Karmann schöpft Hoffnung

Für den angeschlagenen Autobauer Karmann in Osnabrück gibt es dem Betriebsrat zufolge Hoffnung auf einen Großauftrag.

Die Belegschaftsvertretung habe die Mitarbeiter am Dienstag (27.11.) per Aushang informiert, dass Karmann möglicherweise einen Auftrag für die Produktion eines Komplettfahrzeugs bekomme, teilte die IG Metall am Mittwoch mit und bestätigte damit mehrere Zeitungsberichte vom selben Tag. Der Auftrag könne die Beschäftigung im Osnabrücker Werk für fünf Jahre sichern.

Die Chance, den Zuschlag zu bekommen, werde vom Betriebsrat als realistisch angesehen, hieß es in dem Aushang. Der Betriebsrat habe daher auch eine für Donnerstag geplante Betriebsversammlung abgesagt.

Karmann-Sprecher Christian Eick wollte lediglich bestätigen, dass es in den vergangenen Monaten Gespräche mit mehreren
Automobilherstellern gab. "Das ist auch unser Job", sagte er. Zu Einzelheiten oder näheren Informationen wollten sich am Mittwoch weder Unternehmen noch Betriebsrat äußern. "Das würde sonst die Gespräche belasten", sagte Eick. Sollte es konkrete Ergebnisse geben, werde die Öffentlichkeit informiert.

Kia als Auftraggeber?

Gespräche zum Bau eines neuen Cabriolets des koreanischen Herstellers Kia hätten noch nicht zu Entscheidungen geführt, sagte
eine Kia-Sprecherin. Kia und Karmann hatten auf der IAA im September in Frankfurt gemeinsam eine Cabrio-Studie vorgestellt.

Anfang Oktober hatte der Autobauer angekündigt, mangels Aufträgen 1.770 seiner 5.000 Stellen an den Standorten Osnabrück und Rheine streichen zu wollen. Sollte die Auftragsflaute im kommenden Jahr anhalten, sind nach früheren Angaben der Firma weitere 800 Arbeitsplätze gefährdet.

Porsche: Weiter gespanntes Verhältnis

Unterdessen räumte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der auch bei VW im Aufsichtsrat sitzt, ein angespanntes Verhältnis zu Karmann ein. "Die Atmosphäre ist nicht toll", sagte Wiedeking auf der Bilanz-Pressekonferenz des Sportwagenbauers in Stuttgart. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte Porsche und Karmann Anfang des Monats in einem Zeitungsinterview aufgefordert, "atmosphärische Störungen" zu beseitigen.

Wulff setzt sich seit langem dafür ein, dass Volkswagen Aufträge an Karmann vergibt. Medienberichten zufolge sollen die Pläne vor allem bei Wiedeking, der den Großaktionär Porsche im VW-Aufsichtsrat vertritt, auf Widerstand stoßen. Grund soll ein Rechtsstreit zwischen beiden Unternehmen wegen eines angeblichen Ideenklaus beim Porsche-Modell Boxster sein. Ein Porsche-Sprecher sagte dagegen, die Entscheidung über den Bau einzelner Modelle treffe auch bei VW nicht der Aufsichtsrat, sondern der Vorstand. Karmann hatte das Verhältnis zu Porsche Anfang des Monats als "gut und unbelastet" bezeichnet.

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dpa

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