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Jubiläums-Ausfahrt 50 Jahre Opel KAD

Luxusliner aus Rüsselsheim

06/2014 - Jubiläums-Ausfahrt 50 Jahre Opel KAD, mokla 0614 Foto: Franz-Peter Hudek 16 Bilder

Vor 50 Jahren präsentierte Opel auf dem Genfer Automobil-Salon die Modellreihe Kapitän, Admiral und Diplomat (KAD). Aus diesem Anlass trafen sich am 14. Juni in Rüsselsheim 40 Mitglieder und Freunde der Alt-Opel IG mit ihren KAD-Traumautos zu einer eintägigen Ausfahrt. Motor Klassik war im Diplomat V8 dabei.

20.06.2014 Franz-Peter Hudek Powered by

Natürlich kennt man die großen Opel von damals, die bereits 1964, noch ein Jahr vor Einführung der Mercedes S-Klasse W 108/109, in den Schaufenstern der großen Stützpunkthändler standen. Sie galten stets als etwas „too much“, was sich auf die Abmessungen und das vom US-Geschmack geprägte Design bezog. Sie genossen aber auch großen Respekt aufgrund ihrer hohen Zuverlässigkeit und der kräftigen Motoren, allen voran der V8 von Chevrolet mit zunächst 4,6 Liter und ab September 1966 mit 5,4 Liter Hubraum. Das Diplomat V8 Coupé mit 230 PS war damals bei uns Schülern die Autoquartett-Trumpfkarte, die nur den Jaguar E-Type zu fürchten hatte. Die ab 1969 angebotene, etwas kompaktere B-Baureihe glänzte sogar mit solchen Technik-Höhepunkten wie De-Dion-Hinterachse und elektronisch gesteuerter Benzin-Einspritzung von Bosch beim 2,8 Liter-Sechszylinder.

40 KAD-Autos sind 40 Individuen

Doch bei der Ankunft in Rüsselsheim, wo schon die 40 verschiedenen KAD-Kostbarkeiten und ihrer Fahrer-Teams auf den Startschuss warten, wird einem sofort klar: Kein Auto gleicht bei genauer Betrachtung dem anderen, jeder der großen Opel ist eine grandiose, schillernde und dabei immer sympathische Persönlichkeit.

Schon die Grund-Konstellation von drei Modellreihen aus zwei Epochen ergibt viele verschiedene KAD-Typen, wobei sich Kapitän, Admiral und Diplomat (von links nach rechts aufsteigend) primär im Umfang ihrer Ausstattung und ihres Chrom-Ornats unterscheiden. Hinzu kommen zwei verschiedene Motoren. Einen Reihen-Sechszylinder mit zunächst 2,6 Liter Hubraum und 100 PS gab es als preisgünstige Alternative zum V8, der eigentlich exklusiv für den Diplomat vorgesehen war.

Trotzdem konnte man bei der A-Generation auch für den Admiral und sogar den Kapitän den V8 ordern. Und bei der B-Generation war nicht jeder Diplomat automatisch mit dem dicken V8 unterwegs. Ab 1976 kam bis zum Produktionsende im Jahr 1977 der 2.8 E-Sechszylinder mit 165 PS als Basismotor zum Einsatz.

Unterwegs im Diplomat lang

Wir dürfen uns im Opel Diplomat B V8 lang der Ausfahrt anschließen, die uns zunächst über das Rüsselsheimer Werksgelände auf den Bahnhofsplatz nahe dem historischen Opel-Werkstor bringt. Hier präsentieren wir uns für 30 Minuten dem Einkaufs-Publikum, das sich rege für die extrem selten gewordenen Liebhaber-Autos interessierte.

Etwas neidisch checkten wir die Cockpits der A-Versionen, die mit viel Chrom, Echtholz und lackiertem Blech noch den Stil der 60er präsentieren, den unser Diplomat B leider nicht mehr besitzt. Der Pressetext von damals lobt dafür den Sicherheits-Aspekt: "Alle Drucktastenschalter sind eingebettet in weiche Plastikknöpfe. Weiche Armlehnen und gepolsterte Sonnenblenden, ein auswerfbarer Plastikinnenspiegel sowie versenkt eingebaute Kleiderhaken, Türriegel und Türöffner sind weitere Sicherheitselemente." Nicht jedoch die elektrischen Fenster, die so schnell wie Melonenschneidmaschinen nach oben schießen.

Die 4 Luxus-Vollcabrios von Fissore

Die Reise führt uns über Mainz und Ingelheim zum Schloss Westerberg, wo die KAD-Parade ihre Mittagspause zelebriert. Auf dem Weg dorthin genießen wir das mühelose gleiten im geräumigen Diplomat, der bei Bedarf mit seinen 230 PS auch die flotte Corvette macht und zügig aus den vielen Kreisverkehren heraus beschleunigt oder mühelos langsame Verkehrsteilnehmer überholt.

Während der Mittagspause nehme ich mir die Zeit, um mich nach der Geschichte der vier außergewöhnlichen Opel Diplomat Vollcabrios zu erkunden, die unsere Ausfahrt begleiten. Opel-Historiker Eckhart Bartels berichtet über die Entstehungsgeschichte der vier 1971 auf Kiel gelegten Landyachten, die sich für die Jubiläums-Ausfahrt der Alt Opel IG aus ganz Deutsch zusammen gefunden haben. Initiator für deren Bau sei der damals neue Verkaufsmanager Bob Lutz gewesen, der für die noch jungen B-Modelle der KAD-Reihe verstärkt auf die Werbepauke hauen wollte.

Der Diplomat im Visibility Pool

Hierfür schuf Lutz den Visibility Pool. Das waren Opel-Fahrzeuge, die durch ihr Design oder ihren Einsatzzweck der Marke zu neuem Glanz verhelfen sollte. Dazu zählten die vier Diplomat-Cabrios.

Mit VIP-Besatzung an Bord sollten die Schaustücke bei besonderen Anlässen präsentiert werden, um die Akzeptanz der Oberklasse-Modelle Kapitän, Admiral und Diplomat zu verbessern. Der Osnabrücker Spezialist Karmann nahm den Auftrag an, musste jedoch wegen Kapazitätsproblemen den Umbau an den italienischen Karosseriebauer Fissore abgeben.

Dort wurden die Dächer entfernt und zahlreiche Verstärkungen in die Diplomat eingeschweißt, die Seitenscheiben samt Rahmen blieben. Das Stoffverdeck fertigte Karmann, die elektrohydraulische Mechanik lieferte GM. Die Umbaukosten beliefen sich auf 70.000 Mark pro Auto, das damals rund 20.000 Mark kostete.

Nach dem Ende der KAD-Baureihe sollten die vier Prachtstücke verschrottet werden. Die Alt-Opel Interessen-Gemeinschaft konnte jedoch erreichen, dass zwei der Opel Diplomat B Cabriolets an Mitglieder und zwei an Händler abgegeben wurden. Der Ausflugstag endet schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen auf dem Werksgelände in den Hallen von Opel Classic, wo die wichtigsten Fahrzeuge aus 111 Jahren Automobilproduktion parken.

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