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Jensen-Healey Mk II

Mit Schweizer Präzison wieder fit gemacht

Jensen-Healey Mk II Foto: Fact 16 Bilder

Der Jensen-Healey genoss hierzulande nicht den besten Ruf. Ein Schweizer restaurierte vor fast 20 Jahren einen dieser zusammengeschusterten Roadster und fährt damit bis heute ohne Probleme.

01.10.2009 Bernd Woytal Powered by

Schweizer Präzision siegt über britische Schlampigkeit, wäre ein mögliches Resümee dieser Geschichte. Doch man sollte dem Jensen-Healey nicht ganz so übel mitspielen, denn zumindest die zweite Serie präsentierte sich etwas ausgereifter als die Mk I-Versionen mit ihrem noch unausgereiften Lotus-Vierventilmotor.

An der nur mäßigen Verarbeitungsqualität hielt Jensen allerdings bis zum Ende der Produktion konsequent fest. Das nennt man Tradition. Aber von all dem wusste der in Eschlikon im Kanton Thurgau wohnende Hans-Peter Wieland noch nichts, als er im Sommer 1986 in einer Zeitung auf eine Annonce stieß, in der ein Healey zum Verkauf angeboten wurde. Im entsprechenden Anzeigentext fiel auch irgendwo der Name Jensen, weshalb Wieland vermutete, dass es sich offenbar um etwas anderes handeln musste, als um einen Austin-Healey. Dabei kannte er sich eigentlich ganz gut mit britischen Fahrzeugen aus.

Wieland eignete sich Schrauberkenntnisse an

Seine Autofahrerkarriere hatte er mit einer günstig erstandenen MG Limousine begonnen. "An diesem Auto reparierte ich von Montag bis Freitagabend, samstags fuhr ich damit und wenn ich Glück hatte, hielt es noch am Sonntag", erzählt der Schweizer. Zuverlässig funktionierende Wagen konnte er sich damals genauso wenig leisten wie teure Werkstattbesuche und so eignete er sich in jener Zeit intensive Schrauberkenntnisse an. Später lenkte er Mini Cooper und diverse andere englische Fahrzeuge.

Nachdem er schließlich einige Autos besessen hatte, die eine ganze Woche lang durchhielten, machte sich bei ihm offenbar Entzug bemerkbar. Er gönnte sich zwar noch einige Tage Bedenkzeit, aber dann meldete er sich auf die Healey-Verkaufsanzeige. Der laut angegebener Adresse in Zürich beheimatete Händler erklärte zunächst, um was für ein Auto es sich handele und gestand, dass der Wagen weit weg von Zürich stehe. Das entpuppte sich für Wieland als Glücksfall, denn der Standplatz des Jensen-Healey befand sich nur fünf Kilometer von seinem Wohnort entfernt.

Im Freundeskreis erzählte man sich Horrorgeschichte über den Jensen-Healey

Beim Besichtigungstermin fand Wieland sofort Gefallen an dem seltenen Roadster. Der schlecht gepflegte Zustand und merkwürdige Motorgeräusche, die er korrekt als defekte Kurbelwellenlager deutete, dienten ihm als schlagkräftige Argumente, den Preis noch etwas zu drücken. Dann unterzeichnete er den Kaufvertrag. Aus dem Freundeskreis bekam er nur Horrorgeschichten über diesen Wagen zu hören, "da lief es mir schon ab und zu kalt über den Rücken", weiß Wieland noch.

Aber als er sich in einschlägiger Literatur über seine Neuerwerbung informierte, stellte er mit Freude fest, dass er die Version Mk II erwischt hatte, die sich durch eine besser abgedichtete Maschine mit optimierter Ölversorgung auszeichnete. Doch das änderte nichts am vorliegenden Schaden und so öffnete er in der Werkstatt eines Bekannten den Motor von unten, um nach den Kurbelwellenlagern zu schauen. Zwei schienen ihm verschlissen zu sein und allen Unkenrufen zum Trotz gelang es ihm, diese von unten her zu wechseln.

Teure Ersatzteile für den Jensen Healey

Allerdings musste er bei dieser Gelegenheit feststellen, wie teuer die Ersatzteile für das auch im Neuzustand nicht gerade billige Auto waren - zumindest wenn man sie beim offiziellen Jensen-Importeur erwarb. Die Freude währte zwei Jahre, dann kündigte sich ein erneuter Lagerschaden an. Diesmal machte Wieland Nägel mit Köpfen und entschied sich für einen kompletten Neuaufbau des Leichtmetall-Vierzylinders, zumal eine Reise nach England bevorstand. Mittlerweile kannte er durch Bekannte günstige Ersatzteilquellen in England.

Überhaupt hatte er von Anfang an nach Gleichgesinnten Ausschau gehalten und engagierte sich mit viel Einsatz in einem sich heranbildenden Club, aus dem dann später zusammen mit einer weiteren Jensen-Interessensgruppe der Jensen Car Club of Switzerland hervorging. Die Überholung des Motors führte Wieland so weit wie möglich selbst durch, nur die abschließenden Fein- und Einstellungsarbeiten vertraute er einem Fachbetrieb an. Einen Monat später war er schon unterwegs nach England - mit einem störungsfrei laufenden Motor.

Wieland restauriert den Jensen Healey schrittweise

Während andere alle Komponenten eines Autos gleichzeitig restaurieren, arbeitete sich Wieland schrittweise voran, aber dafür um so gründlicher. Als die Cabrio-Saison 1989 dem Ende entgegenging, entschloss er sich kurzerhand, den Wagen nicht unter einer Schutzdecke in den Winterschlaf zu schicken, sondern die Karosserie auseinanderzureißen und von Grund auf zu restaurieren. Kleine Lackerhebungen trieben ihn zu dieser Tat, obwohl einige Bekannte das für überflüssig hielten. "Ich habe größere Schäden vermutet, als ich sehen konnte, und dummerweise behielt ich recht", lacht Wieland.

In der Werkstatt seines Freundes Ernst Schmid im nahe gelegenen Schwarzenbach begann er mit Hilfe der Lehrlinge den Wagen zu demontieren und die angeschraubten Kotflügel zu entfernen. Es kamen zahlreiche Roststellen zum Vorschein und so bestellte er einige Blechteile im damals noch existierenden Jensen-Werk. Das funktionierte in dieser Zeit noch nicht via Internet und Kreditkarte, wie sich Wieland erinnert: "Ich schickte eine Anfrage per Fax, dann faxte Jensen eine Bestätigung mit Preisen, ich zahlte das Geld auf der Bank ein und dann kamen die Teile - aber nicht immer die richtigen." Die erhaltenen Karosserieteile waren jedenfalls richtig, "doch Ernst Schmid hätte mich fast damit erschlagen", scherzt Wieland, denn die Passform ließ sehr zu wünschen übrig.

Individuelle Anpassungen für den Jensen Healey

Doch mit Schmid hatte Wieland einen Könner an der Hand, der notfalls die benötigten Bleche selbst von Hand fertigte und einige sinnvolle Verbesserungen vorschlug. So verschweißte er die Kotflügel, um die Karosserie zu stabilisieren und den vorderen Teil der Schweller änderte er ab. Denn im unsichtbaren Bereich hinter dem Vorderkotflügel ist das Oberteil der Schweller zum seitlichen Stehblech hin geneigt, so dass sich dort Wasser und Schmutz absetzen und das Stehblech schließlich rostet. Schmid versah nun den Schweller mit einer Neigung nach außen zum Kotflügel hin und ließ zwischen Schweller und Kotflügel einen Zwischenraum, damit das Wasser abfließen kann. Auch auf genaue Passungen achtete er.

Wie gut er tatsächlich gearbeitet hat, lässt sich heute nach fast 20 Jahren erkennen. Der Wagen sieht immer noch aus wie neu. Die Innenausstattung musste übrigens nur etwas aufbereitet werden, aber ein neues Verdeck in Beige in Sonnenland-Qualität wurde montiert. Nun war der Jensen optisch ein Schmuckstück, aber die noch nicht restaurierten Technikgruppen sollten auch noch an die Reihe kommen. Als einige Zeit später immer der zweite Gang beim Loslassen des Gaspedals heraussprang, wurde das Getriebe revidiert. Die komplette Überholung der Vorderachse folgte, was Wieland selbst übernahm.

Der Jensen Healey wurde zum Neufahrzeug

Nach und nach erneuerte er noch weitere Teile und verwandelte so den Jensen in ein Neufahrzeug. "Früher habe ich geschraubt, weil ich Auto fahren wollte und kein Geld hatte, heute schraube ich aus Leidenschaft", sagt Wieland. Doch an seinem Jensen-Healey hat er nicht mehr viel zu schrauben, von den üblichen Servicearbeiten abgesehen. Das Auto läuft heute völlig problemlos. Vielleicht hätte die Firma Jensen damals einige Schweizer einstellen sollen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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