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Klassiker-Kauf USA

Für eine Hand voll Dollar

Foto: Michael Schröder 35 Bilder

Die Dollarschwäche weckt eine alte Leidenschaft: günstig ein Auto in den USA kaufen und importieren. Doch vorab sollten Interessenten wissen, was der Markt drüben hergibt. Motor Klassik hat sich bei Händlern rund um San Francisco umgeschaut.

14.05.2008 Michael Schröder Powered by

Der weisse Carrera glänzt überaus verführerisch im Scheinwerferlicht. Es ist ein rarer RS von 1973. Mehr als 1525 Exemplare wurden von der 2,7-Liter-Version nicht gebaut - entsprechend hoch werden gut erhaltenen Modelle gehandelt. Dieser ist definitiv so einer, und mit 199.000 Dollar wäre man im Geschäft. Standort: "Cars Dawydiak", 1450 Franklin Street, San Francisco.

Im Kopf fängt’s an zu rotieren. Bei dem derzeitigen Dollar-Wechselkurs von 1,58 (Stand 1. April 2008) kehrt kaum einer ohne Jeans, iPod oder Kamera von seiner USA-Reise zurück. Und wie wäre es diesmal mit einem Auto als Souvenir? Hm. Der tadellos dastehende Carrera mit 70.000 Meilen auf der Uhr würde umgerechnet 125.949 Euro kosten - da wird die Sache für einige interessant.

Taschenrechner raus: Fracht, Zoll, Dollar-Kurs und Steuern

Die Fracht im Container schlägt mit rund 1.000 Euro zu Buche. In Deutschland verlangt der Zoll auf die Summe von Kaufpreis und Transportkosten zehn Prozent - was unterm Strich für den Porsche bereits schon 138.543 Euro macht. Auf diesen Betrag werden vom Staat schließlich 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Der Rechner steht bei 164.866 Euro - letztlich kein Schnäppchen, aber auch kein wirklich schlechter Preis für dieses Schmuckstück. Es müsste für deutsche Straßen allerdings geringfügig umgerüstet und von den Prüforganisationen gecheckt werden.

"Etwa ein Viertel meiner Autos geht im Augenblick nach Europa, Tendenz steigend", erzählt Geschäftsführer Walter Dawydiak, "und besonders aus Deutschland häufen sich die Online-Anfragen." Potenzielle Kunden würden selbstverständlich mit ausführlichem Bild- und Datenmaterial versorgt. "Sobald ein Käufer sich entschieden und den gesamten Betrag überwiesen hat, organisieren wir den Transport nach Übersee." Dawydiak weiß, dass so ein Online-Deal großes Vertrauen in den Händler voraussetzt: "Niemand mag Autoverkäufer, darum darf ich erst recht kein schlechtes Fahrzeug anbieten." Im Internet würde sich so etwas schnell herumsprechen.

Drei weitere Autos halten der sympathische Geschäftsmann und sein Partner Ron de Vogel neben diversen jüngeren 911ern für Klassik-Fans derzeit bereit: einen Jaguar XK 120 aus dem Jahr 1954 für 175.000 Dollar (Zustand eins), einen Jaguar E-Type Serie I 4.2 (Baujahr 1967) für 75.000 Dollar sowie einen 22 Jahre alten Porsche 944 Turbo im Fast-Neuzustand für 17.900 Dollar.

Dawydiaks Bestand entpuppt sich als wohlausgesucht. Gespachtelte Blender finden sich hier vermutlich genauso wenig wie aufdringliches Verkaufsgebaren - kein schlechter Start für einen Händlerbummel rund um San Francisco.

Mercedes, Jaguar und Porsche gehen immer

Zweite Station: "Jack L. Hunt Automotives" in San Rafael. Geschäftsführer Jack Hunt handelt bereits in der dritten Generation mit Autos. Im Verkaufsraum, in dem sich seit dem Bezug im Jahr 1927 kaum etwas verändert zu haben scheint, fällt besonders ein Alfa Romeo Giulietta Spider von 1962 auf. Schwarzes Leder, neues Verdeck, rostfrei und 80.000 Meilen gelaufen. Der Preis: 34.995 Dollar. Das geht in Ordnung.

3.000 Dollar mehr sind für den daneben ausgestellten 68er Chevrolet Camaro SS Convertible mit einem 396-Big-Block unter der Haube gefragt. "Muscle-Cars liegen derzeit allerdings weniger im Trend", erklärt Hunt, "Mercedes, Jaguar und Porsche gehen dagegen immer." Für einen erst gestern ausgeschriebenen, 30.500 Dollar teuren 911 E aus dem Jahr 1969 (Zustand 2 -) hätten sich bereits diverse Interessenten gemeldet. Auch er würde seit einigen Monaten deutlich mehr Autos nach Europa verschiffen als in den vergangenen Jahren.

"Die Klassiker der Zukunft sind ganz klar Autos aus den Zwanzigern, Dreißigern und Vierzigern." Dabei schielt Hunt zu einem hinten in der Ecke geparkten Chrysler Windsor von 1948. "Der läuft selbstverständlich tadellos." Der allgemeine Zustand des Wagens, für den 12.000 Dollar gefragt sind, lässt diese Aussage glaubhaft erscheinen. Man spürt, dass Hunt zu jener Sorte von Menschen zählt, denen ein guter Ruf über alles geht.

Älter als 10 Jahre - ab nach Mexiko

Die Autoverkäufer entlang der mehrspurigen San Pablo Avenue, die sich auf der anderen Seite der Bucht meilenweit durch Richmond und Berkeley zieht, sind da von einem anderen Schlag: Typus aufdringlicher Fähnchenhändler mit Plätzen voller amerikanischer Massenware am Hals. Egal. Spätestens ab der dritten Reihe sollten auch hier interessante Young- oder gar Oldtimer zu finden sein.

"Autos, die älter als zehn Jahre sind?" Michael Davis von "West Coast Motors" schüttelt den Kopf. "Das ganze alte Zeug ging nach Mexiko", erzählt der farbige Verkäufer. "Ab dem 3. März 2008 dürfen dort nur noch Fahrzeuge eingeführt werden, die Baujahr 1998 sind, kein Jahr älter oder jünger." Vermutlich hätte jeder Händler in Kalifornien bis zum Stichtag seinen Bestand hinunter an die Grenze gebracht, um dafür zumindest noch ein paar Dollar zu erhalten.

Davis, der mit seinem Angebot an jungen imageträchtigen Sportwagen und Limousinen offensichtlich die örtliche Hip-Hop-Prominenz (und solche, die sich dafür halten) bedient, präsentiert in der hintersten Ecke dennoch einen Klassiker: einen Cadillac Sixty-Two aus dem Jahr 1964. Für 15.000 Dollar könne man diesen Schatz sofort mitnehmen. Ob der Wagen, der tatsächlich gar keinen so schlechten Eindruck macht, überhaupt fahren würde? "Aber klar." Und überhaupt: Frauen würden auf solche Autos fliegen. Aha.

Quasi nebenan: "United Import". Der heruntergerittene Mercedes 560 SL am vergitterten Eingang schreckt ab, doch der schwarze 450 SLC zwei Reihen dahinter verdient die Bezeichnung "Entdeckung des Tages." Baujahr 1981, nahezu tadelloser Zustand, wenig Rost, keine Schweißarbeiten und eine blitzsaubere Innenausstattung aus Leder. Der Achtzylinder meldet sich sofort zur Stelle und schnurrt wie eine Katze vor dem Kamin.

Die 65.000 Meilen auf der Uhr sind zwar wie bei fast allen Fahrzeugen praktisch nicht nachprüfbar, doch selbst die doppelte Laufleistung dürfte diesem Motor kaum geschadet haben - dem Tempolimit sei Dank. "So ein Wagen ist im umweltbewussten Kalifornien kaum noch zu verkaufen", erklärt Hugo Fernandes. Sein Preis beträgt 9.000 Dollar. Bestimmt würde ein Verhandlungsspezialist für 8.000 Dollar den Zuschlag erhalten (auch wenn einem die fetten Exportstoßstangen nicht gefallen).

Zuschlagen: 320 SL für 4.367 Euro

Weiter auf der San Pablo Avenue in Richtung Berkeley. "Blue and White Auto" lockt mit einem Cadillac Fleetwood Brougham, Baujahr 1970, am Straßenrand. Doch 9.999 Dollar wirken für das angestaubte Dickschiff mit zerrissenen Polstern und vielen Blessuren im Lack eindeutig zu viel. Eine Reihe weiter hinten wird es dagegen wieder interessant: ein piekfeiner Mercedes 320 SL mit Vollausstattung aus dem Jahr 1994 mit einem Tachostand von 112.000 Meilen. Für 6.900 Dollar ein Geschenk.

Auf solch einen Low-Budget-Tarif wird man bei "Fantasy Junction" in Emeryville, einem Vorort von Oakland, kaum stoßen. In einem alten Lagerhaus präsentieren Bruce und Spencer Trenery knapp 60 Klassiker zwischen 25.000 Dollar (Lancia Fulvia Zagato 1.3 S, Baujahr 1971) und 3,5 Millionen Dollar (Maybach SW 38 Spohn Roadster, Baujahr 1938). Wer hier hereinspaziert, sollte für den Rest des Tages keine weiteren Pläne und eine belastbare Kreditkarte haben.

Vater und Sohn Trenery sind der internationalen Sammlerszene seit über 30 Jahren ein Begriff und haben sich ebenso als engagierte Hobby-Rennfahrer einen Namen gemacht. Angesichts des wertvollen Bestands gibt sich der Junior unerwartet bodenständig wie unaufdringlich. "Hi, ich bin Spencer. Schau dich ruhig mal um. Und ruf, wenn du was wissen willst."

Der Blick klebt an einem weißen 65er Ford Shelby GT 350 im absoluten Originalzustand für 325.000 Dollar. Nur fünf soll es von dieser Version geben. Daneben ein Ferrari 330 GT Serie II von 1967 mit knapp 56.000 Meilen auf dem Zähler. Für 125.000 Dollar kein schlechtes Angebot. Oder der Alfa Romeo Giuiletta Veloce Sprint von 1961 im Bestzustand, der 51.500 Dollar kosten soll. Und hinten in der Ecke lockt ein tadellos restaurierter Austin Healey BJ8 MK III aus dem Jahr 1967. Mit 66.500 Dollar wäre man im Geschäft. Alles zwar keine echten Schnäppchen, aber auch kein Murks auf Rädern. "Unser Ruf ist unser Kapital", erklärt Spencer.

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