Karmann-Abwicklung beendet: VW übernimmt letzte Sparte

Die Abwicklung des traditionsreichen Osnabrücker Cabrio-Bauers Karmann ist knapp zwei Jahre nach Insolvenzanmeldung abgeschlossen. Der letzte verbliebene Teil des Autozulieferers, die Metallgruppe, wurde zum Dienstag (1.3.) an Europas größten Autobauer Volkswagen übergeben.

Am späten Montagabend sei ein entsprechender Vertrag unterzeichnet worden, anschließend habe der Gläubigerausschuss den Deal abgesegnet, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann am Dienstagmorgen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

VW übernimmt Metallgruppe

In den stundenlangen Verhandlungen sei ein Gesamtpaket geschnürt worden: "Auch die Handhabung von Patentrechten und Markenrechten wurde geklärt", sagte der Sprecher. VW übernimmt 328 Beschäftigte der Metallgruppe. Ende November hatte die Gruppe noch 430 Mitarbeiter, davon wurden 102 gekündigt. Zur Metallgruppe gehören der Werkzeugbau, der Anlagenbau und die Pressarbeiten. Die Cabrio-Schmiede Karmann hatte im April 2009 Insolvenz angemeldet. VW übernahm große Teile des Traditionsunternehmens.
 
"Wir sind glücklich", sagte der Sprecher. "Es gibt eine Perspektive für den Automobilstandort Osnabrück." Bis Ende 2011 sollen nach VW-Angaben wieder 1.800 Menschen an dem Standort arbeiten. Der Autokonzern will in Osnabrück 300 Millionen Euro etwa für Fahrzeugentwicklungen, Produktinvestitionen und Anlaufkosten investieren.

Osnabrück baut das VW Golf Cabrio

Gebaut werden soll das Golf Cabrio. Gefertigt wird nach Angaben von VW derzeit die Vorserie, am Dienstag sollte der neue Wagen in Genf vorgestellt werden. Zudem wird die Konzerntochter Porsche dort die kleinen Sportwagen Boxster und Cayman fertigen lassen, wenn das Stammwerk in Zuffenhausen an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Wann genau dies beginnen werde, sei aber noch unklar, sagte ein VW-Sprecher. Karmann war früher Auftragsfertiger für Volkswagen.
 
Die Sparte Technische Entwicklung war bereits zum 1. Dezember an Volkswagen verkauft worden. Die verschiedenen Standorte der Dachsparte hatte Insolvenzverwalter Hermann an unterschiedliche Investoren verkauft. Der japanische Standort ging an Magna, die Werke in Mexiko und Nordamerika übernahm WebastoEdscha. Der finnische Autohersteller Valmet erwarb die Cabriodach-Produktion in Osnabrück und Polen.
 
Der Niedergang von Karmann begann, als das Unternehmen in den Sog der Krise in der Automobilindustrie geriet. Anfang 2009 beschäftigte die Gruppe noch 4.247 Mitarbeiter. Kurze Zeit später musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Die Fertigung des Mercedes-CLK lief im Sommer 2009 aus, Massenentlassungen waren die Folge. Viele der Kündigungen beschäftigen noch immer die Justiz.

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dpa/uba

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