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Jaguar XK 140 OTS Roadster

Der Wunschkandidat

Foto: fact 20 Bilder

Ulrich Rödl träumte über 30 Jahre davon, einen Jaguar zu besitzen. Ende der 90er Jahre erfüllte er sich diesen Wunsch. Er kaufte in den USA einen maroden XK 140 OTS und wagte sich an eine Komplettrestaurierung.

07.05.2008 Bernd Woytal Powered by

Ein englisches Ehepaar mit einem Jaguar MK V, ein Bayer in Amerika, dessen Restaurant in einem Hollywood-Streifen zu sehen war, und ein Stahlteil, das fast jemanden erschlagen hätte - all das gehört zur Restaurierungsgeschichte dieses XK 140.

Alles begann in den 60er Jahren, als der damalige Student Ulrich Rödl als Chauffeur seine Finanzen aufbesserte. Eines Tages bekam er den Auftrag, ein betagtes britisches Ehepaar in ihrem Wagen vom Wörthersee nach Wien zu chauffieren. Die Herrschaften besaßen einen Jaguar MK V. Der Student war nach dieser Tour von der sportlichen Limousine spontan begeistert und sagte sich: "Wenn du einmal Zeit hast und dir’s leisten kannst, kaufst du dir so ein Auto."

Über 30 Jahre vergingen, bis es endlich so weit war. Ende der Neunziger war Rödl geschäftlich in den USA. Auf diesem recht kurzen Trip fand er aber dennoch Gelegenheit, amerikanische Oldtimer-Magazine zu studieren und sich einige Autos bei Händlern im Bereich von Los Angeles anzusehen. Ein Jaguar XK 140 OTS erregte sein besonderes Interesse, doch ein anderer schnappte ihm den Wagen vor der Nase weg. So kehrte er ohne Klassiker zurück.

Einladung zum Besichtigungstermin in Maryland

Doch nun ließ Rödl nicht mehr locker. Er informierte sich in Publikationen wie Hemmings Motor News, hielt aber auch in der deutschen Oldtimer-Szene die Augen offen. Einige Monate später stieß er auf ein Inserat im Autoteil der Süddeutschen Zeitung. Darin offerierte jemand neben anderen Autos einen Jaguar XK 140 OTS. Die Annonce war zwar in deutscher Sprache verfasst, aber es stand eine amerikanische Telefonnummer dabei.

"Es meldete sich ein Bayer, der in Maryland wohnte", erinnert sich Rödl, der damals sofort zum Telefon gegriffen hatte. Er bat den Verkäufer um die Zusendung von Fotos des Jaguar, doch der meinte kurzerhand: "Kommen sie vorbei und schauen sie sich das Auto an, ich zahle den Flug." Gesagt, getan. Rödl setzte sich in den Flieger und traf sich mit dem sehr lockeren und unkomplizierten Herrn. Dieser stammte aus München, war von Beruf Architekt und interessierte sich für Antiquitäten. Offenbar handelte er so nebenbei mit alten Autos, schien aber sehr flexibel im Bestreiten seines Lebensunterhalts zu sein.

Das entdeckte Rödl erst drei Jahre später, als er eine Zeitung aufschlug und auf einem Foto den Verkäufer seines Jaguar entdeckte. Dieser besaß nämlich auch ein Restaurant, und das war in dem mit Julia Roberts und Richard Gere verfilmten Streifen Runaway Bride (Die Braut, die sich nicht traut) zu sehen.

Schlechter Zustand - aber Komplett und mit matching numbers

Der XK, den er von dem Bayer erworben hatte, erwies sich als komplett und als ein Exemplar mit Matching Numbers, wie eine Anfrage bei Jaguar Deutschland unter Angabe der Chassisnummer ergab. Der schlechte Zustand des Wagens schreckte ihn nicht: "Das war mir egal, denn ich wollte das Auto sowieso von Grund auf restaurieren."

Rödl deckte sich mit entsprechender Fachliteratur ein und zog eine exakte Grenze zwischen den Arbeiten, die er selbst übernehmen konnte, und solchen, die er Spezialisten übertragen musste. Zu letzteren zählten beispielsweise die Blecharbeiten und die Motorüberholung. Erst nachdem er sich bei anderen Oldtimer-Besitzern informiert und Arbeiten von in Frage kommenden Firmen begutachtet hatte, erteilte er entsprechende Aufträge.

Obwohl der Wagen zehn Jahre in einem Schuppen gestanden hatte, präsentierte sich der Rahmen noch in einem guten Zustand, während die Karosserie nach dem Sandstrahlen zahlreiche Durchrostungen aufwies. Um sich nicht mit der schlechten Passform von Reparaturblechen herumärgern zu müssen, fertigte der beauftrage Karosseriespengler alle benötigten Karosserieteile von Hand.

Garagenunfall: Glück im Unglück

Es verging eine lange Zeit, bis endlich der Rahmen mit neuen Komponenten bestückt sowie Motor und Getriebe eingebaut werden konnten. Fast wäre es dabei zu einer Katastrophe gekommen, als plötzlich ein Endanschlag der Laufkatze von der Garagendecke zu Boden stürzte und Rödl am Hinterkopf traf. Glücklicherweise trug er nur eine Platzwunde davon, weil das Stahlteil seinen Kopf nur streifte.

Seinen Arbeitsdrang bremste dieser Vorfall allerdings nicht. Statt der serienmäßig montierten Viergangbox wählte er ein Fünfganggetriebe von Getrag, weil dieses mehr Schaltkomfort und einen länger übersetzten großen Gang zu bieten hat. Ansonsten nahm er es sehr genau mit der Originalität, speziell beim Aufarbeiten der Innenausstattung. Mit Hilfe eines befreundeten Kraftfahrzeugmeisters, der ihm auch half, einen neuen Kabelbaum einzuziehen, brachte Rödl dann seinen XK zum Laufen. Zur Feinabstimmung fuhr er ihn dann aber noch zur Firma Classic & New Cars in Senden.

Nach der TÜV-Abnahme, die er bewusst einem Prüfer überließ, der selbst einen XK besitzt, läuft der nun im originalen Schwarz lackierte Jaguar ohne Probleme. Schön, wenn man am Ziel seiner Träume ist.

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