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Klimaziele abgeschwächt

EU-Kommission kommt Autolobby entgegen

MTM-Audi A7 Sportback 3.0 TDI, Auspuff, Vier-Rohr-Abgasanlage Foto: Audi

Ein Brief an VW-Chef Martin Winterkorn lässt EU-Energiekommissar Günther Oettinger als Verbündeten der mächtigen Autolobby im Kampf gegen strikte CO2-Auflagen erscheinen.

11.10.2012 dpa

Laut dem Schreiben, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert, sei es ein Erfolg, dass Brüssel im Juli keine verbindlichen CO2-Grenzwerte für die Zeit nach 2020 festgelegt habe. Volkswagen bestätigte zwar die Existenz des Briefs, wollte dessen Inhalt allerdings nicht kommentieren.
 
 

CO2-Berechnungsgrundlagen heiß umkämpft

Im Juli hatte Klimakommissarin Connie Hedegaard neue Details vorgeschlagen, wie ein europaweit durchschnittlicher CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer bei Neuwagen bis 2020 zu berechnen sei. Die Zahl ist seit 2008 beschlossene Sache, aber die detaillierten Berechnungsgrundlagen werden heiß diskutiert.
 
Umweltorganisationen hatten einen Grenzwert von 80 Gramm und weitere Vorgaben für das Jahr 2025 gefordert. Greenpeace wirft der Autobranche seit langem vor, zu wenig für den Klimaschutz zu tun. "Energiekommissar Oettinger hat dazu beigetragen, die Klimaauflagen zu verwässern", sagte Greenpeace-Klimaexpertin Franziska Achterberg der Zeitung. "Mit diesen Äußerungen schadet Herr Oettinger dem Klimaschutz und verletzt massiv die Interessen von Verbrauchern", kritisierte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland.
 
Bei der Berechnung der Klimaauflagen dreht sich alles um das Gewicht der Autos: Der CO2-Ausstoß schwerer Wagen, die mehr Sprit schlucken, soll stärker reduziert werden. Den deutschen Herstellern, die viele Oberklasse-Autos bauen, war das ein Dorn im Auge. Sie hatten auf weniger scharfe Vorgaben gedrängt. In diesem Zusammenhang ist Oettingers Brief laut Zeitung die Antwort auf eine Bitte Winterkorns, sicherzustellen, dass die Wolfsburger durch ein neues Gesetz nicht schlechter als die Konkurrenz gestellt würden.
 
Dem widerspricht Volkswagen: Der Eindruck, ein EU-Kommissar könne beim Gesetzgebungsverfahren gleichsam Zusagen an einzelne Unternehmen geben, treffe keinesfalls zu, hieß es aus der Konzernzentrale. Man setzte sich wie andere Hersteller bei der CO2-Regulierung für eine faire und sachgerechte Lösung ein, die aber verschiedene Ausgangslagen und Modellpaletten berücksichtigen müsse. Das heißt: Gegenüber den Konkurrenten, die stärker auf Kleinwagen setzen, wollen die Wolfsburger keinen Nachteil bekommen.
 
Im Übrigen stehe VW zu seinen Umweltzielen. Bis 2018 will Volkswagen der absatzstärkste und am nachhaltigsten wirtschaftende Autobauer der Welt werden. Unter anderem plant der Konzern, bis 2016 mehr als zwei Drittel seiner Investitionen von mehr als 62 Milliarden Euro in sparsamere Fahrzeuge und umweltschonendere Fertigung zu stecken. Bis 2015 sollen die CO2-Emissionen nach eigenen Vorgaben auf weniger als 120 Gramm pro Kilometer gedrückt werden. Das wären 10 Gramm weniger, als Brüssel bis dahin im europäischen Durchschnitt fordert. Trotzdem hält Greenpeace die freiwilligen Ziele für zu lasch.

Europäer vor Asiaten und Amerikanern schützen

Erst am Mittwoch hatte "Die Welt" über Hilfestellungen für die gebeutelte Autobranche berichtet. Aus einem der Zeitung vorliegenden Strategiepapier von Industriekommissar Antonio Tajani gehe hervor, dass neue Gesetze, die die Autobauer berührten, erst eine "rigorose Prüfung" durchlaufen müssten, bevor sie in Kraft treten könnten.
 
Damit solle sichergestellt werden, dass europäische Hersteller durch neue Regeln nicht schlechter gestellt werden als die Konkurrenz aus den USA oder Asien. Zusammen mit Oettinger setzt sich Tajani für einen wieder wachsenden Anteil der Industrie an der europäischen Wirtschaft ein. Vor allem die angeschlagenen italienischen und französischen Autobauer suchen derzeit Unterstützung bei den nationalen Regierungen und in Brüssel.

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