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Portrait Kleinserien-Hersteller Ruf

Zu Besuch bei Porsche-Veredler Alois Ruf

Ruf-Porsche Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Seit 1974 ist Alois Ruf von der schwersten Form des Porsche-Virus befallen: Ständig arbeitet er daran, den Porsche 911 zu veredeln. Mittlerweile elektrifiziert Ruf sogar die Ikone und den Allradler Porsche Cayenne. 

22.08.2010 Powered by

Menschen mit Visionen gibt es viele, Alois Ruf gehört zu ihnen. Anders jedoch als die meisten Visionäre lässt er seine Wunschgedanken Realität werden, obwohl es manchmal dauert. 31 Jahre verstrichen, bis er sein erstes Wasserkraftwerk einweihen konnte. Meist gelingt die Umsetzung aber deutlich schneller. Vor gut zwei Jahren formulierte er in auto motor und sport seinen Wunsch für die Zukunft so: "Ich möchte die Vereinigung meiner beiden Leidenschaften erreichen - ein Emotionsauto, das seinen Antrieb aus Wasserkraft speist."

Portrait Kleinserien-Hersteller Ruf: Zu Besuch bei Porsche-Veredler Alois Ruf 5:24 Min.

Zum Ruf-Firmenfuhrpark gehören auch Elektro-Sportler

Heute gehören zum Firmenfuhrpark zwei Elektro-911 und drei Cayenne-E-Mobile, die mit dem Strom aus Wasserkraftwerken laufen. Einen Widerspruch zu den gewaltigen Umbauten auf Porsche-Basis, die in ihrer höchsten Kulminationsstufe auf den Namen CTR 3 hören und 700 PS leisten, sehen nur Personen, die noch nicht die Gelegenheit hatten mit Alois Ruf ins Gespräch zu kommen. Tatsächlich hat ihm sein Vater Alois Ruf senior beide Passionen vererbt. Der Firmengründer, der Auto-Ruf 1939 eröffnete, hatte sein Faible für die alternative Energienutzung unglücklicherweise zu einer Zeit entdeckt, die für solche Ideen nicht reif war. Geschätzt haben die Zeitgenossen dagegen seit jeher die kundigen Hände der heute 55-köpfigen Ruf-Mannschaft, wenn es um die Auto-Instandsetzung ging.

Mit den Autos wird das Geld verdient, um das Wasserkraftwerk realisieren zu können

1964 kam erstmals ein schwer verunfallter Porsche 356 in die Werkstatt nach Pfaffenhausen im Allgäu. Ruf senior hatte zuvor den Unfallfahrer als Ersthelfer ins Krankenhaus gebracht. Nach dem Crash ging dem Leichtverletzten die Lust an seinem Porsche verloren, Ruf konnte ihn erwerben und reparieren, um ihn für sich selbst zu nutzen - die Porsche-Viren begannen, sich in der Familie auszubreiten. 1974 stirbt der Vater, Ruf junior muss die Firma mit 24 Jahren übernehmen. Für ihn ist klar: Mit den Autos wird das Geld verdient, um das Wasserkraftwerk realisieren zu können, 1991 war es endlich so weit. Das Flüsschen Mindel bewegt seither eine Turbine, die heute 350.000 kWh Strom pro Jahr produziert. Zwei größere Kraftwerke sind dazugekommen. Offenbar gelingt das Geldverdienen mit den Autos.

Ruf hat seit 1987 die offizielle Zulassung als Hersteller

Wobei die Kunden keineswegs samt und sonders Leistungssteigerungen für ihren Porsche 911 ordern oder diesen vom Porsche zum Ruf - die Firma hat seit 1987 die offizielle Zulassung als Hersteller - machen lassen. Bei Ruf bekommt man auf Wunsch auch einen Service für ein serienmäßiges Auto. Das darf gern schon ein paar Jahrzehnte alt sein, denn die langjährigen Mitarbeiter - bei manchen waren schon die Eltern im Unternehmen - kennen sich bestens mit allen Generationen der Sportwagen aus Zuffenhausen aus. Trotzdem ist Ruf natürlich vor allem für seine starken Elfer bekannt. Momentan heißt die Speerspitze RT 12 S, wo- bei RT für Ruf-Turbo steht und die 12 anzeigt, dass es sich bereits um die zwölfte Ausbaustufe der im Haus verfeinerten Aufladungstechnik handelt. 685 PS sind der Lohn der Mühe, aber es geht auch noch kräftiger. Seit 2007 gibt es bereits den CTR 3 mit 700 PS - ein selbstkonstruierter Mittelmotorsportler, der nur noch beim Vorderwagen auf Porsche-Teile setzt, ansonsten aber bei Ruf entwickelt wurde. Entstehen sollte das 425.000-Euro-Auto in einer eigenen Niederlassung in Bahrain, doch die Wirtschaftskrise vereitelte den Plan. So werden die Boliden in Pfaffenhausen gebaut. Zehn Stück haben bereits ihre Kunden gefunden.

Kleinserien-Hersteller Ruf: Ein Elektro-911 surrt seit 2008 über die Straßen

Nach dem Supersportler wurde es offenbar Zeit für ein neues Projekt, bei dem Wasser- und Motorkraft unter einen Hut gebracht werden sollten. Ein Elektro-Elfer surrt seit 2008 über die Straßen und kann für sich in Anspruch nehmen, der erste deutsche Elektro-Sportwagen der Neuzeit zu sein. Gemeinsam mit Siemens wurde 2009 die 270 kW starke Generation zwei entwickelt, und so nebenher elektrifizierten die Partner auch noch drei Porsche Cayenne, die sich beim Umweltgipfel in Kopenhagen als Shuttle-Fahrzeuge in Szene setzen konnten. Wer aktuell bei Ruf vorbeischaut, kann mit etwas Glück einen Blick auf den Rohbau der dritten Generation des E-Elfer werfen. Eines nicht mehr allzu fernen Tages sollen dann jährlich 50 E-Ruf auf Porsche-Basis entstehen. Dieses Projekt ist also keineswegs abgeschlossen, auch weil die eigenen Kraftwerke schon so viel Strom erzeugen, dass damit 3.500 E-Mobile pro Jahr 40.000 Kilometer weit fahren könnten. Heute nutzt Ruf den Strom überwiegend in seinem Betrieb, dessen Mitarbeiter so ganz nebenher ebenfalls auf höchstem Niveau Oldtimer in den Neuzustand versetzen und momentan daran arbeiten, einen 4,5-Liter-V8 für den Elfer zu entwickeln. Wie gesagt: An Visionen mangelt es Alois Ruf nicht. 

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