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Kleinwagen in den USA

Zweiter Frühling für Kleinwagen

Ford Fiesta Foto: press-inform 29 Bilder

Die USA gelten unverändert als das Land von Pick Ups und Geländekreuzern. Doch das Bild auf den Straßen wird durch Kleinwagen zunehmend bunter. Ganz neu ist der Trend zum Kleinwagen auch in den USA nicht.

28.12.2010

Immer wenn die Benzinpreise steigen, rennen die Amerikaner zum Händler und wollen kleinere Autos kaufen. Nicht, dass sich der Benzinpreis in Los Angeles, Chicago oder Salt Lake City mit aktuell durchschnittlich drei Dollar pro Gallone (ca. 3,8 Liter) in astronomische Höhen hinaufgeschwungen hätte. Doch die internationalen Autohersteller haben erkannt, dass man in den USA an Kleinwagen kaum vorbeikommt.

Scion, schicker Kleinwagenableger von Toyota, macht es seit Jahren vor, wie sich Fahrzeuge mit vier Zylindern und unter vier Metern Länge gut verkaufen lassen. Im Markt etabliert haben sich unter anderem US-Modelle wie Honda Civic, Honda Fit / Jazz  oder Toyota Yaris. Die günstigsten Modelle gehen offiziell bei 12.000 Dollar los. In Inseraten knacken sie oftmals gar die 10.000er-Marke. Als die US-Autoindustrie vor mehr als zwei Jahren mächtig ins Wanken kam, zogen viele Hersteller die Notbremse. Mit Kleinwagen wollten sie sich auf den Untergang des Pick-Up- und SUV-Abendlandes vorbereiten. Zwar kam es anders und die üppig dimensionierten Alltagsgeräte stehen in der Gunst der US-Kunden aktuell wieder hoch im Kurs.

Doch man will vorbereitet sein und nicht panisch wieder zurückrudern. Dass Scion mit seinen trendigen Modellen xB, tC und xD seit Jahren überaus erfolgreich in der Einstiegsklasse unterwegs ist, dürfte US-Urlauber kaum überraschen. Neuland ist das Kleinwagensegment dagegen noch für Hersteller wie Mazda, General Motors oder Ford. Der Hersteller aus Dearborn nahe Detroit stellte jahrelang mit dem Full-Size-Pick-Up F-150 das erfolgreichste Fahrzeug der USA. Der Pick Up, zumeist mit Allradantrieb und einem gewaltigen V8-Triebwerk unter der Haube, gehört seit eh und je zu den meistverkauften Autos. Große Ladefläche, Doppelkabine oder Werkstattaufbau – die Einsatzmöglichkeiten im Alltag kennen kaum Grenzen. Ansonsten verkauft Ford Volumenmodelle wie Edge, den großen Explorer oder das Mittelklassemodell Fusion. Seit rund einem Jahr wird die Produktpalette durch den Fiesta (ab 13.000 Dollar) als Einstiegsmodell nach unten abgerundet. Das Fahrzeug entspricht von wenigen Ausnahmen abgesehen dem europäischen Vorbild. Die Diesel bleiben außen vor und auch die kleinen, in unseren Breiten beliebten Basismotoren sind nichts für die leistungsgeneigten US-Kunden. Das Fahrzeug, das als Schräg- und Stufenheckmodell erhältlich ist, kommt aus dem mexikanischen Werk Cuautitlán. 

Um den Fiesta auf den praxisgeneigten US-Kunden abzustimmen, gab es ab Frühjahr 2009 eine ungewöhnliche Aktion. 100 Kunden hatten USA-weit die Möglichkeit, den Ford Fiesta sechs Monate lang intensiv zu testen. "Jeder Testmonat stand unter einem besonderen Motto", erklärt der Projektmanager Sam De La Garza, "so sollten die Probanden mit dem Fiesta zum Beispiel zu Freunden, Events oder in den Urlaub fahren. Wir bekamen so ein Maximum an Informationen."

Cupholder sind für den US-Markt elementar

Nicht viel anders sah es bei Mazda aus. Die Asiaten gelten in den USA als einer der sportlichsten Autohersteller und haben aufgrund von CX-7, MX-5 und Mazda 3 das Image eines japanischen BMW. Als der Druck auf die Hersteller vor zwei Jahren immer größer wurde, wurde der kleine Mazda 2 aus der europäischen Kleinwagenschublade geholt und Kunden befragt, was sie wollten. Hier das gleiche Thema wie beim ehemaligen Kooperationspartner Ford. Keine allzu kleine Motoren, keine Diesel, günstiger Verbrauch und wenn möglich ein Automatikgetriebe. Mazda spendierte dem Zweier (ab 14.000 Dollar) ein paar angepasste Crashmaßnahmen und Einbauraum für zwei große Becherhalter. Denn wie bei vielen anderen Importfahrzeugen für die USA waren die Becherhalter bei der Marktanpassung des Mazda 2 ein großes Thema.
 
"Es ist schon verrückt. Aber die Cupholder sind hier wirklich ein elementarer Bestandteil des Fahrzeugs", lacht Tim Barnes,  Direktor für Produktplanung und Strategie bei Mazda North America, "so haben wir für dem amerikanischen Mazda 2 eben eine neue Mittelkonsole kreiert – mit zwei großen Becherhaltern." Fertig war das US-Modell, das markengerecht als besonders sportlich positioniert wurde. "Der Mazda 2 war ursprünglich gar nicht für den amerikanischen Markt homologiert. Doch die Kundennachfrage war da und die Zeit drängte. So haben wir den Mazda 2 im Rahmen des möglichen fit für die USA gemacht", erklärt Tim Barnes, "doch hätten wir mehr Zeit gehabt – wir hätten noch mehr gemacht." Erst im März 2009 war die Entscheidung gefallen, mit dem kleinen Mazda 2 in die USA zu gehen. Seit Juni 2010 steht er im US-Handel. Wie auch beim Fiesta sind die Verkäufe mehr als ordentlich.

Mini als Trendmobil gefragt

Neben Scion zeigt Mini seit Jahren, dass kleine Trendmobile in den USA ein gewaltiges Potenzial haben. Mini Cooper und Mini Cooper S sind in den Vereinigten Staaten echte Bestseller – egal ob offen oder geschlossen. Aktuell reiben sich die amerikanischen Szene-People in Kalifornien, den Neuengland-Staaten und Florida bereits die Hände, weil der Countryman als erster Mini-SUV in die USA kommt. Anders sieht es bei Daimler und den Smart Fortwo aus. Das Projekt verlief in den USA seit 2008 alles andere als erfolgreich. Im ersten Jahr startete Smart durch Distributor Roger Penske prächtig in den Markt. Lange Wartezeiten und stabile Preise ließen die Daimler-Konzernspitze kurzzeitig frohlocken. Doch 2009 / 2010 kam der jähe Absturz. Als die Benzinpreise von 4,50 auf unter drei Dollar pro Gallone (3,8 Liter) fielen, standen sich die Smart Fortwo auf den Händlerhöfen die Reifen platt. Da die neue Smart-Generation noch bis 2013 / 2014 auf sich warten lässt und bis dahin der dringend benötigte Viertürer fehlt, liefen die US-Händler mit Unterstützung von Verkaufsprofi Roger Penske in diesem Frühjahr Sturm. Im nächsten Jahr soll auf der New York Motorshow ein Smart Forfour seine US-Premiere feiern. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen leidlich umfunktionierten Nissan Micra. Was schert die Amerikaner Markenidentität und historische Gene? Hier zählt nur der nackte Verkaufserfolg.

Kleinwagen-Boom gab es schon in den 70er und 80er Jahren

Dass dieser auch in den USA mit kleinen Autos zu realisieren ist, zeigten nicht erst Mini oder Scion. Bereits in den 70er und 80er Jahren gab es infolge von hohen Kraftstoffpreisen einen Trend zu kleinen Autos. Chrysler hatte seine ansonsten üppig dimensionierte Produktpalette um die europäischen Importmodelle Simca 1100 / Chrysler Horizon unter anderem als Dodge Omni und Plymouth Horizon nach unten hin ergänzt. Das wohl kleinste in nennenswerten Mengen verkaufte Modell im Land der unbegrenzten Möglichkeiten war der Yugo, der sich zu Preisen unter 4.000 Dollar in den 80er Jahren als preiswerter Automobilwinzling des jugoslawischen Herstellers Zastava einen Namen machte.

Auch der Golf ist den USA kein Unbekannter. So brachte Volkswagen nach längerer Abstinenz seinen internationalen Bestseller auf den US-Markt zurück. Aufgrund sinkender Nachfrage hatte es neben der vergleichsweise erfolgreichen Stufenheckversion Jetta lange Zeit nur einen Golf GTI als Sportversion gegeben. Wie erfolgreich Kleinwagen auch für europäische Hersteller in den USA sein können, zeigten insbesondere die 70er Jahre mit VW Käfer und dem Bully, nach wie vor ein Trendmobil in Kalifornien. Zum Trendmobil soll nach Meinung des Fiat-Konzerns auch der knuffige 500er werden. Die mit Chrysler verwobenen Italiener zeigten auf der Los Angeles Autoshow vor ein paar Wochen die US-Version des 500. Und wenn Alfa seine Rückkehr in den USA feiern sollte, ist der MiTo gesetzt.

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