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Jürgen Peters neuer IG-Metall-Chef

Foto: dpa

Nach dem monatelangen Machtkampf in der IG Metall ist der neue Vorsitzende Jürgen Peters am Sonntag (31.8.) mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Gewerkschaft gewählt worden.

01.09.2003

Beim Gewerkschaftstag in Frankfurt stimmten nur 66,1 Prozent der knapp 600 Delegierten für den bisherigen Vize, dem viele die Verantwortung für das Streikdebakel in Ostdeutschland anlasten. Der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber schnitt als neuer zweiter Mann mit 67,1 Prozent kaum besser ab.

Angesichts der Streikniederlage und der Querelen der vergangenen Wochen werteten beide die Wahl trotzdem als Erfolg. Peters betonte, dass ihn zwei Drittel der Delegierten in einer geheimen Abstimmung gewählt hätten. "Das ist schon ein tolles Ergebnis. Das muss mir erstmal ein Politiker nachmachen", sagte er in den "ARD-Tagesthemen". Das Ergebnis mache ihn stolz, nachdem die IG Metall in den vergangenen Wochen vor der Spaltung gestanden habe.

Prägendes Thema: der gescheiterte Streik im Osten

Der 59-jährige Peters, der die IG Metall nun bis 2007 führen soll, erklärte die Führungskrise für beendet. "Mit der IG Metall ist wieder zu rechnen - und das ist gut so."

Für Peters stimmten 391 von 592 Delegierten. 187 votierten gegen ihn, 13 enthielten sich. Eine Stimme war ungültig. Gegenkandidaten gab es nicht. Damit blieb der neue IG-Metall-Chef weit hinter den Wahlergebnissen seiner Vorgänger zurück: Der bisherige Vorsitzende Klaus Zwickel hatte stets um die 90 Prozent erhalten. Auch Huber schnitt schlechter ab als seine Vorgänger. Im gewerkschaftsinternen Machtgefüge gilt der neue Chef als "Traditionalist", der neue Vize als "Modernisierer". Der 53-jährige Huber will 2007 die Nachfolge von Peters antreten.

Peters kündigte in der Debatte weitere Proteste gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung an. Zugleich warnte er die Regierung davor, die Tarifautonomie einzuschränken. Auch Huber übte massive Kritik an der Agenda 2010.

Prägendes Thema des Gewerkschaftstags war die Aufarbeitung des gescheiterten Streiks für die 35-Stunden-Woche im Osten. In der Aussprache wiesen sich die verschiedenen Lager erneut gegenseitig die Schuld an dem Debakel zu. Der ostdeutsche Bezirksleiter Hasso Düvel, der den Streik geführt hatte, lehnte einen Rücktritt abermals ab.

FDP: Mit Peters die Chance auf Erneuerung verpasst

Reaktionen aus der Politik blieben am Sonntag rar. FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper sah mit der Wahl Peters die Chance auf eine Erneuerung verpasst. "Jürgen Peters hat sich als Betonkopf zur Wahl gestellt, und er ist als Betonkopf gewählt worden."

Der ehemalige Bundesarbeitsminister und Ex-IG Metall-Vize, Walter Riester, rief die Gewerkschaft zum Wandel auf. "Die Gewerkschaften stehen den geplanten Reformen größtenteils pauschal ablehnend gegenüber", sagte er. Riester, der Peters Vorgänger im Amt des Vize-Chefs war, forderte den neuen Vorsitzenden auf, differenzierter an die Reformdebatte heranzugehen. Besonders in der Frage der Arbeitsmarktreformen sei die Gewerkschaft gefordert und dürfe ihren Einfluss nicht verspielen.

Der neuen Führungsriege gehören neben Peters und Huber fünf weitere Mitglieder an. Als Hauptkassierer wurde Bertin Eichler mit 88,6 Prozent wiedergewählt.

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