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Klassikwelt Bodensee

Eine Reise in die Vergangenheit

Klassikwelt Bodensee Foto: Beate Jeske 15 Bilder

Auch die dritte Klassikwelt Bodensee brachte wieder automobile Klassiker auf die Straße und Flugzeuge in die Luft. Das vitale Konzept lockte 43.000 begeisterte Besucher in den Süden. Zu sehen gab es knatternde Motorräder, schicke Oldtimer und eine Flugshow.

14.08.2010 Franz-Peter Hudek Powered by

In Halle A6 braut sich etwas zusammen, klingt fast wie ein Unwetter: dumpfes Donnergrollen und bedrohliches Röhren, vermischt mit einem hohen, hellen Bellen; ein explosives Konzert, das mal laut und leise wird, sich in kleine Solo-Einlagen auflöst und wieder zu einem fulminanten Tutti zusammenfindet. Das wollen wir sehen, was da läuft - nichts wie hin.

Klassikwelt Bodensee: Fahren, Sehen, Hören und Staunen

Dank der übersichtlichen und symmetrischen Anordnung der zwölf modernen Messehallen und ihrer breiten Verbindungstrakte bei der Klassikwelt Bodensee erreichen wir in weniger als einer Minute die Halle A6 und müssen beinahe die Ohren zuhalten, weil rund 20 Rennmotorräder mit laufenden Motoren wie ein Rudel hungriger Wölfe hinaus ins Freie auf den Messe-Rundkurs drängen. Ein Streckenordner hält die Aermacchi, Ducati, Honda, Laverda, Norton, Triumph und Suzuki - nur mit einer Flagge bewaffnet - mühsam unter Kontrolle und in der Halle zurück. Die Fahrer in Rennkleidung wollen den Messebesuchern jetzt zeigen, zu was ihre laut ballernden Höllenmaschinen im Stande sind.

Der Messe-Rundkurs in Form eines etwa 500 Meter langen Hundeknochens, auf dem die Bikes jetzt mit atemberaubenden Schräglagen ihre Bahnen drehen, zählt auch in diesem Jahr zu den beliebtesten Publikumsattraktion und verdeutlich am besten die Philosophie der Klassikwelt Bodensee: Fahren, Sehen, Hören und Staunen. Schließlich sind Autos und Motorräder zuerst einmal bewegliche Objekte, die in Aktion alle Sinne ansprechen und mit ihren Demo-Fahrten für hervorragende Foto- und Video-Motive sorgen.

Flying-Bulls-Luftflotte ist Höhepunkt der einstündigen Flugschau

Das Gleiche gilt für die ausgestellten Flugzeug-Veteranen. Sie rollen wie die Rennautos und Rennmotorräder direkt aus ihrer Ausstellungshalle heraus ins Freie, um sich dann vom benachbarten Friedrichshafener Flughafen in die Lüfte zu erheben. Die beiden North American T-6 Texan Tiefdecker-Propellermaschinen mit 600 PS starkem Neunzylinder-Sternmotor zaubern einen fulminanten, blechnahen Pas de Deux an den hellblauen Sommerhimmel und werden vom Publikum auf dem Weg zurück in die Halle mit lautem Applaus empfangen. Die dunkelblauen Luftakrobaten aus der Flying-Bulls-Luftflotte sind der Höhepunkt der jeweils samstags und sonntags stattfindenden, einstündigen Flugschau. Die ist übrigens im moderaten Preis von 14 Euro für die Tageskarte der Klassikwelt Bodensee inbegriffen.

Natürlich geht es in den Hallen mit dem bewährten, statischen, fast ebenso attraktiven Schauprogramm etwas ruhiger zu. Hier zeigen 405 Aussteller aus zehn Nationen das bekannte Oldtimer-Messe-Programm: Audi, Mercedes und Opel sind mit Exponaten aus den Werksmuseen vertreten, in den Clubwelten präsentieren Markenclubs ihre auf Hochglanz polierten Schätze. Die Halle A5 ist den American Classics der US-Car-Fans gewidmet, in B1 schlägt der Teilemarkt seine Stände auf, in B5 bieten etablierte Oldtimer-Händler ihre noblen Karossen zum Verkauf an, und in B4 warten mehr als 50 meist privat angebotene Klassiker auf neue Besitzer. Die Preisspanne reicht dabei von 1.200 Euro für ein dringend restaurierungsbedürftiges Goggomobil Coupé bis zu 75.000 Euro für einem herrschaftlichen Mercedes 300 "Adenauer", ehemaliger Krupp-Vorstandswagen.

Großes Oldtimerangebot

Der Messechef der Klassikwelt Bodensee Klaus Wellmann und Projektleiter Roland Bosch ziehen eine positive Bilanz: "In vielen Gesprächen bestätigten uns die Aussteller, dass enorm kaufkräftiges und kompetentes Publikum auf der Oldtimermesse unterwegs war und gute Geschäfte gemacht wurden."

Nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden, steht bei den Besuchern der Klassikwelt Bodensee hoch im Kurs. Das riesige, zwischen den beiden Hallenreihen gelegene Freigelände ist als Park-Arena für Besucher-Oldtimer eingerichtet, wo bis zu 400 Automobile und Motorräder Platz finden. Auch vor dem Eingang Ost parken rund 100 Old- und Youngtimer, deren Besitzer die lohnende Fahrt an den Bodensee angetreten haben.

Stanley-Dampf-Automobile begeistern Zuschauer

Einige dieser Autos nehmen an der Klassiker-Parade von Motor Klassik teil, die am Samstag ab 19 Uhr durch die Innenstadt von Friedrichshafen rollt. Bei heißem Sommerwetter zeigen rund 140 Teilnehmer auf den dicht umsäumten Straßen die ganze Vielfalt motorisierter Fortbewegung mit vier und zwei Rädern. Besonders die offenen, flott gefahrenen Vorkriegs-Sportwagen von Alvis, Lagonda, Riley und Co. verwandeln den Stadtkurs in einen Mix aus Mille Miglia und Grand Prix de Monaco Historique. Dazu gesellen sich die röhrenden und bellenden Motorräder, knallbunte Renn- und Sportwagen aus den 70er und 80er Jahren sowie gern gesehene Alltagsklassiker vom Steyr-Fiat 500 C Topolino bis zum Lamborghini Countach.

Am meisten beeindrucken die Zuschauer der Klassikwelt Bodensee jedoch die blitzblanken Stanley-Dampf-Automobile aus den USA. Sie sind optisch kaum von ihren benzingetriebenen Vorkriegskollegen zu unterscheiden, zischen aber fast geräuschlos mit hohem Tempo durch die Menschengassen. Allein diese rare Attraktion war eine Reise nach Friedrichshafen an den Bodensee wert.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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