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Kfz-Versicherung

Klassen-Gesellschaft

Die Wahl der richtigen Versicherung hilft Autofahrern, leicht mehrere Hundert Euro im Jahr zu sparen. Dazu muss man sich allerdings durch den Tarif-Wirrwarr kämpfen.

17.01.2008

Die Kombination muss stimmen, gerade wenn man eine günstigere Autoversicherung abschließen möchte. Denn allein in der Kfz-Haftpflichtversicherung existieren 16 Typklassen, in der Vollkasko 25 und in der Teilkasko mit 24 kaum weniger. Dazu gesellen sich 29 Schadenfreiheitsklassen plus mehrere Hundert Regionalklassen. Sie alle haben entscheidenden Einfluss auf die Höhe des Betrags, den die Kunden alljährlich für die Fahrzeugversicherung bezahlen müssen.

Zum 1. Oktober werden die Karten jährlich neu gemischt. Zu diesem Datum werden die Typklassen der rund 18 000 auf dem Markt befindlichen Modelle durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) angepasst. Fällt ein bestimmtes Auto durch eine besonders hohe Schadenshäufigkeit auf, dann werden die Typklassen entsprechend angehoben – und die Besitzer dieses Modells müssen zukünftig bei der Versicherungsprämie tiefer in die Tasche greifen. Zeigt sich die Schadensbilanz entsprechend positiv, werden die Typklassen gesenkt. Betroffen davon sind sowohl die obligatorische Haftpflicht als auch die Teilkasko- und Vollkaskoversicherung.

Allerdings nicht alle. In der Kfz-Haftpflichtversicherung erwartet im kommenden Jahr 70 Prozent aller Autofahrer eine andere Typklasse. Grund für dieses hohe Umstu- fungsvolumen ist die Tatsache, dass in diesem Jahr neue Risikomerkmale berücksichtigt werden. In den aktuellen Typklassenstatistiken finden jetzt auch die Merkmale „Wohneigentum“, „Fahrzeugalter bei Erwerb“, „Nutzerkreis“ und „Nutzeralter“ ihren Niederschlag. Im Klartext bedeutet dies: Ein älterer Autofahrer kommt unter Umständen mit seinem älteren Fahrzeug besser weg als bisher.

„Wir wollen mit diesen neuen Merkmalen für mehr Gerechtigkeit in den Tarifen sorgen“, erklärt GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar. Unterschiede im Risikoverhalten sollen nach Auffassung des Verbands mit den neuen Merkmalen noch genauer als bisher abgebildet werden – ohne dass es zu Preiserhöhungen kommt. Denn die Prämieneinnahmen der Versicherer, heißt es, würden sich nicht ändern. Und: Durch die neuen Risikomerkmale werden nach Auffassung des GDV in den nächsten Jahren deutlich weniger Umstufungen erwartet als bisher.

Zusätzlich zu den Typklassen werden alljährlich auch die Regionalklassen angepasst. Dabei wird berücksichtigt, welche Regionen durch besonders hohe oder niedrige Schadensquoten ihrer Auto fahrenden Einwohner auffallen. In diesem Jahr gibt es dort nur geringfügige Veränderungen, doch die Unterschiede bleiben markant. Mit gut 63 Prozent der bisher 445 Zulassungsbezirke verbleiben die meisten Autos in der gleichen Haftpflicht-Regionalklasse. Der aktuell günstigste Zulassungsbezirk ist mit einem Indexwert von 75,7 (bundesweiter Durchschnitt: 100) der brandenburgische Kreis Oberspreewald-Lausitz.

Wie im Vorjahr bildet der Landkreis Kaufbeuren mit einem Indexwert von 125,6 das Schlusslicht der Statistik. In der Vollkaskoversicherung fährt man am günstigsten im Landkreis Friesland (75,3), den höchsten Wert hat der Landkreis Ostallgäu (129,9). In der Teilkasko reicht der Index von 55,9 in Würzburg bis zu gewaltigen 230,9 im Kreis Uecker-Randow. Manchem Versicherer gehen die Regionalklassen indes nicht weit genug. Schon im vergangenen Jahr hat der Direktversicherer DA-Direkt begonnen, die Prämien unter Berücksichtigung der Postleitzahlen zu berechnen.

Die neuen Typklassen gelten zwar schon ab dem 1. Oktober, doch die höheren – oder niedrigeren – Versicherungsprämien bekommen die Kunden meist erst zum Beginn des neuen Jahres zu spüren: Die Versicherungsverträge sind in der Regel an das Kalenderjahr gekoppelt. Diese zeitliche Verzögerung bietet eine günstige Gelegenheit, den alten Vertrag zu kündigen und zu einer anderen, womöglich billigeren Versicherung zu wechseln.

Die Chancen dazu stehen gut, denn der Konkurrenzkampf unter den Assekuranzen hat die Preise gehörig unter Druck gesetzt. Hinzu kommt, dass die Autohersteller die Kunden ebenfalls mit Versicherungsangeboten ködern. Sie wollen mit einem Komplettpaket aus Finanzierung und Versicherung punkten. Bei Mercedes wird bei der Autoversicherung „Plus“ eine Reduzierung der Selbstbeteiligung um 50 Prozent (maximal 500 Euro) gewährt, wenn ein Kasko-Schaden bei einer Markenwerkstatt behoben wird. Auch Ford bietet diese Option an, beschränkt sie aber auf maximal 250 Euro. Dafür kann man den neuen Mondeo drei Monate kostenlos versichern.

Da angesichts des schwächelnden Automarkts der Fahrzeugbestand in Deutschland nicht steigt, können die Versicherungsgesellschaften nur Marktanteile gewinnen, indem sie der Konkurrenz Kunden abjagen. Dabei bedienen sie sich zahlreicher Stellräder. Während sich die Haftpflichtversicherung früher vor allem an der PS-Stärke des Autos und an der Regionalklasse orientierte, gibt es heute eine Fülle so genannter weicher Tarifierungsmerkmale, mit denen sich die absoluten Prämien gestalten lassen. Dazu gehört beispielsweise, welchen Beruf der Autohalter ausübt, ob er das Auto nur selbst fährt oder sich auch andere Familienmitglieder hinter das Steuer setzen, ob der Wagen in der Garage geparkt wird oder man nur eine begrenzte Zahl an Kilometern pro Jahr abspult.

Damit wird der Versicherungsvertrag und somit auch die zu zahlende Prämie zu einem Spiel mit zahlreichen Unbekannten. Bei der Orientierung helfen Dienstleister im Internet. So hat beispielsweise der Augsburger Marktbeobachter aspect-online.de die Tarife von über 70 Anbietern in seiner Datenbank gelistet. Vom heimischen Schreibtisch aus kann so jeder Autofahrer online Tarife miteinander vergleichen – mit gehörigem Sparpotenzial. „Preisunterschiede von einigen Hundert Euro zwischen den günstigsten und teuersten Angeboten sind keine Seltenheit“, erklärt Wolfgang Schütz, Vorstandsmitglied der Aspect Online AG.

Wer die Gesellschaft wechseln will, muss bis spätestens 30. November seinen Vertrag kündigen. Bevor man diesen Schritt unternimmt, sollte man sich aber von der neuen Versicherung ein verbindliches Angebot einholen. Eine vorschnelle Kündigung kann dann zum Eigentor werden, wenn der Wagen auch teilkasko- oder vollkaskoversichert sein soll. Diese optionale Leistung kann durch die Assekuranz nämlich abgelehnt werden, wenn von Fahrzeugtyp oder Fahrer ein zu großes Risiko erwartet wird. Lediglich die Haftpflichtversicherung muss einem neuen Kunden vorbehaltlos gewährt werden.

Bei der Wahl einer neuen Versicherung sollte indes nicht allein der Preis für die Police entscheidend sein. Insbesondere die in jüngerer Zeit verstärkt in den Markt gekommenen Billigtarife bieten nur auf den ersten Blick einen echten Kostenvorteil. Nicht selten werden im Vergleich zu konventionellen Tarifen die Leistungen eingeschränkt. Dazu gehört beispielsweise, anstelle der üblichen Deckungssumme in der Haftpflichtversicherung von 100 Millionen nur 50 Millionen Euro zu gewähren.

Kritisch kann es auch in der Kaskoversicherung sein, wenn im Schadensfall keine Entschädigung des Neuwerts erfolgt. Bei Diebstahl oder Totalschaden bekommt der Kunde oft nur in den ersten sechs Monaten nach der Erstzulassung den Schaden voll bezahlt. Viele Assekuranzen gewähren allerdings zwölf oder 24 Monate Schutz. Dazu kommt, dass bei den Spar-Tarifen die Verträge via Internet und ohne persönliche Beratung durch einen Mitarbeiter der Assekuranz abgeschlossen werden müssen. Bestenfalls besteht eine telefonische Hotline.

Ein weiterer Faktor für die Kostenkalkulation stellt die Schadenfreiheitsklasse (SF) dar. Mit ihr wird berücksichtigt, wenn ein Autofahrer über mehrere Jahre keine Schäden verur-sacht – er rückt dann schrittweise in eine niedrigere SF-Klasse und zahlt entsprechend geringere Prämien. Verschuldet er einen Unfall, wird er im folgenden Jahr zurückgestuft. Für die Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt ist nicht die Höhe der Schäden, sondern die Zahl der Unfälle entscheidend.

Mehrere kleine Unfälle ergeben also einen höheren Rabattverlust als ein teurer Schaden. Autofahrer, die in diesem Jahr zwei oder mehr Schäden verursachten, sollten sich daher vom Versicherer ausrechnen lassen, was für sie günstiger ist: entweder alle Schäden zu melden, nur den teuersten Schaden zu melden und den billigeren selbst zu bezahlen oder alle selbst zu bezahlen. Diese Entscheidung kann auch getroffen werden, nachdem ein Schaden reguliert wurde.

Manche Assekuranzen bieten einen Rabattretter. Der Autofahrer darf sich damit einen Ausrutscher erlauben – ohne Rückstufung in eine teurere SF-Klasse. Die großen Versicherer gewähren den Rabattretter nach 25 schadenfreien Jahren – den Bonus hat sich ein unfallfreier Autofahrer dann aber auch wirklich verdient.

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