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Kaufberatung Renault Twingo, Clio und Captur

Welchen Kleinwagen nehmen?

Renault Twingo TCe 90, Frontansicht Foto: Renault 3 Bilder

4.100 Euro liegen zwischen dem Renault Twingo und dem Renault Captur. Dazwischen zwängt sich noch der Renault Clio. Lohnen sich die Teuren? Sebastian Renz rät zu Extremismus.

19.08.2015 Sebastian Renz

Im Fall von Renault hätten das schon vor über 40 Jahren die geschätzten Kollegen Westrup, Hack oder Reuter klären können. Denn bereits damals erlaubte sich Renault eine erstaunliche Unübersichtlichkeit im Kleinwagen-Portfolio. 14 Jahre lang rangelten sich R4, R5 und R6 um dieselbe Zielgruppe, unterschieden sich technisch und konzeptionell viel unerheblicher als im Design.

Auch heute bietet Renault drei Kleinwagen an: Twingo, Clio und Captur. Während der Renault Twingo sich in Generation drei komplett neu erfand, nun mit Heckmotor antritt, basiert der Captur auf der Plattform des Clio, ist aber erheblich teurer. Bei vergleichbarer Ausstattung kostet der Renault Captur TCe 90 Dynamique 2.300 Euro mehr als der Renault Clio TCe 90 Dynamique. Um an den Ausstattungsreichtum von Clio und Captur heranzukommen, muss es beim Renault Twingo das Topmodell TCe 90 Luxe sein, das mit 13.590 Euro in der Liste steht – mit 1.800 Euro weniger als der Clio.

Der Renault Twingo: Talentierter Viersitzer

In allen drei trommelt der 898 Kubik kleine Dreizylinder-Turbobenzin-Direkteinspritzer los. Wie erheblich die Unterschiede zwischen den Modellen sind, zeigt sich schon daran, dass dieses Maschinchen für den Renault Captur die Basis-, für den Twingo aber die Topmotorisierung darstellt. Wobei der temperamentvolle Turbo im Renault Twingo seine Talente verheckschleudert. Denn der kleinste Renault meidet die große Reise, ja das Land sogar schon, herrscht aber in der Stadt. Mit seinem Wendekreis von 8,9 Metern könnte er in zwei Zügen in einer Doppelgarage wenden, und da er so schmal ist, wetzt er locker durch enge Gassen. Der Renault Twingo isofixiert leicht drei Kindersitze (zwei hinten, einen auf dem Beifahrerplatz). Dazu bekommt auch hier jeder Passagier eine eigene Tür, eine kleine nur, die aber weit öffnet. Wenngleich es mit der Variabilität nicht mehr so weit her ist wie bisher, lässt sich die Rücksitzlehne doch in einer steileren Cargo-Stellung arretieren oder wie die Beifahrersitzlehne komplett umklappen. Es gibt derzeit keinen talentierteren Viersitzer für verwinkelte Altstädte, 30er-Zonen oder enge Tiefgaragen.

Für große Touren fehlt es dann aber an Komfort, und schon sachte Seitenlüftchen pusten den Renault Twingo auf der Autobahn von der Spur. Handling? Nein. Aber er hat doch Heckantrieb! Ja, aber auch eine teilnahmslose Lenkung und ein hysterisches ESP.

Der Renault Clio: Kompetent, günstig und temperamentvoll

Da wirkt der Renault Clio eine ganze Klasse erwachsener. Heute München–Hamburg, morgen zurück? Na klar, aber lass uns im Harz ein paar verwinkelte Landsträßchen mitnehmen. Von den dreien kurvt der Renault Clio am beherztesten durch Biegungen, nicht mit viel mehr Präzision oder Rückmeldung in der Lenkung als die anderen, aber genügend für vergnügliche Landpartien. Dazu federt er ordentlich, schafft das höchste Tempo und hat vorn erheblich mehr Platz als der Renault Twingo. Im Fond dagegen bietet der Renault Clio kaum mehr Raum, und das Ladeabteil ist zwar größer, doch stören die Innen- und Außenkante sowie die hohe Stufe bei geklappter Lehne. Auch die schlechte Rundumsicht ist in der Stadt hinderlich.

Dennoch ist der Renault Clio ein kompetenter, günstiger und temperamentvoller Kleinwagen – aber eben ein konventioneller. Renault Twingo und Renault Captur sind nicht so allgemeinverträglich, dafür zweckoptimierter.

Der Renault Captur: Alles, was du willst

Vielleicht ist der Renault Captur derzeit sogar der echteste aller Renault. Keine andere Firma könnte ihn erdacht haben – mit der großen Schublade, die das Handschuhfach ersetzt und gern gegen Beifahrerknie scheppert. Oder mit Sitzbezügen mit Reißverschluss, die sich zum Waschen abzippen lassen. Wer Kinder hat, weiß, wie clever das ist. Dazu sieht er aus wie ein kleiner SUV, bewahrt aber Ideen des Modus (* 2004, † 2012), des verkanntesten aller Autogenies, hat eine verschiebbare Rückbank, drei Isofix-Anker, den Zwischenboden im Kofferraum, mit der erhöhten Sitzposition die beste Rundumsicht und als Längster/Höchster/Breitester am meisten Platz für Passagiere und Gepäck. Gar so eilig geht es hier nicht voran mit dem Dreizylinder, der 225 kg mehr in Schwung zu bringen hat als im Renault Twingo. So muss er sich anstrengen, verbraucht aber kaum mehr. Handling? Och, reden wir lieber darüber, dass der Renault Captur am bekömmlichsten federt.

Weniger Geld für mehr Wert

Schaut aus, als wäre es Zeit zum Schlussfolgern. Für alle, die vor allem in der Stadt fahren: Renault Twingo mit dem 1.000 Euro günstigeren 71-PS-Benziner. Für alle, die mehr vorhaben: An Ausstattung sparen und gleich den Basis-Captur mit Klima und Radio nehmen, für 16.780 Euro. Teuer für einen Kleinwagen? Schon, aber der Renault Captur kostet im Unterhalt pro Monat nur drei Euro mehr als der Renault Clio. Wenig Geld für viel mehr Wert.

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