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James Bond: Spectre

Hinter den Kulissen der Actionszenen

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Drei Jahre nach dem Milliarden-Dollar-Erfolg "Skyfall" ist seit dem 5. November das neueste 007-Abenteuer in die Kinos. In "Spectre" jagt Daniel Craig als 007 den Bösewicht Oberhauser, gespielt von Christoph Waltz. Das Duell Gut gegen Böse findet - alte Bond-Tradition - auch auf vier Rädern statt. Wir waren bei den geheimen Action-Dreharbeiten der 270-Millionen-Euro-Produktion in London, Rom und Tirol dabei.

24.11.2015 Patrick Zeilhofer

Atemberaubend, oder? Von null auf hundert in 3,2 Sekunden, und er hat noch ein paar kleine Tricks auf Lager!", raunt Waffenmeister "Q" (Ben Whishaw) James Bond (Daniel Craig) zu. Er schwärmt von einem der Hauptdarsteller im neuen Film, dem Aston Martin DB10, den ein Lastenaufzug gerade aus den Kellern des MI6 gehievt hat. Ein Traum von einem Sportcoupé: Haischnauze, extrem schmale Leuchten, silbergrauer Hydro-Shine-Lack.

Aston Martin DB10 - Exklusives Dienstfahrzeug für 007

Das neue Bond-Mobil steht in Halle R der Londoner Pinewood Studios, in der beeindruckenden Kulisse einer unterirdischen Werkstatthalle mit weiteren "Wow"-Fahrzeugen: So schrauben "Q"s Leute gerade Maschinengewehre an den Lenker einer Norton Dominator, Bonds "Hausmarke" Aston Martin ist neben dem DB10 mit einem DB9 und einem Vantage V12 präsent. Im kleinen Studio nebenan lärmen Windmaschinen. Wie bei einem wilden Rodeoritt dreht sich ein MBB-Bo-105-Hubschrauber auf einem beweglichen Hydraulikstab vor einer grünen Trick-Leinwand. Im Cockpit kämpft James Bond gerade mit einem Mafiaboss. Doch es ist nicht Daniel Craig, der hier den Gegner würgt, sondern Stuntman Andy Lister mit einer verblüffend echt wirkenden Gummi-Gesichtsmaske des Hauptdarstellers. Immer wieder lässt Second-Unit-Regisseur Alexander Witt filmen, wie der Mafioso aus dem Hubschrauber fliegt. Dazu wird das Stuntdouble des Bösen, Kai Martin, mehrmals mit einem dünnen Seil ruckartig aus der Kabine gerissen.

Die Aufnahmen sind Teil der Eröffnungsszene des Films, in der 007 im Gewühl eines mexikanischen Toten-Tanzfests den bösen Buben bis in dessen Helikopter verfolgt - inklusive atemberaubender "Korkenzieher"- Loopings des Hubschraubers über Mexico-City, ausgeführt von Red-Bull-Pilot Chuck Aaron.

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Reportage Spectre James-Bond-Stunts
auto motor und sport 23/2015
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Tirol: der Austria-Bond

Obertilliach, nördlicher Dorfhang. Zum vierten Mal explodiert der auf dem Dach liegende Land Rover Defender, gleichzeitig dreht sich das schwarze Flugzeugwrack im Schnee mit einem Ruck um die eigene Achse. James Bond, ein wenig geschüttelt, aber nicht gerührt, stürmt aus dem zerstörten Cockpit und befreit das entführte Bond-Girl Madeleine Swann (Léa Seydoux) aus dem Range Rover der Bösen.

Trotz Kälte lassen Regisseur Sam Mendes und Stunt-Spezialist Gary Powell den Crash insgesamt sechs Mal wiederholen, was drei Stunden dauert. Die Fünf-Sekunden-Szene ist der Abschluss einer aberwitzigen Verfolgungsjagd im Schnee: Um der Verbrecherorganisation Spectre samt Oberbösewicht (Christoph Waltz) auf die Spur zu kommen, verfolgt Bond zwei mit 37-Zoll-Offroad-Reifen aufgerüstete Land Rover Defender und einen 550 PS starken Range Rover Sport SVR. 007 ist nicht wie früher auf Skiern unterwegs, sondern im Flugzeug, einer zweimotorigen Britten-Norman Islander.

Flugzeugrumpf als Riesenschlitten

Die Hatz geht über Gletscherstraßen (Rettenbachferner), Wälder und Skipisten (Obertilliach). Die Bösewichte nehmen Bond unter Beschuss, das durchsiebte Flugzeug stürzt ab. Überlebenskünstler 007 rutscht im verbliebenen Flugzeugrumpf wie in einem Riesenschlitten über die Piste, kracht durch eine Scheune und schließlich in die Verfolgerautos.

Für diese Szene ließen die Filmleute eigens eine zweistöckige Scheune am Obertilliacher Dorfhang bauen. Die Außenfassade besteht nur aus dünnem Holz samt Sollbruchstellen, die Holzscheite sind aus Styropor. Wenn 007 im Flugzeug scheinbar außer Kontrolle in die Scheune donnert, wird es in Wirklichkeit von einem Stuntfahrer gesteuert, der samt Ski-Doo im Flugzeugrumpf versteckt ist. Doch wie fliegt die Maschine jetzt durch die Scheune hindurch? Eins der insgesamt acht verwendeten Filmflugzeuge steht dafür unbemannt auf zwei Schienen im Scheunenboden. Die Mitarbeiter aus dem Special-Effects-Team von Chris Corbould positionieren einen 1,50 Meter langen Stahlkolben am Flugzeugheck, der mit einer Druckluftapparatur verbunden wird – einer Abschussvorrichtung, die im Grunde wie eine Softair-Pistole funktioniert.

"We are rolling - 3 - 2 - 1." Wrumm! Das Flugzeug schießt durch die Scheunenwand, Bretter und Holzscheite fliegen umher, die Maschine macht einen Riesensatz, landet krachend auf dem Hang und rutscht schließlich in einen fahrenden Land Rover. Nach drei Monaten Vorbereitung ist in vier Sekunden alles im Kasten. Und die wenigen Obertilliacher, die zusehen dürfen, klatschen begeistert. Ihr Dorf hat gerade Action-Filmgeschichte geschrieben.

Supercar-Showdown in Rom

Für die Stuntfahrer liegt die Hölle direkt hinter dem Vatikan. "Im Prinzip müssen wir in Rom alle zehn Minuten neue Reifen aufziehen. Hunderte von Reifen haben wir schon verschlissen - und so manche Kupplung und Lenkung", erzählt Special-Effects-Meister Chris Corbould grinsend und schaut wieder auf sein Tablet mit den Live-Kamerabildern. Zwei teuflisch übermotorisierte automobile Alphatiere driften jetzt schon zum dritten Mal äußerst knapp an Berninis Säulengängen des Petersplatzes vorbei und jagen brüllend auf das Kopfsteinpflaster der mittelalterlichen Straße Borgo Pio: Bonds silbergrauer DB10 und direkt dahinter der grell orangefarbene Jaguar des bösen Mr. Hinx (Dave Bautista). Der futuristische Prototyp C-X75 samt Flügeltüren wurde für "Spectre" mit einem 550 PS starken V8 aus dem Range Rover Sport bestückt. Sieben dieser C-X75 waren während der vierwöchigen Dreharbeiten in Rom wechselnd im Einsatz, die Carbonfaser-Außenhülle verdeckt einen massiven Käfig, die Federung und der Unterboden wurden verstärkt.

Aston Martin hat sein Concept-Car, den DB10, exklusiv für "Spectre" entworfen und gebaut - nur zehn Exemplare, acht für die Dreharbeiten und zwei für die Promotion. Innen fehlen deshalb die Automatik, der verstellbare Fahrersitz, funktionierende Instrumente oder eine Klimaanlage. Was nicht fehlt, ist der 4,7-Liter-Motor aus dem V8 Vantage mit 426 PS. Dazu kommt selbstverständlich die Sonderausstattung à la "Q": Flammenwerfer, Maschinengewehre sowie - Bond-Fans wissen Bescheid - ein aufklappbarer Schaltknauf mit Schleudersitz-Knopf.

Penibel genau vorbereitete Stunts

Auf der weiträumig abgesperrten Piazza Americo Capponi macht sich in dieser Nacht der Fahrer Mark Higgins bereit für einen klassischen Bond-Stunt. Der DB10 soll über eine erhöhte Treppenkante rasen, im Sprung einem parkenden Alfa Romeo 166 das Dach wegreißen, auf der tiefer liegenden Via Ombrellari landen und weiterfahren. Für den Stunt hat das Team das gesamte Oberteil des Alfa fein säuberlich abgetrennt und lose wieder aufgelegt.

Um 3 Uhr morgens ist es dann so weit: Wieder dank Druckluftpumpe fliegt das Dach genau in dem Moment in die Luft, in dem der Aston Martin über den Alfa springt. Ganz ohne Computertricks wird so ein alter Alfa nachträglich zum Cabrio und der Aston Martin DB10 vielleicht zum DB5 der Neuzeit, zum Dauerhelden im Kampf Mut gegen Böse.

INFOS ZUM FILM

"Spectre" ist mit einem Budget von circa 270 Millionen Euro der teuerste Bond-Film aller Zeiten, gedreht in Österreich, Italien, England, Marokko und Mexiko. Neben spektakulären Action- Szenen liefert Regisseur Sam Mendes ("Skyfall") eine überraschende Story mit Daniel Craig, Christoph Waltz, Ralph Fiennes, Léa Seydoux und Monica Bellucci.

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