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Kia-Designchef Peter Schreyer

"Wir haben große Schritte gemacht“

Peter Schreyer, Porträt Foto: Archiv 26 Bilder

Unter dem deutschen Designchef Peter Schreyer hat die Marke Kia große stilistische Fortschritte gemacht. Auf der IAA in Frankfurt wird die nächste Stufe gezündet: ein viertüriges Coupé, das direkt auf den A5 von Schreyers Ex-Arbeitgeber Audi zielen könnte.

22.09.2011 Bernd Ostmann, Birgit Priemer
Ist die neue Kia-Studie ein reines Showcar, oder hegen Sie ernsthafte Absichten, ein viertüriges Coupé zu bauen?

Schreyer: Es ist zunächst einmal ein reines Showcar, aber es hat eine realistische Basis. Wir nutzen hier die Heckantriebsplattform von Hyundai und präsentieren ein Auto, das mit 4,70 Meter Länge deutlich kürzer und mit einer Höhe von 1,35 Metern vor allem flacher als der Optima ist. Dafür haben wir den Radstand um fast zehn Zentimeter gestreckt, wodurch sich eine ganz andere Seitenlinie ergibt. Und die Fondpassagiere haben auf den stark konturierten Rücksitzen viel Platz.

Es wird von Kia also kein Modell mit gegenläufig öffnenden Türen geben, wie sie die Studie zeigt?

Schreyer: Nein, die wird es nicht geben. Das bleibt in der Tat der Studie vorbehalten. Der Aufwand wäre einfach zu hoch. Wichtig sind uns bei diesem Modell in erster Linie klassische Proportionen, die sich auch durch den Heckantrieb ergeben.

Kia GT 1:01 Min.
Sie haben eine ungewöhnliche Einfassung der seitlichen Fensterlinie gewählt. Warum?

Schreyer: Wir versuchen, außergewöhnliche Effekte zu erzielen, und haben eine kupferfarbene Einfassung gewählt. Dadurch entsteht auch der Eindruck einer gewissen Patina. Diese Farbe setzt sich im Innenraum fort.

Welches Antriebskonzept kommt beim viertürigen Coupé zum Einsatz?

Schreyer: Das Showcar verfügt über einen aufgeladenen V6-Benziner mit Direkteinspritzung und 395 PS.

Wo haben Sie die Studie entworfen? In Deutschland oder in Korea?

Schreyer: Hier in Frankfurt. Wir haben hier mehr als zehn Nationen von Designern beieinander – darunter natürlich auch einen Koreaner.

Wenn Sie als deutscher Designer bei einer koreanischen Marke Modelle kreieren, wie stark dürfen Sie sich da von Ihren europäischen Wurzeln beeinflussen lassen, und wie stark müssen Sie den Rest der Welt vor Augen haben?

Schreyer: Es ist wichtig, viel zu reisen, um ein Gefühl zu entwickeln, was in den USA, Asien oder Europa passiert. Seine eigene Autokultur kann man allerdings nie verleugnen, und deshalb dürfen meine Autos durchaus einen europäischen Touch haben.

Orientiert sich Kia immer stärker in Richtung Premium?

Schreyer: Man muss zunächst schauen, woher Kia überhaupt kommt. Wir haben in letzter Zeit sicher einige große Schritte gemacht – und der Hinterradantrieb ist ein weiteres starkes Signal. Wir sind auf dem Weg, aber wir sind sicher noch nicht angekommen. Außerdem müssen wir uns auch die Frage stellen, ob es Sinn macht, aus Kia einen Premiumhersteller zu formen, oder ob nicht die goldene Mitte besser ist. Ich versuche es immer mit Ikea zu vergleichen: Da gibt es Möbel mit einer gewissen Qualität, die auch über ein gutes Design verfügen. Aber wir reden hier nicht gleich über den High-End-Bereich.

Auf welchen Konkurrenten zielen Sie in Europa mit dieser Studie?

Schreyer: Da haben wir einen VW Passat CC oder Audi A5 in der Tat vor Augen.

Ihre Studie zeigt kaum noch Chrom. Ist das ein neuer Trend hin zu anderen Materialien?

Schreyer: Chrom wird es immer geben, weil es ein wichtiges Hilfsmittel ist, um Linien stärker zu betonen. Aber man kann es anders einsetzen, zum Beispiel poliert oder in Kombination mit Kohlefaser. Da gibt es noch viele Möglichkeiten. Ich versuche gerne, Dinge umzukehren. Wenn alle in eine Richtung laufen, mache ich das Gegenteil, um auszuprobieren, wo man da herauskommt.

Auch der Innenraum wird von sehr reduzierten Formen geprägt. Was war da Ihre Intention?

Schreyer: Eine Zeitlang waren die Interieurs in der Tat vollkommen überladen. Ich würde gerne insgesamt versuchen, alles möglichst zu reduzieren – obwohl man natürlich nicht alles auf einen Knopf reduzieren kann. Im Cockpit haben wir drei Infoebenen hintereinandergelegt, dadurch ergibt sich ein dreidimensionaler Effekt.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie im Interieur?

Schreyer: Wir arbeiten mit einem speziellen Kunstleder mit PVC-Beschichtung, dessen Farbton man durch Reiben verändern kann. Dadurch bekommt man einen schönen Glanz. Mit einem silbergrauen Farbton setzen wir ein besonderes Highlight.

Welche Rolle spielt bei Kia der Umweltgedanke im Design?

Schreyer: Den haben wir auf jeden Fall im Hinterkopf. Wir wachsen alle mit dieser Situation auf. Die Entwicklung von Hybriden, Brennstoffzellen- und Elektroautos wird stark vorangetrieben. Bei uns wird es ein E-Auto mit einem sehr eigenständigen Design geben. Unsere Studie POP hat schon gezeigt, was es da für Möglichkeiten gibt.

Mercedes setzt zur Zeit extrem auf die Verbesserung der Aerodynamik. Ist das auch für Kia ein wichtiges Thema?

Schreyer: Das spielt auch bei uns eine große Rolle, mit der Studie zeigen wir zum Beispiel spezielle Finnen zur Verbesserung der Aerodynamik. Aber mittlerweile ist auf diesem Gebiet bereits ein Niveau erreicht worden, das nur noch schwer zu unterbieten ist. Das ist ein bisschen wie bei einem 100-Meter-Läufer, der sich irgendwann auch nur noch in ganz kleinen Schritten verbessern kann.

Gibt es für Sie wichtige Vorbilder im Design?

Schreyer: Ich finde, es gibt im Moment viele gute Autos. Es gibt mit neuen Technologien neue Möglichkeiten, schöne Autos zu machen. Früher war alles langsamer, überlegen Sie, wie lange es alleine gedauert hat, die Autos von 13 auf 14 Zoll umzustellen. Und jetzt sind wir schon bei 20 oder sogar 21 Zoll, wie bei unserem Showcar. Ich schaue auch immer, was außerhalb des Auto-Designs passiert. Es ist für mich wichtig, mich beispielsweise mit Möbeldesign oder Architektur zu beschäftigen.

Hier in Ihrer Europa-Zentrale finden sich viele Apple-Produkte. Wie wichtig ist der Einfluss dieses Unternehmens auf Design?

Schreyer: Apple ist für alle ein Vorbild, ein tolles Unternehmen mit tollen Produkten. Viele sagen, das sei eine Design-Marke, aber das stimmt nicht. Da gibt es bemerkenswerte Technologien, die einem das Leben erleichtern und durch ihre faszinierende Einfachkeit in der Bedienung überzeugen.

Was halten Sie von der BMW-Idee, mit dem i eine ganz neue Umweltmarke zu gründen?

Schreyer: Ich finde es wirklich toll, dass sie nicht einfach einen 1er nehmen und daraus ein Elektroauto machen. Und mich beeindruckt auch, dass sie von der Formensprache einen durchaus ungewöhnlichen Weg gehen.

Auch dort wird viel mit neuen Materialien experimentiert, die aus nachwachsenden Rohstoffen sind. Ist das ein neuer Trend?

Schreyer: Es ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema. Es gibt auch in den Design-Studiengängen der Universitäten Projekte, die sich ausschließlich mit der Verwendung neuartiger Materialien beschäftigen.

Zeichnen Sie eigentlich noch selbst?

Schreyer: Ja, allein schon deshalb, weil man mit einem Bleistift in der Hand anders denken kann als ohne. Manchmal ist es vielleicht nur ein verrückter Gedanke, aber selbst der bringt einen hin und wieder zu ganz neuen Ansätzen.

Wo kommen Ihnen die besten Ideen?

Schreyer: Ein Designer hat seinen Radar immer an, egal, ob man sich auf einer Reise befindet oder sich ein interessantes Gebäude oder eine Kunstausstellung anschaut.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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