen. Automatisches Einparken wird der nächste 5er ebenso beherrschen wie das vorausschauende Erkennen von Unebenheiten in der Fahrbahn. Damit dürfte er den Spagat zwischen Komfort und Agilität noch besser bewältigen als das aktuelle Modell.

Bei Jaguar ist man dagegen froh, mit Systemen wie Spurhalte- und -wechselassistent oder Verkehrszeichenerkennung zumindest auf der Höhe der Zeit zu sein. Highlight der Briten ist das aus den Land- und Range-Rover-Modellen abgeleitete All Surface Progress Control (ASPC), das bei rutschiger Fahrbahn für die passende Traktion sorgt. Es funktioniert aber nur bei niedrigen Geschwindigkeiten zwischen 3,6 und 30 km/h und ist nur in Verbindung mit der Achtstufenautomatik lieferbar. Dazu kommt das gestochen scharfe Head-up-Display.

XJ und F-Pace ab 2016

Beide Unternehmen arbeiten unabhängig voneinander an einer Technik, die es dem Autofahrer ermöglicht, mithilfe von Sensoren und Kamerabildern quasi durch Blechteile, etwa A- oder B-Säule, "hindurchzuschauen". Das reale Außenbild wird dafür auf Displays projiziert, die an den Säulen innen im Auto angebracht sind. Im Laufe des Modellzyklus soll der XF diese Technik bekommen, bei BMW ist ein Marktstart noch nicht festgelegt.

Nach XF und XE in diesem Jahr steht 2016 bei Jaguar ganz im Zeichen der Modelle XJ und F-Pace. Während sich beim XJ technisch nicht allzu viel tut, steigen die Briten mit dem auf dem XE basierenden F-Pace in ein für sie ganz neues Segment ein. Der rund 4,70 Meter lange SUV erhält in weiten Teilen das moderne Cockpit des Jaguar XE mit einem großen Monitor.

Das Angebot an Apps, mit denen man etwa per Smartphone sein Auto entriegeln oder die verbliebene Spritmenge nachschauen kann, wird noch mal deutlich erweitert. Trotz seiner dynamisch gestylten Karosserieform bietet der F-Pace mit rund 500 Litern Kofferraumvolumen ausreichend Platz. Das Raumangebot entspricht ziemlich genau dem des im April eingeführten BMW X4, an dessen Preisniveau sich der Jaguar-SUV ebenfalls anlehnen dürfte. Zufall? Wohl eher nicht.

Jaguar in Zukunft mit 600 PS-Triebwerk

Mit F-Type Coupé und Roadster hat Jaguar bereits voll ins Schwarze getroffen. Zum Jahresende legen die Ingenieure beim V8 noch mal eine Schippe drauf. Dann leistet das Top-Triebwerk fast 600 PS, die sich dank des neuen Allradsystems auch ordentlich auf die Straße bringen lassen werden. BMW kann mit dem Z4 da nicht mithalten. Ob es einen Nachfolger für den Roadster geben wird? In der bekannten Form wohl eher nicht.

BMW arbeitet zwar gemeinsam mit Toyota an einem konventionellen Sportwagen, hat derzeit aber nur den Öko-Sportler i8 im Programm. Der punktet zwar mit ungewöhnlichem Design und seinem leichten Carbon-Chassis. Sein Dreizylinder-Hybrid kommt allerdings nur auf gut die Hälfte der Pferdchen, die der F-Type bald unter der Haube haben wird. Dann muss wohl der nächste M5 ran. Mit seinen 600 PS und Allradantrieb dürfte er – trotz der weniger sportlichen Karosserieform – der passendere Gegner sein.

Jaguar kann also nur Verbrenner? Das stimmt so nicht. Zwar können sich die Briten teure Vorzeigeprojekte à la BMW i nicht leisten, aber bis 2018 soll ein rein elektrischer SUV marktreif sein. Noch ist allerdings nicht entschieden, ob das Modell unter der Marke Jaguar oder doch als Land Rover firmieren soll. Ein erstes Plug-in-Hybrid-Modell soll bis 2017 im Programm sein.

Knapper Sieg für Goliath

Über Elektroautos und Plug-in-Hybride verfügt BMW schon heute. Mit dem i5 soll es bald ein zweites reines E-Auto geben, die Neuauflagen von 3er, 5er und 7er werden alle mit Plug-in-Hybrid zu haben sein. Während BMW konsequent daran arbeitet, den CO2-Flottenverbrauch so weit zu senken, dass auch nach 2020 keine Strafzahlungen drohen, zieht sich Jaguar auf den Status des Kleinserienherstellers zurück, der den Briten einen höheren Flottenverbrauch gestattet.

Insgesamt ist "Goliath" BMW sowohl dank der Breite der Modellpalette als auch der hohen Innovationskraft dem "David" Jaguar überlegen. Aber Autos wie der Jaguar XE, der im ersten Fahrvergleich einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat, zeigen, welches Potenzial die Marke hat.

Finanzierungs-Check

Jetzt günstig im Leasing: Jaguar XF Sportbrake

Überraschung beim auto motor und sport-Finanzierungscheck: Der Jaguar XF 2.2 D Sportbrake ist trotz seines höheren Grundpreises derzeit im Leasing günstiger als der BMW 520d Touring.

Geht es um die Anschaffung eines Neuwagens, dann wird im Premium-Bereich gern zum Leasing gegriffen. Und an dieser Stelle kann die Kombi-Variante des XF mit der deutschen Konkurrenz gut mithalten, wie ein Vergleich mit dem BMW 520d Touring zeigt. Das britische Auto bewegt sich in der Dieselausführung 2.2 D ohnehin auf Augenhöhe mit dem BMW-Modell. Betrachtet man nur die Kosten, dann ist der XF sogar erste Wahl – auch wenn das beim Blick auf den Grundpreis nicht den Anschein hat: Er liegt mehr als 3.000 Euro höher als der des BMW.

Doch Jaguar bietet derzeit ein günstiges Kilometer-Leasing an, mit dem das Modell fast 90 Euro weniger im Monat kostet als der 520d Touring – und das bei gleichen Voraussetzungen (20 Prozent Anzahlung und eine Laufleistung von 20.000 km/Jahr). Unter dem Strich spart der Kunde während einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten mit dem Jaguar über 3.000 Euro – das kann sich sehen lassen. Wer das Auto lieber bar bezahlen möchte, bekommt beim XF höhere Rabatte eingeräumt. Damit lässt sich zum Teil der Unterschied im Grundpreis beider Modelle ausgleichen.

Guldes Connectivity-Check

Der Infotainment-Vorsprung von BMW ist im Moment groß, aber Jaguar holt kräftig auf Schon seit 2001 erweitern Online-Dienste den Funktionsumfang der BMW-Navigationsgeräte, inzwischen gibt es rund 75 Apps und Web-Funktionen, die speziell fürs Auto angepasst sind. So kann man sich E-Mails vorlesen lassen und per Sprache beantworten, in Hotel- und Restaurantführern stöbern oder Staudaten in Echtzeit für die Routenführung nutzen. Die wichtigsten Online-Funktionen sind ins Fahrzeug integriert und laufen über eine eingebaute SIM Karte. Darüber hinaus können jedoch auch Apps vom Smartphone auf dem Bordmonitor dargestellt und per iDrive bedient werden. Hierzu zählen vor allem datenintensive Dienste wie Internet-Radio oder der Musik-Streaming-Anbieter Spotify, aber auch stark personalisierte Apps wie Facebook oder Twitter.

Für den Kontakt zur Außenwelt spielt bei Jaguar das Smartphone noch die Hauptrolle. Über die Schnittstelle "InControl", die mit Android und Apple kompatibel ist, lassen sich freigegebene Handy-Apps auf dem Bordmonitor darstellen. Hierfür muss das Mobiltelefon per USB-Kabel angeschlossen werden, wodurch es auch gleich lädt. Anschließend können Apps wie Parkopedia (freie Parkplätze), Stitcher (Podcasts) oder Audiobooks (H.rbücher) über den Touchscreen bedient werden.

Für 2016 hat Jaguar die Pro-Version von InControl angekündigt, die wie bei BMW Online-Funktionen (z. B. die wichtigen Live-Staudienste) mittels fest installierter SIM-Karte handyunabhängig ins Auto holt. Bis dahin dürfte auch mit einer erweiterten Sprachsteuerung zu rechnen sein, die nicht mehr an vorgegebene Eingabestrukturen gebunden ist. WLAN-Hotspots, über die die Passagiere mit ihren Mobilgeräten ins Internet kommen, gibt es bei beiden Marken bereits heute, ebenso wie Remote-Apps, die den Standort des Autos verraten oder dessen Türen verriegeln.

Dass sich die beiden Marken auch bei der Bedienung annähern, liegt in erster Linie an BMW: So hat der Dreh-Drück-Pionier auf der diesjährigen CES ein Cockpit mit großem Touchscreen sowie Gestensteuerung gezeigt. Handbewegungen im Raum werden dabei von einer Kamera erkannt und in Befehle wie "lauter" bzw. "leiser" oder "Telefonat annehmen" umgesetzt.

Leserumfrage zum Marken-Image: Jaguar legt deutlich zu, BMW verliert bei Qualität

Im Rahmen der Leserwahl Best Cars befragt auto motor und sport seine Leser auch zum Image der einzelnen Automarken. Nicht nur, dass sie in der Importwertung 2015 gleich vier Jaguar-Modelle auf Platz eins gewählt haben, sie schätzen auch das Image der Marke signifikant besser ein als noch im Vorjahr. Besonders die Fahrer der Marke sehen Jaguar im Hinblick auf wichtige Kriterien wie "gute Verarbeitung", "hohe Zuverlässigkeit" oder "fortschrittliche Technik" stark verbessert.

Zwar schneidet BMW bei seinen Fahrern insgesamt noch besser ab, kassiert aber beim wichtigen Wert "Verarbeitung" ein deutliches Minus. Kritik an der Qualitätsanmutung etwa im Innenraum des aktuellen 3er könnten hier Auswirkungen zeigen. Immer noch hoch ist die Zustimmung beim Design. Seit der Einführung der i-Modelle mit elektrischem Antrieb kann BMW auch bei der Umweltverträglichkeit punkten.

Fazit

Da geht viel mehr

Es ist natürlich immer einfach, sich klein und bescheiden zu geben. Wer keine Erwartungen weckt, von dem wird letztlich auch nichts Großes erwartet. Doch Jaguar hat mit F-Type und XE aufhorchen lassen. Und wenn der Ball nun mal schon in der Hälfte des Gegners liegt, muss Jaguar den Angriff auch zu Ende spielen. XE und XF machen dieses Jahr Alarm, 2016 folgen F-Pace und XJ. Doch schaut man auf BMW, dann reicht das nicht. XE Coupé und Sportbrake – was gibt es da noch zu überlegen, liebes Jaguar-Management? Die Welle der Sympathie für Jaguar ist so gewaltig, dass man jetzt auf ihr surfen muss.

Natürlich erscheint der Vorsprung von BMW uneinholbar, aber es ist auch kein Naturgesetz, dass Jaguar eine Marke mit einem Mini-Absatz von nur gut 80.000 Einheiten pro Jahr bleiben muss. Jetzt wäre für den indischen Eigner Tata der perfekte Zeitpunkt, noch mal richtig Geld in die Hand zu nehmen, um Jaguar eine breitere Modellpalette und vor allem Investitionen in Zukunftstechnologien zu ermöglichen. Denn ohne Substanz verfliegt Sympathie schnell wieder.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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