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Klassiker im Winter

Fahrspaß im Winter

VW Käfer, Winterlandschaft Foto: Archiv 9 Bilder

Dass ein Klassiker am Ende eines jeden Sommers in die Garage verbannt werden muss, ist keineswegs eine eherne Regel. Wer rechtzeitig die richtigen Maßnahmen trifft, kann sich auch in den kälteren Monaten auf die Piste wagen.

11.12.2012 Klaus Finkenburg Powered by

Einer Umfrage zufolge, die das Online-Magazin von Volkswagen Classic im Winter 2011/2012 unter seinen Lesern durchgeführt hat, befürworten es 52 Prozent der Old- und Youngtimerbesitzer, einen Klassiker auch bei winterlichen Straßenbedingungen zu nutzen.

"Die Autos sind zum Fahren da - auch im Winter"

Und selbst viele derer, die eher geneigt sind, jeglichen Kontakt mit Schnee und Feuchtigkeit zu vermeiden, dürften in den letzten Jahren mitunter ins Grübeln gekommen sein: Die Sommer werden schließlich, zumindest gefühlt, immer wechselhafter, die Winter hingegen zunehmend milder.

Die Versuchung ist also groß, sich das alljährliche Stilllegungs- und Wiederbelebungs-Prozedere zu sparen, weshalb der Klassiker auch für Touren an sonnige Novemberwochenenden oder gar zur Neujahrsausfahrt zur Verfügung steht. Porsche-Spezialist Ingo Stimming aus Bad Segeberg: "Die Autos sind schließlich zum Fahren da. Wir haben Kunden, die ihren 911er als Ganzjahresfahrzeug nutzen. Wichtig ist es nur, das Fahrzeug frühzeitig entsprechend zu präparieren."

Durch die richtigen Maßnahmen verlieren plötzliche Wetterumschwünge und Salz auf den Straßen den Schrecken, den sie ansonsten verbreiten. Dass sich das Einmotten kaum aufwendiger gestaltet als das Fitmachen für den Winter, erleichtert die Entscheidung zusätzlich.

Wintereinsatz gut vorbereiten

Ein Thema, um das sich jeder winterfeste Klassikerbesitzer früh kümmern sollte, ist die Beschaffung geeigneter Reifen. Zwar schreibt die Straßenverkehrsordnung die Benutzung von Winterreifen nicht zwingend vor. An einem sonnigen und trockenen Januarwochenende mit Sommerreifen unterwegs zu sein, ist also nicht verboten. Sollte es jedoch bei winterlichen Straßenverhältnissen zu einem Unfall kommen, der mit einer geeigneten Bereifung vermeidbar gewesen wäre, kann dem Fahrer zumindest eine Teilschuld zugesprochen werden - es droht ein juristisches Scharmützel, das leicht hätte vermieden werden können.

Wer ein Fahrzeug mit ungewöhnlicher Reifengröße besitzt, sollte vorab in Erfahrung bringen, welche Alternativgrößen sich nutzen lassen. Kfz-Prüfstellen oder die Werkstatt des Vertrauens können hier meist schnell weiterhelfen. Wichtig ist es, bei der Anschaffung auf das Alter der Reifen zu achten. Erkennbar ist es an der so genannten DOT-Nummer, die auf der Flanke des Reifens zu finden ist. Bei Reifen ab Herstellungsjahr 2000 endet diese Zahlen- und Buchstabenreihe mit einer vierstelligen Zahl, deren erstes Ziffernpaar für die Herstellungswoche, das zweite für das Herstellungsjahr steht, also zum Beispiel 2608 für die 26. Kalenderwoche 2008. Automobilclubs empfehlen, keine Reifen zu benutzen, die älter als sechs Jahre sind.

Risiko alte Winterreifen

Huber Meyer, 2CV-Spezialist aus Pforzheim, rät dazu, entsprechende Richtwerte ernst zu nehmen: "Besonders gefährlich an überalterten Winterreifen ist, dass sie praktisch überhaupt keinen Nassgrip mehr aufweisen. Auch ausgesprochene Billigangebote schlagen sich bei Matsch und Feuchtigkeit oft sehr schlecht." Meyer empfiehlt daher, besser ein paar Euro mehr in Markenreifen zu investieren. Er rät zudem, sich mit dem durch die Umbereifung veränderten Fahrverhalten des Autos vertraut zu machen: "Gerade die Generation der durch ABS und andere Assistenzsysteme verwöhnten Fahrer hat oft kaum noch eine Ahnung, wie sich ein Klassiker in Extremsituationen, zum Beispiel bei einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn, verhält."

Ist das Reifenproblem gelöst, geht es an den wichtigsten Teil der Winterkur, die Rostvorsorge. Wenn der letzte Auffrischungstermin schon eine Weile zurückliegt oder gar unbekannt ist, sollten auf jeden Fall die Hohlräume inspiziert und die Versiegelung gegebenenfalls erneuert werden. Um Lack und Unterbodenschutz kontrollieren zu können, muss das Fahrzeug zunächst gründlich gewaschen werden. Dazu gehört es auch, den Unterboden zu reinigen. Ratsam ist es, lediglich eine Handwäsche durchzuführen und dabei möglichst sparsam mit Wasser umzugehen, weil das Auto vor Beginn der nachfolgenden Arbeiten absolut trocken sein muss.

Auf intakte Unterbodenversiehgelung achten

Nun wird, am besten auf einer Hebebühne und bei guter Beleuchtung, der Korrosionsschutz der Bodenbleche und -träger überprüft. Ist die Unterbodenversiegelung ohnehin schon einige Jahre alt, ist es im Zweifelsfall besser, sie komplett aufzufrischen. Ansonsten reicht es, schadhafte Stellen auszubessern. Zuvor müssen alle vorhandenen Roststellen abgeschliffen und mit Rostschutzgrundierung behandelt werden. Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen unbedingt ausreichende Trocknungszeiten einplanen. Wer einen Unterbodenschutz auf Bitumenbasis verwendet, sollte sorgfältig nach Beulen und Rissen Ausschau halten, die nach einigen Jahren durch Aussprödungsprozesse entstehen. Darunter blüht gerne frischer Rost.

Edgar Blepp, Inhaber von Blepp's Volvo-Garage und langjähriger Teilnehmer an Winterrallyes, rät daher eher zu Versiegelungen auf Fett- oder Wachsbasis. "Diese sind zwar mechanisch empfindlicher und Fette zudem komplizierter zu verarbeiten. Jedoch können Beschädigungen und frischer Rost wesentlich leichter erkannt und ausgebessert werden."

Mit der Fettpresse auf die Suche gehen

Einen gründlichen Blick sind auch die Radkästen wert. Insbesondere an Falzen in den Radausschnitten kann es leicht zu Kantenrost kommen. Die entsprechenden Stellen daher großzügig mit Wachs oder Fett einschmieren.

Bei noch immer aufgebocktem Fahrzeug werden nun die Bauteile des Fahrwerks inspiziert. Alle vorhandenen Abschmierpunkte mit Fett zu behandeln, hält nicht nur bewegliche Teile gängig, sondern beugt auch Korrosion wirksam vor. Bremsleitungen können vorsorglich mit Fett oder Wachs eingerieben werden. Manschetten und andere Gummiteile auf Risse überprüfen, schadhafte Bauteile vorsorglich ersetzen. Silikonspray oder spezielle Gummipflegemittel zu verwenden, verlängert übrigens deren Lebensdauer.

Nun folgt die Inspektion der Außenhaut des Fahrzeugs. Sofern Schäden am Lack entdeckt werden, etwa im Steinschlagbereich, müssen diese, zum Beispiel mit einem Lackstift, ausgebessert werden. Anschließend wird die gesamte Karosserie mit einer Wachspolitur versehen. Dabei auch Chrom- oder Leichtmetallteile nicht vergessen. Alternativ können diese auch mit Fett eingerieben werden, Stoßstangen sollten, sofern zugänglich, übrigens auch von der Innenseite her behandelt werden. Kunststoffteile rosten zwar nicht, Aufbringen eines Kunststoffpflegemittels kann aber nicht schaden.

Dichtungen und Gummiteile sollten gepflegt werden

Wichtig ist es auch, Gummiteile zu behandeln, insbesondere Dichtleisten an Türen, Fenstern und Kofferraum. Sie können im Winter anfrieren, es besteht die Gefahr, sie beim Öffnen zu beschädigen. Hausmittel wie Vaseline, Glycerin oder ein Fett erfüllen ihren Zweck, werden aber vom Gummi nicht aufgenommen. Auf der Oberfläche lagert sich Schutz ab, der zum Beispiel bei ungewolltem Kontakt auf die Kleidung übertragen wird.

Besser ist es im Zweifelsfall, auch hier Mittel auf Silikonbasis einzusetzen, die in das Material einziehen. Besonders einfach zu handhaben sind entsprechende Gummipflegestifte aus dem Zubehörhandel. Auch alle mechanischen Teile der Karosserie müssen auf den Wintereinsatz vorbereitet werden. Scharniere, Hebeleien und Gelenke gründlich fetten, die Schlösser am besten mit einem Graphitfett behandeln. 

Ölen und Schmieren beugt vor

Es folgt ein Check der elektrischen Anlage. Kabel mit beschädigter Isolierung ersetzen oder zumindest reparieren. Öffnungen, durch die Kabel führen, am besten mit passenden Kabeltüllen verschließen. Korrodierte und verschmutzte Kontakte und Steckverbindungen reinigen und vorsorglich mit Kriechöl behandeln. Porsche-Spezialist Ingo Stimming rät: "Die Ursache von Kriechströmen und Wackelkontakten zu finden, ist mitunter nicht leicht. Im Zweifelsfall gilt hier daher der Grundsatz: Viel hilft viel." Der Batteriezustand wird mit einem Säureheber geprüft. Ist der Stromspeicher bereits geschwächt, muss er rechtzeitig ersetzt werden.

Wer ein Fahrzeug mit Dieselmotor besitzt, sollte daran denken, dass der Kraftstoff bei zu niedrigen Temperaturen durch das Ausflocken von Paraffinen versulzen kann. Dagegen helfen Additive, die Mineralölfirmen dem angebotenen Kraftstoff in den Wintermonaten hinzufügen. So genannter Winterdiesel bleibt hier zu Lande bis rund minus 20 Grad fließfähig. Gregor Meichelbeck vom Landy-Point in Beuron-Neidingen: "Wer noch Sommerdiesel im Tank hat, sollte rechtzeitig daran denken, ein Additiv einzufüllen und danach eine Runde zu fahren, damit sich das Mittel gut verteilen kann. Und zwar unbedingt vor dem ersten Kälteeinbruch. Ist der Kraftstoff erst mal versulzt, geht nichts mehr, weil sich die Flüssigkeiten nicht mehr vermischen können."

Frostschutz auffrischen

Auch die Kühlflüssigkeit - sofern vorhanden - und das Scheibenreinigungsmittel müssen den zu erwartenden Temperaturen angepasst werden. Im Zweifelsfall von bis zu minus 40 Grad ausgehen. Sofern ein Mehrbereichsöl verwendet wird, kann es in aller Regel im Motor bleiben. Nur wer in arktischen Regionen fahren will, sollte auf Öl entsprechend geringerer Viskosität umstellen.

So vorbereitet kann wenig passieren. Wichtig ist es nun nur noch, das Fahrzeug öfters mal zu abzuspritzen, am besten zu Hause mit dem Gartenschlauch. So wird verhindert, dass sich auf der Heimfahrt von der Waschbox neues Salz ablagert. Bei einer anschließenden Durchsicht, auch von unten, zeigt sich schnell, wo die Versiegelungen aufgefrischt werden müssen.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es übrigens, zu glauben, ein Fahrzeug, das lediglich an trockenen Wintertagen bewegt wird, könne nicht rosten. Tatsächlich wird auf dem Asphalt befindlicher feiner Salzstaub aufgewirbelt und kann sich in den Ritzen der Karosse ablagern. Weil Salz hygroskopisch ist, also Luftfeuchtigkeit anzieht, bilden sich hier Feuchtigkeitsherde, an denen es fröhlich gammeln kann.

Entenspezialist Huber Meyer: "Regelmäßig, also auch bei kräftigem Regen bewegte Fahrzeuge befinden sich oft in einem deutlich besseren Zustand, also solche, die im Winter lediglich an schönem Tagen auf die Straße durften und bei denen ansonsten nur hin und wieder eine Unterbodenwäsche durchgeführt wurde." Ein Grund mehr, der für echten Ganzjahreseinsatz spricht.

Checkliste - darauf müssen Sie achten

Wer seinen Klassiker auch im Winter bewegen möchte, sollte ihn rechtzeitig entsprechend vorbereitet haben. Die folgende Checkliste verschafft einen schnellen Überblick:

  • Karosserie/Innenraum: Das Fahrzeug innen und außen gründlich reinigen und trocknen lassen. Lackfehler ausbessern, Lack- und Chromteile mit geeignetem Mittel versiegeln. Wabenmatten im Fußraum nehmen Schnee, Matsch und Salzwasser auf.
  • Hohlräume/Unterboden: Die Hohlraumversiegelung sollte gegebenenfalls aufgefrischt werden, der Unterbodenschutz kontrolliert und, sofern erforderlich, ausgebessert. Achtung: Für diese Arbeiten muss das Fahrzeug absolut trocken sein.
  • Kühl-/Scheibenreinigungsflüssigkeit: Alle Flüssigkeiten den zu erwartenden Temperaturen anpassen, im Zweifelsfall von bis zu minus 40 Grad ausgehen. Frostschutzmittel beugt übrigens auch Korrosion vor.
  • Reifen: Winterreifen zu verwenden ist ein Muss. Gegebenenfalls rechtzeitig um eine Freigabe für Alternativgrößen kümmern. Achtung: Auf keinen Fall überalterten Reifen montieren.
  • Schlösser: Alle mechanische Teile mit einem geeigneten Mittel einschmieren, zum Beispiel Graphitfett, zur Not auch Kriechöl. Für den Fall der Fälle sollten Türschlossenteiser oder ein Feuerzeug in der Jackentasche sein.
  • Fahrwerk: Kompletten Abschmierdienst durchführen, alle Ölstände kontrollieren. Gründliche Sichtprüfung von Lagerungen, Achsmanschetten und anderen Gummiteilen, beschädigte oder poröse Bauteile erneuern.
  • Tür-/Scheibengummis: Einreiben mit Gummipflegemittel oder die Verwendung von Gummipflegestiften aus dem Zubehörhandel beugt Festfrieren und der Gefahr von Beschädigungen vor.
  • Elektrik/Batterie: Batteriekapazität prüfen, geschwächten Akku austauschen. Kontakte und Steckverbindungen großzügig mit Kriechöl behandeln. Isolierung von Kabeln prüfen, gegebenenfalls reparieren oder austauschen.
  • Motor: Zündanlage prüfen, gegebenenfalls einstellen. Sofern möglich, Ansauganlage auf Winterbetrieb umstellen sowie Kühlerabdeckung montieren. Für Fahrten in extreme Klimaregionen Motoröl entsprechend niedriger Viskosität einfüllen.
  • Notfallpaket: Schneeketten, Abschleppseil, Schneebesen, Eiskratzer, Spaten zum Freischaufeln, Isomatte als Kälteschutz bei Reparaturen, Gummimatten als Anfahrhilfe, Ersatzbirnenset, Starthilfekabel, Enteisungsspray, Taschenlampe, warme Kleidung samt Mütze und Handschuhen.

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