Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Jim Clark

Das Naturtalent

Foto: Weitmann-Archiv, Schlegelmilch, LAT 12 Bilder

Vor 40 Jahren, am 7. April 1968, verunglückte der zweimalige Weltmeister Jim Clark bei einem Formel 2-Rennen in Hockenheim tödlich. Für viele ist er noch heute der beste Fahrer, den es je gab. Eine Einschätzung, die sogar Fangio teilte.

21.04.2008 Mike Riedner Powered by

Jim Clark setzte die Standards neu, er verschob die Grenzen. In jedem Rennen, zu dem er antrat, war er derjenige Fahrer, den es zu schlagen galt - ob in der Formel 1, Formel 2, im Tourenwagen oder bei den Rennsportwagen.

Er war ständig interessiert an Neuem, er beschränkte sich nicht nur auf die Grands Prix, die er ausschließlich im Lotus bestritt. Colin Chapman wusste die reine Freude am Fahren, die sein bester Pilot an den Tag legte, für Lotus-Zwecke zu nutzen: Clark startete für Lotus in Indianapolis, gewann 1964 nebenher die britische Tourenwagen-Meisterschaft in einem vom Team Lotus eingesetzten Ford Cortina, er fuhr Lotus 19- und 23-Rennsportwagen, und in den USA startete er gar in einem Ford Galaxie bei einem NASCAR-Rennen.

Er war auch spaßigen Abenteuern nicht abgeneigt: Unvergessen sind seine "Fahrten" mit dem in Cortina d’Ampezzo vorgestellten Ford Cortina durch die Olympia-Bobbahn von 1956. Nach dem Willen der Eltern hätte Jim Clark die familieneigene Farm im Norden Schottlands übernehmen sollen. Er war der einzige Sohn inmitten von vier Schwestern.

Seine ersten Kontakte zum Motorsport kamen über die Ecurie Ecosse zustande - jenes schottische Privat-Team, das von David Murray gegründet worden war. Als Junge sah er einmal auf dem Nachhauseweg von der Schule drei Jaguar-C-Type im Renntempo auf der Landstraße vorbeibrausen. Ein paar Wochen später kroch er mit einem Freund unter einem Zaun hindurch, um die Fahrer der Ecurie Ecosse bei Testerprobungen auf einem kleinen Flugplatz zu beobachten.

Erster motorisierter Untersatz: Der Traktor der Eltern
Die ersten Erfahrungen mit motorisierten Fahrzeugen sammelte er mit dem Traktor der elterlichen Farm in Duns - das liegt im Südwesten Schottlands nahe der Grenze zwischen Schottland und England. Ein väterlicher Freund - Inhaber einer Werkstatt in der nächsten Ortschaft, in der die Traktoren der Familie Clark gewartet wurden -, brachte ihn dann zum aktiven Motorsport.
Den ersten Geschwindigkeitstest bestritt Clark 1957 als 21- Jähriger in seinem eigenen Sunbeam, danach fuhr er einen DKW Sonderklasse und den Porsche 356 eines Freundes bei kleinen Flugplatzrennen in der Umgebung oder bei Bergrennen wie "Rest and be thankful".

Das Privatteam der Border Reivers (benannt nach jenen Strauchdieben, die vom 13. bis 16. Jahrhundert an der schottisch-englischen Grenze raubten und brandschatzten, um ihr nacktes Überleben zu sichern) setzte ihn 1958 in einen Jaguar D-Type. Von da an ging es Schlag auf Schlag.
Border Reivers nannte den D-Type für den GP de Spa, ein Sportwagenrennen, bei dem Clark auf starke Konkurrenz in Form von Ferrari Testa Rossa, D-Type und Aston Martin DBR 1 traf. Er schlug sich wacker, doch Spa bedeutete auch das erste Negativ-Erlebnis für den jungen Rennfahrer: Archie Scott-Brown verunglückte vor der La-Source-Haarnadel in seinem Lister-Jaguar tödlich.

Clark und Spa: Vier Tote in einem Rennen lassen ihn am Rennsport zweifeln

Zwei Jahre später, Clark fuhr da bereits in den GP-Rennen für Lotus, erlebte er, wie gleich vier Fahrer, drei davon in einem Lotus, schwer verunglückten: Stirling Moss im Training, als ihm in der Vollgaskurve bei Burnenville ein Rad davo flog und er sich beide Beine brach. Mike Taylor, ebenfalls in einem privat eingesetzten Lotus, als er wegen eines Bruchs der Lenksäule im Ardennenwald landete und wegen zahlreicher schwerer Verletzungen seine Rennfahrerkarriere beenden musste.
Alan Stacey (Lotus), dem im Rennen ein Vogel bei Höchstgeschwindigkeit ins Gesicht flog. Und schließlich Chris Bristow (Cooper), als sich - ebenfalls bei Burnenville - sein hellgrüner Cooper mehrfach überschlug, Bristow dabei enthauptet wurde und Clark fast über den leblosen Körper gefahren wäre. Wenn Clark Spa vorher nicht sympathisch gewesen war, so hasste er diese Strecke ab diesem Zeitpunkt.
Es war die erste von zahlreichen Gelegenheiten, bei denen sich Clark ernsthaft fragte, ob er dem Motorsport Lebewohl sagen sollte. Und einer von zahlreichen Anlässen, bei denen offensichtlich wurde, dass die filigranen Lotus-Konstruktionen nicht immer den harten Anforderungen eines Rennens gerecht wurden. Colin Chapman hielt es empirisch: Hielten seine Konstruktionen, war es gut. Brachen sie, musste nachbessert werden. Die Fahrer waren die Test-Dummies.

Der schottische Naturbursche: Schüchtern und verschlossen

Nach Erlebissen wie diesen kehrte Clark auf direktem Weg nach Schottland zurück. Dann brauchte er die Farm ganz besonders, mehr als alles andere. Er genoss das Landleben inmitten der Schafe und der unberührten Natur. Gummistiefel und Wachsjacke statt Rennschuhe und Overall. Die Ausflüge an die Pistenen waren ihm zunehmend ein Gräuel, vor allem wegen der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Erst nach seinem zweiten WM-Titel wurde er lockerer, obwohl es auch dann passieren konnte, dass er einen Freund auf der Boxenmauer fragte: "Warum schaut der da drüben mich so blöde an?" Dass er zur Prominenz gehörte, verstand er lange nicht - und wenn er es ahnte, wollte er es nicht akzeptieren. Jim Clark war schüchtern, verschlossen. Ein Gentleman mit perfekten Manieren, gut aussehend mit dunklen Haaren und braunen Augen. Er sprach leise mit tiefer Stimme.

Im kleinen Kreis bewies er sehr viel Sinn für Humor, mit Freunden konnte er ansteckend lachen. Wie später Alain Prost kaute Clark Fingernägel. „Immer noch besser als Rauchen“, meinte er, wenn er darauf angesprochen wurde.

Die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin Sally Stokes scheiterte, denn Clark wollte wegen des Risikos in seinem Beruf einer Frau keine Heirat zumuten, so lange er aktiv war. Stokes ehelichte später den holländischen Rennfahrer Ed Swart. Außerhalb der Farm fühlte Clark sich dann wohl, wenn er mit seinem Rennwagen auf der Strecke war. Da sprach ihn keiner an, da bewegte er sich an der Haftungsgrenze durch die Landschaft - Leitplanken gab es damals so gut wie keine an den Strecken.

Die Sicherheitskampagne, die Jackie Stewart loslösen sollte, hätte ihm wohl nicht gefallen - wie ein Raubtier hinter Leitplanken, das wäre nicht nach Clarks Geschmack gewesen. Erst in späteren Jahren ging der ruhige, oft in sich gekehrte Schotte mehr aus sich heraus. Da konnte es dann schon einmal passieren, dass er bei einem feinen Dinner Butterstückchen mit dem Teelöffel durch feine französische Restaurants katapultierte.

Clark und Lotus: Die Erfolgsverbindung

1959 fuhr Clark einen Lotus Elite für Border Reivers, so kamen die ersten Kontakte zu Lotus-Chef Colin Chapman zustande. Clark startete mit dem Elite auch in Le Mans und wunderte sich über das zum Teil mangelhafte fahrerische Können der Konkurrenz. Chapman erkannte rasch das außergewöhnliche Talent des Schotten und verpflichtete ihn für die Saison 1960.

Vorausgegangen war ein Techtelmechtel mit Aston Martin, doch das GP-Projekt von David Browns Rennstall, für den Clark hätte fahren sollen, wurde schließlich eingestellt. Damit war er frei für Lotus. Es war der Start zu einer der außergewöhnlichsten Erfolgsgeschichten im Motorsport und gleichzeitig zu einer der engsten Beziehungen zwischen einem Rennwagen- Konstrukteur und einem Fahrer.

Am 5. Juni 1960 bestritt Clark im Lotus 18 auf der Dünenpiste des holländischen Seebads Zandvoort seinen ersten Grand Prix. Auf Platz fünf liegend, fiel er wegen einer gebrochenen Antriebswelle aus. Dann kam das bereits erwähnte Rennen in Spa. Die zwei Punkte, die Clark für den fünften Platz erhielt, spielten angesichts der schrecklichen Ereignisse eine sehr untergeordnete Rolle. Für Le Mans, wo Clark zusammen mit Roy Salvadori in einem dunkelblauen Aston Martin DBR1 von Border Reivers genannt wurde, musste er sich nur eine Woche später neu motivieren.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige