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Kälte-Einbruch

Foto: Götz von Sternenfels 10 Bilder

Youngtimer-Besitzer träumen gern von exquisiten Extras wie Klimaanlagen. Eine Nachrüstung ist technisch problemlos möglich, kommt aber teuer.

13.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Kühle Köpfe galten lange als Luxus. Es dauerte bis in die neunziger Jahre, bevor sich die automobile Klimaanlage auf breiter Basis auch in Europa durchsetzen konnte. Dabei existierten erste Anlagen zum Senken unangenehm hoher Temperaturen bereits in den Fünfzigern.

Besonders die Amerikaner setzten schnell und mit Begeisterung auf den Luxus der neuen Ära. Es war jene Zeit, in der deutsche Hersteller mit dem Begriff Klimatisierungsanlage etwas ganz anderes meinten. Diesseits des Atlantiks ging es damals beim Klima im Auto allein um Wärme – selbst Heizungen waren hier zu Lande noch eine ausführliche Würdigung wert. Kleinwagenkäufer mussten sie oft sogar als Sonderzubehör gegen Aufpreis ordern.

Dieses transatlantische Klima-Gefälle hat durchaus technische Hintergründe. Denn die Kompressoren, die das Kühlmittel im System unter einen Druck von bis zu 30 bar setzen müssen, brauchen viel Kraft. Sie schlucken die Leistung eines kleinen Motorrads, und so taten sich die amerikanischen Hersteller leichter, die Kraft zehrenden Kältemaschinen einzusetzen. Die großvolumigen und PS-starken V8-Triebwerke ließen sich von Klimakompressoren kaum beeindrucken.

Leistungshunger

Heute können die Autobauer selbst relativ kleine Motoren mit Klimaanlagen ausliefern. Das liegt nicht nur an den modernen Kompressoren, die einen besseren Wirkungsgrad bieten als früher, sondern auch an der modernen Motorelektronik, die auf den plötzlichen Leistungshunger eines einsetzenden Kompressors entsprechend reagieren kann und die Kennlinie in Sekundenbruchteilen ändert.

Früher dagegen schaltete der Fahrer, sollte es beim Überholen schnell gehen, die Klimaanlage kurz aus. Und sportliche Piloten legten großen Wert darauf, auf die Kraft raubenden und schweren Klimaanlagen zu verzichten.

Das Bild hat sich gewandelt. Klimaanlagen gelten heute in den Youngtimern der siebziger Jahre als begehrtes Extra. Damals wurden sie wegen der hohen Aufpreise von bis zu 3000 Mark nur selten geordert, und so lockt die Möglichkeit einer Nachrüstung – wenn die benötigten Teile noch aufzutreiben sind.

"Teile werden in Gold aufgewogen"

"Selbst den 02er-BMW gab es mit Klimaanlage", sagt Georg Lutz, freier BMW-Spezialist in München. "Doch die Teile werden heute schon fast in Gold aufgewogen." Etwas einfacher ist hingegen die Suche nach originalen Bauteilen aus Fahrzeugen der 5er-, 6er- und 7er-Reihe. Ähnliches gilt für Mercedes-Typen der späten Siebziger und Achtziger.

Viele der benötigten Komponenten können die Hersteller heute nicht mehr neu liefern. So müssen passende Schlachtfahrzeuge gefunden, die Teile ausgebaut und überholt werden. Wichtig ist, dabei auf das Baujahr zu achten: Weil die Werks-Klimaanlagen in jener Zeit bereits auf hohem Niveau in die Fahrzeugtechnik integriert waren, kann der Einbau von Varianten aus anderen Baujahren mit Überraschungen enden.

Der Aufwand einer Nachrüstung wird oft unterschätzt, weiß Georg Lutz. Denn neben dem eigentlichen Klimagerät, dem Kompressor und dem Kondensator verlangt die Anlage auch nach einer funktionierenden Bedieneinheit und, wie im Fall des 6er-BMW, sogar nach einem anderen Heizgerät – oder einer Modifikation des Heizventils, das eine angepasste Steuerkurve benötigt. "Machbar ist es", sagt Lutz, "nur eben aufwändig." Einen Tipp gibt er Klimaanlagen-Besitzern auf den Weg: Um Versprödung der Dichtungen und Schläuche sowie Korrosion im System zu vermeiden, sollten sie die Anlage unbedingt regelmäßig kurz einschalten.

Tipps

Billig ist die Kälte auf Knopfdruck auch heute nicht: Für den nachträglichen Einbau einer integrierten, werksoriginalen Klimaanlage, wie hier am Beispiel eines BMW 633 CSI demonstriert, wurden rund 5800 Euro kalkuliert. Davon entfielen rund 1650 Euro auf noch lieferbare Neuteile, 1340 Euro auf gebrauchte Komponenten. Deren Überarbeitung und die Montage summierten sich auf 2700 Euro, das Befüllen samt Dichtigkeitsprüfung kamen auf 130 Euro.

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