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Jahresrückblick 2012

Ein Blick in den Rückspiegel

Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Das Autojahr 2012 setzte wichtige neue Modelle in die Fahrspur, konservierte einige alte Ärgernisse und überraschte mit einer Handbrems-Wende in der Klima-Diskussion. Malte Jürgens blickt in den Rückspiegel.

02.01.2013 Malte Jürgens

Die erste große Botschaft zu Beginn des nun abgelaufenen Jahres ging allen Beteiligten runter wie Öl: Der Diesel übernimmt endgültig die Vorherrschaft sowohl unter den deutschen als auch unter Europas Motorhauben. Bei drei von vier Neuzulassungen geht er hier seinem selbstzündenden Naturell nach.

Diesel weiter auf dem Vormarsch

Alle Beteiligten sind es zufrieden: Die Kunden dürfen sich auf der sicheren Seite der Mehrheit fühlen, und die Ölmultis sind guter Dinge, weil Diesel viel billiger zu produzieren ist als Benzin, aber an der Zapfsäule nun annähernd das Gleiche einspielt. Händereiben auch beim Fiskus: Mit wachsendem Bedarf steigen die Preise und damit die Steuereinnahmen automatisch, und weil genug immer noch nicht genug ist, wird prompt ein Steueraufschlag auf Dieselkraftstoff gefordert – 22 Cent noch mal obendrauf.

Unabhängig davon gellte uns auch im Jahr 2012 der schrille Schrei jener Klima-Alarmisten in den Ohren, die gebetsmühlengleich die Leier der globalen Erwärmung singen. Doch da kommt Entwarnung von einer Seite, die selbst Klimaskeptiker nicht auf dem Schirm hatten: Das Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, amerikanischer Klimarat und Hauptdatenlieferant der UN, veröffentlicht 2012 erstmals einen Wert für die mittlere globale Temperatur, der nur 14,5 Grad beträgt – obwohl das IPCC in den letzten drei Jahrzehnten stets von 15,5 Grad ausging.

auto motor und sport reagiert stets aktuell: Lesen Sie daher im nächsten Heft unseren großen Heizungstest, live und kalt von der rau überfrorenen Schwäbischen Alb. Dass die zunehmende Abkühlung zufällig nicht einhergeht mit sinkendem CO2-Ausstoß, dürfte ein ganzes Lehrgebäude sprengen. Man darf gespannt sein, wie der für 2013 erwartete aktuelle Sachstandsbericht des IPCC – der letzte stammt von 2007 – mit den neuen Daten umgeht; ein Rückblick-Thema 2013 hätten wir also schon.

Fremdschämen für die Hersteller von aufwendigen Automobilen ist damit kein Thema mehr, und deshalb durfte man sich aus vollem Herzen auch über die Neuzugänge freuen: Jaguar etwa belebte den E-Type-Mythos mit dem ebenso sportiven F-Type, Aston Martin packte den neuen Vanquish mit 573 PS aus, Maserati bekannte sich mit dem Quattroporte VI zu 50 Jahren Viertürer, und Jeep stellte im Sommer mit dem Grand Cherokee SRT 8 einen gewaltigen, 470 PS starken SUV ins Unterholz, der auch auf der Rennstrecke eine höchst passable Figur machen soll.

VW packt den Golf VII aus

Da die Exoten nur eine spiegelnde Kulisse abgeben für den riesigen Markt der Bestseller in unseren Garagen, bekommt 2012 eine zusätzliche Bedeutung als Geburtsjahr von Golf VII und der neuen A-Klasse von Mercedes. VW-Chef Martin Winterkorn, mit dem Instinkt des austrainierten Jagdhunds auf der Fährte der Stückzahl-Giganten General Motors und Toyota, verfolgt den Weg zur Nummer eins mit der Neuauflage des wichtigsten Konzern-Modells. Muss der Vorgänger damit schon nach nur vier Jahren Dienstzeit abdanken, winkt nun die Strategie des modularen Querbaukastens und stellt neben dem Golf VII auch den Audi A3, den Seat León und den Skoda Octavia auf ein gemeinsames Fundament.

A-Klasse von Mercedes

Eine radikal inszenierte Kehrtwende von gewohnten Prinzipien zeigt dagegen Mercedes mit der neuen A-Klasse. Als Konkurrent für VW Golf, Audi A3 und den BMW 1er gedacht, sieht der Einsteiger-Mercedes nun endlich auch so aus. Das One-Box-Design der alten A-Klasse, die mit einem umwerfenden Paukenschlag 1997 die Bühne betrat, gehört seit 2012 endgültig der Vergangenheit an. Kompakt im Two-Box-Stil, macht der niedrige Fronttriebler keinen Hehl mehr aus der Partnerschaft zwischen Renault und Mercedes: Im handgeschalteten A 180 CDI werkelt ein französischer Selbstzünder, der auch im Mégane seinen nagelnden Dienst tut.

Opels Adam auch für Evas

Eine Nummer kleiner schickt Opel den modernen Laubfrosch auf Eroberungstour. Es gibt ihn allerdings nicht nur in Grün, und sein Name klingt einfach paradiesisch: Adam. Obwohl auch für Evas geeignet, erinnert er an den Gründer des Unternehmens, und angesichts der Tatsache, dass Adam Opel fünf Söhne hatte, sind wenigstens die Namen der nächsten neuen Modelle aus Rüsselsheim jetzt schon gemachte Sache: Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig.

Nicht so fest steht hingegen das gesamte Schicksal des hessischen Industriegiganten: Die amerikanische Mutter General Motors schachert mal mit den Arbeitsplätzen, dann wieder mit den Standorten, dazu mit Modellen, Patenten und der fiesen Androhung, im Zweifel den gesamten Laden abzuwickeln. Um den Patienten auch tatsächlich bettlägrig zu machen, darf Opel 2012 im Fernen Osten nichts verkaufen.

Ein professioneller Muntermacher ist da nötig wie selten: Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wird im Jahr des Bebens Markenbotschafter von Opel. Vermutlich haben die Marketing-Strategen gemerkt, dass sein 2011 gekürter Vorgänger Dieter Bohlen mit seinem Fernseh-Format "DSDS" besser zu Citroën passt.

Dazu kommt eine nicht mehr nachvollziehbare Personalpolitik. Kaum hat man den Firmenchef Karl-Friedrich Stracke vor die Tür gesetzt, passiert das Gleiche dem designierten Opel-Designchef David Lyon, der schon vor seinem Amtsantritt von GM wieder gefeuert wird. Ob Lyons Abschiedsparty bei seinen bisherigen Marken Buick und GMC dafür ursächlich ist, bleibt Geheimnis der GM-Personalabteilung. Bedenklich stimmt nur eine parallele Erkenntnis der Biologen: Wenn Öko-Systeme stark oszillieren, stehen sie meistens kurz vor dem Umkippen. Und sind Autohersteller heute nicht höchst sensible Öko-Systeme?

Kriechstrom bei Elektroautos

Apropos Öko-Systeme. Der Hype um die Elektromobilität f laut wieder ab. In Deutschland werden 2012 kaum über 3.000 Strom-Mobile zugelassen, Marktführer ist der Opel Ampera mit geschätzt 700 Einheiten. Die im Rahmen der Energiewende verkündete Ziel-Zahl von einer Million deutscher E-Autos im Jahr 2020 qualmt wie ein frischer Kurzschluss. Der Teufel steckt auch in den Budget-Plänen deutscher Kommunen: Bevor ein teures E-Mobil in die städtische Garage kommt, ist ein billiger Benziner oder Diesel als Dienstauto zu ordern. Punkt. An den Feinstaubwerten in unseren Städten ändern auch Elektroautos nichts. Unabhängige Studien ergeben 2012, dass ein Zusammenhang etwa zwischen Tempo-30-Zonen und verringerter Feinstaubbelastung nicht nachweisbar ist. Im Gegenteil: Dort, wo der Verkehr noch zügig f ließt, liegen die Feinstaubwerte am niedrigsten.

Breite Wagen ohne Lenker

Zu einer Eindämmung des urbanen Automobil-Aufkommens könnte höchstens das Design führen: Die Karosserien werden immer breiter, und die Parkplätze wachsen nicht mit. Während Kommunen wie Triberg im Schwarzwald ihre engen Parklücken als "Männer-Parkplätze" ankündigen und damit das alte Vorurteil schüren, Frauen könnten hier nicht einparken, wird die deutsche Einpark-Meisterschaft 2012 von einer Frau gewonnen – Sabine Langer aus Düsseldorf. Die Betreiber von Parkhäusern außerhalb von Triberg gehen da einen kundenfreundlicheren Weg und bieten seit neuestem XXL-Parkplätze an. Die Fahrer moderner SUV werden es ihnen danken.

Noch sind europäische Parkhäuser indes weit von den Sitten in Amerika entfernt. Ein raffiniertes Steuerprogramm senkt in San Francisco jetzt die Parkgebühren, sobald die
Parkplätze nicht ausgelastet sind. Möge dies auch bei uns Schule machen.

Eine andere kalifornische Bewegung stimmt hingegen bedenklich. Die Möglichkeit eines entsprechend ausgerüsteten Automobils, auch ohne Fahrer im Verkehr mitzucruisen, wurde jüngst in den amerikanischen Gesetzen als zulässig verankert. Das Auto fährt von selbst, es wird von Google und anderen allwissenden Aufpasser-Satelliten gelenkt; ein Fahrer ist nicht mehr vonnöten. Das Vergnügen einer Autofahrt rutscht damit vollends in den virtuellen Bereich hinüber. In Stuttgart wird deshalb vorbeugend 2012 der größte europäische Verkehrssimulator seiner Bestimmung übergeben. Google lenkt, Simulator denkt, Fahrer kann sich vor dem Bildschirm endlich selbst den Vogel zeigen.

Rekordpreis für Ferrari 250 GTO

Der Vogel mag auch jenem zwitschern, der vor ein paar Jahren seinen Ferrari 250 GTO für die lächerliche Summe von fünf oder sechs Millionen Dollar versteigert hat. Im vergangenen Sommer erzielte einer der 35 je gebauten GTO den Auktionspreis von sage und schreibe 35 Millionen. Kein Wunder, dass daraufhin erneut die Nachricht die Runde macht, Oldtimer seien eine vielfach besssere Geldanlage als etwa Aktien. Und dazu noch fahrbar.

VW zahlt keine Porsche-Steuern

Was hierzulande in der wunderbaren Welt des Automobils nicht XXL war? Zum Beispiel die Steuerlast, die Volkswagen für die Übernahme von Porsche zu zahlen hat – durch einen buchhalterischen Kunstgriff kann sich der Konzern die schicke Stuttgarter Tochter ganz ohne einen Obolus an das Finanzamt einverleiben. So etwas sieht man in der Welt der Hochfinanz natürlich gerne. VW-Chef Winterkorn erhält 2012 den Ehrentitel "Manager des Jahres", während der frühere Porsche-Boss Wendelin Wiedeking neues Terrain erkundet: Er will dem Vernehmen nach eine Kette von Pizza-Restaurants eröffnen. Vom Vollgas zum vollen Gast ist es ja nur ein kleiner Weg.

Nachhaltige Brandbekämpfung

Looser des Jahres wird ein Chaot, der sich darauf spezialisiert hatte, als Kollateralschäden des gelebten politischen Dissidententums Autos abzufackeln. Er wurde gefasst. Das in diesem Jahr gesprochene Urteil ist gerecht, entbehrt aber nicht einer gewissen Härte: sieben Jahre Knast.

Noch droht den praktischen Befürwortern einer nicht beglichenen Tankrechnung eine niedrigere Strafe, aber Abschreckung tut not. Die ständig steigenden Benzin- und Dieselpreise veranlassen 2012 immer mehr Autofahrer, sich nach dem Vollmachen unverzüglich auch aus dem Staub zu machen. Die Video-Überwachung fängt sie jedoch häufig wieder ein.

Sebastian rennt

Was aber wäre ein Autojahr ohne den Sport? Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2012 sah im letzten Rennen in Brasilien einen entfesselten Sebastian Vettel, der entgegen aller Chancen stur sein Rennen fuhr: Beim Start umgedreht und Letzter, die herausgefahrene Zeit durch eine Pace-car-Phase wieder verloren, irreguläre Bedingungen durch mal mehr, mal weniger Regen, verwachst beim Reifenwechsel, doch bis zum Ende des Rennens auf der Straße geblieben und in der Abrechnung zuletzt Weltmeister. Zeigten die Weltmeister diesen Grad der fahrerischen Reife früher mit vielleicht 30 Jahren, liegt Vettel auch hier vorne: Er ist erst 25 und hat schon drei Titel in Folge eingefahren. Da kommt noch was.

Ciao Schumi

Des jüngsten WM-Gewinners Vorbild, Michael Schumacher, schnürte am Ende der Saison 2012 hingegen endgültig den Ranzen. Fahrerisch so gut wie eh und je – anders fährt man mit 43 Jahren gegen Vettel und Co. in Monaco keine Pole Position mehr heraus – ließ ihn sein Mercedes-Team technisch im Stich. Wahrscheinlich fährt Schumi 2013 wieder Formel 3, und alles beginnt noch mal von vorn. Statt einen Aerodynamik-Experten vom Kaliber eines Rory Byrne zu verpflichten, der zusammen mit Schumacher, Jean Todt und Ross Brawn einst die Ferrari zu Seriensiegern gemacht hatte, wurde Sportchef Norbert Haug vor die Tür gesetzt. Als könnte dieses Bauernopfer einen lahmen Rennwagen schneller machen. In der DTM dann die zweite Klatsche: Bruno Spengler, einst bei Mercedes, siegte für BMW.

Wieder Lob für Loeb

Da ist es fast eine Wohltat, dass Mercedes es nicht auch noch bei der Rallye-Weltmeisterschaft versucht hat. Hier nämlich war die schier unglaublich konstante Paarung von Sebastien Loeb und Citroën wieder einmal nicht zu sprengen.

Seit 2004 holt der Elsässer zusammen mit Beifahrer Daniel Elena Weltmeister-Titel um Weltmeister-Titel, 2012 zum neunten Mal. Ein Sondermodell Sebastien Loeb, etwa auf DS3-Basis, wird Citroën dem Vernehmen nach trotz allem Erfolg nicht auflegen. Als Symbol für die neun Titel, so die Marketing-Abteilung, müsste es ja neun der berühmten Citroën-Doppelwinkel übereinander tragen. Und so viel Platz, sollen Messungen der Sportabteilung ergeben haben, steht auf der Motorhaube eben nicht zur Verfügung.

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