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Keine rasche Einigung bei Opel in Sicht

Foto: dpa

Die Verhandlungen bei Opel über das drastische Sparprogramm und massive Stellenstreichungen werden sich nach Ansicht des Betriebsrates noch lange hinziehen.

08.11.2004

Auf erneute Warnstreiks wollen die Arbeitnehmer aber verzichten. "Von Warnstreiks kann keine Rede sein", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates Klaus Franz und dementierte Zeitungsberichte. Im Oktober hatte das Opel-Werk in Bochum fast eine Woche lang die Arbeit niedergelegt. Nach Informationen der "Automobilwoche" sind Werksschließungen inzwischen vom Tisch. Auch der Stellenabbau werde demnach moderater ausfallen als geplant. Ein Konzernsprecher wollte dies nicht kommentieren, und auch der Betriebsrat hat davon nach eigenen Angaben keine Kenntnis.

Keine Einigung innerhalb der nächsten zwei Wochen

Zu den laufenden Verhandlungen sagte Franz der "Welt am Sonntag": "Ich gehe davon aus, dass wir auf gar keinen Fall innerhalb der nächsten zwei Wochen fertig sein werden. Dafür ist das Verhandlungspaket zu kompliziert." Management und Betriebsrat verhandeln seit zwei Wochen über das Sanierungspaket des Mutterkonzern General Motors (GM), der mit 10.000 Stellen rund ein Drittel der Arbeitsplätze bei Opel streichen will. Die Gespräche verliefen konstruktiv, hatten beide Seiten übereinstimmend erklärt. Kernpunkt der Verhandlungen ist die Forderung der Arbeitnehmer, auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Das Management hatte einen sozialverträglichen Personalabbau zugesichert.

Die Arbeitnehmervertreter haben für das Stammwerk in Rüsselsheim bereits Zugeständnisse gemacht. Sie bieten an, das derzeitige Arbeitszeitkorridor-Modell im Werk Rüsselsheim von 32 bis 38,75 Stunden auf 30 bis 40 Stunden pro Woche zu erweitern und gegebenenfalls auf andere Standorte auszudehnen. Außerdem sind sie zu Zugeständnissen bei den übertariflichen Leistungen bereit. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Produktion der GM-Mittelklasse nach Rüsselsheim komme, sagte Franz. GM will darüber nach den bisherigen Angaben erst Anfang 2005 entscheiden.

Nach einem Bericht der Fachzeitschrift "Automobilwoche" führen die Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite dazu, dass der Stellenabbau geringer ausfallen werde als zunächst angenommen. Der Konzern plant, bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall bis zu 12.000 von 63.000 Arbeitsplätzen zu streichen und die Fertigung der Mittelklasse (Opel Vectra, Saab 9-3) künftig entweder in Rüsselsheim oder im schwedischen Saab-Werk Trollhättan anzusiedeln. Die Arbeitnehmer fordern den Erhalt aller Werke und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

GM-Europa-Chef Fritz Henderson habe in einem Brief die Mitarbeiter aufgefordert, um "jeden Zehntelprozentpunkt Marktanteil" zu kämpfen, berichtet die Fachzeitschrift. Für den neuen Kombi Astra Caravan lägen bereits mehr als 26.000 Bestellungen vor. Seit Jahresbeginn habe GM die Verkäufe in Europa um insgesamt 30.000 Einheiten oder 2,4 Prozent gesteigert, während der Markt um 2,3 Prozent gewachsen sei. Der Autokonzern schreibt in Europa seit Jahren hohe Verluste. Der Betriebsrat hatte dem GM-Management mehrfach vorgeworfen, die eigenen Marken schlecht zu reden.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass das GM-Management ebenfalls seinen Beitrag zur Sparrunde leistet. Das habe auch einen symbolischen Charakter, sagte Franz. Bei dem ebenfalls unter Kostendruck stehenden Konkurrenten VW hatte der Vorstand angekündigt, ebenso wie die Belegschaft mehr als zwei Jahre lang auf Gehaltserhöhungen zu verzichten.

Franz lobte die Zusammenarbeit mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). "Wir stehen in engem Kontakt - ein ganz hervorragender kurzer Draht", sagte der Betriebsrat. Dies gelte auch für die Verbindung ins Kanzleramt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich trotz Zusagen der schwedischen Regierung zuversichtlich, dass Rüsselsheim im Wettkampf der Standorte die Nase vorn hat. "In Schweden können gar nicht so viele Straßen gebaut werden, dass Trollhättan so zentral liegt wie Rüsselsheim", sagte Koch der Zeitung.

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