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"Klassiker nicht mit Neuwagen vergleichen"

Oldtimer und Recht Teil 4

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Fragen an Dr. Gerd Koch, Anwalt für Verkehrs- und Versicherungsrecht in Heilbronn.

14.01.2007 Klaus Finkenburg Powered by

Worüber wird Im Klassikerbereich am häufigsten prozessiert?

Koch: Ein Streitpunkt ist oft, dass Klassiker zugesicherte Eigenschaften nicht aufweisen. Wenn etwa ein "voll restauriertes" Auto Mängel aufweist, die bestenfalls die Zustandsnote 3 rechtfertigen, kann der Käufer vom Verkäufer Nacherfüllung verlangen.

Aber so klar liegen die Dinge nicht immer.

Koch: In der Tat. Gerade bei Klassikern haben Käufer manchmal falsche Erwartungen. Auch ein voll restauriertes Fahrzeug ist nicht mit einem Neuwagen zu vergleichen.Technik und Material sind nun mal anfälliger für Störungen. Daraus entstehen gerne Streitigkeiten, die nicht selten vor Gericht enden.

Käufer von Oldtimern sollten also eine Schraubermentalität mitbringen?

Koch: Nicht unbedingt das, aber ein gewisses Grundverständnis für ihr Auto. Um die Freude an diesem Hobby zu behalten, ist es kein Fehler, sein Auto zu kennen, um zumindest Kleinigkeiten notfalls auf der Straße selbst beheben zu können.Es gilt heute sicher als schick, mit einem Oldtimer vorzufahren. Aber "Segeln, ohne nass zu werden" ist hier schwer realisierbar.

Ab wann haftet denn der Händler?

Koch: Im seit 2002 geltenden Kaufvertragsrecht gehört es zur Hauptleistungspflicht des Händlers, das Fahrzeug frei von Sachmängeln zu verkaufen. Das bedeutet, der Kaufgegenstand muss die Beschaffenheit aufweisen, "die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann", so der entsprechende Gesetzestext.

Das bedeutet bei Klassikern konkret?

Koch: Wir Juristen unterscheiden zwischen Sachmängeln und alterungs- oder abnutzungsbedingten Verschleißschäden, wobei der Händler für letztere nicht haftet. Der Käufer muss also zunächst immer einen Sachmangel nachweisen – in der Praxis oft problematisch, da die Abgrenzung zum Verschleißschaden bei Oldtimern schwierig ist. Man benötigt einen auf diesem Spezialgebiet kompetenten Gutachter, der nicht leicht zu finden ist. Bedenken muss man, dass diese Gutachten durchaus mehrere Tausend Euro kosten können.

Für wen rechnet sich ein Prozess denn?

Koch: Wenn Käufer rechtschutzversichert sind, haben sie eine gute Position. Händler tragen das Risiko selbst. Oft findet sich daher schon eine Lösung, wenn Käufer und Verkäufer mal vernünftig miteinander reden.

Aber Prozesse werden dennoch geführt?

Koch: Das lässt sich leider oft nicht vermeiden. Denken Sie nur an das Problem der Nachbauten, wie beispielsweise des Porsche Carrera 2.7 RS, die aus vergleichbar preiswerten Teilen aufgebaut und dann teils unter Vorlage von Originalpapieren teuer verkauft werden. Das ist natürlich Betrug.

Wie kann man sich schützen?

Koch: Ich empfehle jedem Käufer, das Geld für einen kompetenten Gutachter zu investieren, der einen vor Vertragsabschluss berät. Beim Kauf im Ausland sollte man besondere Vorsicht walten lassen und im Vertrag die Geltung deutschen Rechts sowie einen deutschen Gerichtsstand vereinbaren.

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