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Klimatisierte Langzeitlagerung in der Fertiggarage

Klimagarage selbst gebaut

Klimagarage selbst gebaut, mokla, 0513 Foto: Kay Hottendorff 9 Bilder

Kay Hottendorff, Autor des Buches "The Fate of the Sleeping Beauties" hat ein Fertiggarage zur Klimakammer umgebaut, um seinen Cord 812-Scheunenfund möglichst perfekt zu konservieren. Hier beschreibt er wie.

17.05.2013 Kay Hottendorff, Kai Klauder Powered by

Professionelle Lösungen für die klimatisierte Lagerung von Sammlerfahrzeugen gibt es am Markt reichlich. Am schönsten ist sicher die Lagerung in der klimatisierten Glasbox bei einem Anbieter für Fahrzeug-Langzzeitlagerung. Am schönsten zwar, aber leider auch nicht gerade preisgünstig. Erschwinglicher und daher auch verbreiteter sind jene modernen luftdichten Kunststoffblasen mit Reißverschluss, je nach Hersteller und Produkt ausgestattet mit Luftentfeuchter-Kartuschen auf Basis von Kieselgel oder mit Ventilatoren zum permanenten Luftaustausch.

Doch was tun, wenn man sein Fahrzeug optimal lagernd möchte, einem aber nur eine unbeheizte Fertiggarage in Abmessungen zur Verfügung steht? Für die Lösungen von der Stange sind solche Normgaragen häufig zu eng und Frostfreiheit bieten diese Lösungen auch nicht. Die Antwort ist ebenso einfach wie konsequent: selbst bauen!

Die benötigten Komponenten sind handelsübliche Baumarkt-Produkte: Dachlatten, Styroporplatten, Dampfsperrfolie und -Klebeband, selbstklebende Gummidichtungen, Winkel, Schlossschrauben, Flügelmuttern und Unterlegscheiben, Hygrometer und Thermometer sowie ein Frostwächter sind günstig zu erstehen. Dazu kommen noch ein Keramikheizlüfter sowie ein elektrischer Luftentfeuchter und rund 6 kg Silica-Gel. Mit diesen Zutaten lässt sich ein trockener und frostfreier Raum zur Langzeitlagerung eines Autos schaffen. Ein wenig handwerkliches Geschick ist allerdings unabdingbar.

In 16 Schritten zur eigenen Klimagarage

  1. Zunächst wird ein stabiler Käfig aus Dachlatten in die Garage gezimmert. Die Dachlatten sollten an Boden und Decke sowie den Wänden befestigt werden.
  2. Zum Garagentor hin dient ein rechteckiger Rahmen als Abschluss. Später wird hier ein Deckel den luftdichten Raum verschließen. Im Bereich des Garagentores darauf achten, dass das Tor oberhalb des Käfigs noch öffnen kann (hier muss der Rahmen niedriger ausgeführt werden und in den Raum hinein abgeschrägt sein. Hilfreich ist genaues Ausmessen und Anzeichnen des Tor-Öffnungswinkels in verschiedenen Positionen. Der untere Querholm des Rahmens sollte einfach zu demontieren sein, damit das Fahrzeug später in die Garage gerollt werden kann.
  3. Als nächster muss ein zweiter Rahmen für den Deckel gezimmert werden, welcher bündig auf dem Käfigrahmen aufliegt. Diagonalstrebe(n) zwecks Stabilität sowie einen kleinen Rahmen für ein Kontrollfenster (siehe Fotoshow) nicht vergessen.
  4. Den Rahmen des Deckels mit regelmäßigen Bohrungen (z.B. 14 Stück à 200 mm) versehen. Deckel auf den Innenrahmen auflegen und Bohrungen dort ebenfalls anzeichnen. Innenrahmen dünner und waagerecht (!) bohren (10 mm). Von innen werden nun lange M10 Schlüsselschrauben durchgesteckt und die Schraubenköpfe mit einem Hammer ins Holz geschlagen. Der Rahmen sollte sich nun leicht und bündig auf die herausragenden Schrauben schieben lassen. Befestigung des Deckels erfolgt später mit großen Unterlegscheiben und Flügelmuttern. Den Deckel wieder demontieren.
  5. Zwei Verlängerungskabel von einem vorhandenen Stromanschluss in den Innenraum führen.
  6. Die Zwischenräume zwischen den Dachlatten an Wand und Decke sowie im Deckel mit 60 mm starken Styroporplatten lückenlos füllen. An der (abgehängten) Decke ist die Befestigung viel einfacher, wenn die Abstände der Dachlatten von vornherein an der Größe der Styroporplatten orientiert wurden.
  7. Den gesamten Innenraum des Käfigs mit Dampfsperrfolie (Baustoffhandel zum Dachausbau) lückenlos auskleiden. Zum Befestigen im oberen Bereich Schrauben mit Unterlegscheiben wählen. Überlappungen der Folie mit dem zugehörigem Profi-Klebeband sorgfältig und luftdicht verkleben. Auch die Einführung der Verlängerungskabel gut  - und zugfrei! - verkleben. Im Bereich der Einfahrt die Folie großzügig überstehen lassen, nach außen umfalzen und befestigen. Am untereren Querholm die Folie nicht befestigen sondern nur sauber nach unten umschlagen.
  8. Den Deckel nun ebenfalls rundum in Folie einpacken. Vorher am kleinen Innenrahmen ein stabiles Kunststofffenster (z.B. Plexiglas) festschrauben und luftdicht mit der Dampfsperrfolie verkleben. Durch das Fenster lässt sich später das Thermometer bzw. Hygrometer ablesen.
  9. Nun die Bohrlöcher in beiden Rahmen (innen und Deckel) sorgfältig freischneiden und gegebenenfalls noch einmal mit Klebeband verstärken. Innenseite des Deckelrahmens rundum mit selbstklebenden Gummidichtungen versehen.
  10. Zum Einfahren des Fahrzeuges unteren Querholm (Schwelle) vorübergehend ausbauen und die untere Folie glatt auslegen. Anschließend wieder wie gehabt einbauen.
  11. Zum Erreichen der Frostfreiheit einen Keramikheizlüfter fachgerecht installieren (lassen) und über einen elektronischen Thermostat mit einem der Verlängerungskabel anschließen. Thermostat geeignet programmieren.
  12. Zum Erreichen einer niedrigen Luftfeuchtigkeit einen elektrischen Luftentfeuchter installieren und mit dem zweiten Verlängerungskabel anschließen. Das Gerät sorgt für eine schnelle Entfeuchtung, auch wenn das Fahrzeug nicht vollständig trocken war. Frage: Warum das zweite Kabel? Antwort: Durch das zweite Kabel kann das Gerät bei hinreichend geringer Luftfeuchtigkeit von außen vom Netz getrennt werden.
  13. Zusätzlich rund 6 kg Silica Gel (für ca. 30 Kubikmeter Raum) in mehreren offenen Gefäßen in- und außerhalb des Fahrzeuges verteilen. Gegenüber handelsüblichen Luftentfeuchter-Salzen staubt Silica Gel nicht und verringert so die Gefahr von Korrosion (Flugrost). Das Gel sorgt für eine kontinuierlich niedrige Luftfeuchtigkeit, auch wenn der elektrische Luftentfeuchter später abgeschaltet wird. Bei Erschöpfung (Farbwechsel) lässt sich das Gel zudem im Backofen regenerieren.
  14. Mindestens ein Fenster des Fahrzeuges geöffnet lassen. Schutz gegen Motten und gegen Nagetiere nicht vergessen - eventuell die Fensteröffnung mit Hasenkäfig-Draht sichern.
  15. Ein kombiniertes elektronisches Thermometer & Hygrometer von innen am Kontrollfenster befestigen. Achtung: Einlassöffnung des Gerätes nicht abkleben!
  16. Deckel aufschrauben und Kontrollfenster mit eingepasstem Styroporstück oder großzügig überlappender Styroporklappe abdecken. Fertig!

Die Geschichte von Kay Hottendorffs Cord 812 lesen Sie hier.

Mehr Informationen zu seinem Buch "The Fate of the Sleeping Beauties" gibt es hier.

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