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Abverkaufsstrategien bei Sportwagen

Die Flut an Sondermodellen

Aston Martin DB9 GT Bond Edition Foto: Aston Martin 46 Bilder

Marcus Schurig über den Trend, dass eine Flut von oftmals nicht zu rechtfertigenden Sondermodellen den Lebenszyklus von Sportwagen künstlich verlängert - und darüber, was das für den Testalltag bedeutet.

04.01.2016 Marcus Schurig Powered by

Das Geschäft muss brummen, unter allen Umständen. Allerspätestens zwei bis drei Jahre vor dem Auslaufen einer Modellreihe kann man sich darauf gefasst machen, dass das bevorstehende Ende noch mal vergoldet werden soll: Die Hersteller hauen Sondermodelle heraus, die äußerst marktschreierisch als der Weisheit letzter Schluss angepriesen werden - im wahrsten Sinne des Wortes.

20-PS-Schritte bis zur Unkenntlichkeit

Diese sogenannten Abverkaufsmaßnahmen haben Konsequenzen, für die Endkunden ebenso wie für die Medien: Die Abverkaufsmodelle werden von den Herstellern im besten Fall so positioniert, dass sie den Standardmodellen nicht das Wasser abgraben - fahrleistungsmäßig ebenso wie bei der Performance auf der Rennstrecke. Die Konsequenz ist klar: Das Modellangebot vernischt und verkrautet vollständig, wird in 20-PS-Schritten bis zur Unkenntlichkeit durchgetaktet. Oftmals kommen dabei nur schnöde Ausstattungsvarianten heraus, die als limitiertes Sondermodell zu horrenden Preisen unters Volk gebracht werden.

Fairerweise muss man nun zwischen den Herstellern unterscheiden, denn einige treiben es besonders bunt, andere machen es etwas geschickter. Fangen wir oben an, wo es im Geldspeicher richtig klingelt: Lamborghini verkauft uns den Aventador erst als LP 700-4, dann gibt's einen LP 720-4 Anniversario, jetzt einen LP 750-4 SV (Test). Weder 20 noch 50 PS machen bei einem 1.750-Kilo-Auto den Kohl fett. Da kann sich der Journalist einen Wolf messen - oder es gleich bleiben lassen.

Die Frage lautet: Was soll das?

Andere sind nicht besser: Der Seat Leon Cupra hat 265 PS, der Cupra 280 leistet 20 mehr, fällt nun aber durch den Rost, trara - hier kommt der Cupra 290. Was soll das? Ganz klar, hier wird alter Wein in neuen Schläuchen verkauft!

Manchmal entfällt sogar jede technische Verbesserung zugunsten einer einfallsreichen Namensgebung, an die ein zünftiges Preisschild gepappt wird. Jüngstes Beispiel: Aston Martins Steinalt-DB9, dem man nun eine GT-Version draufpackte. Okay. Die Krönung ist aber dessen Bond Edition, die außer Ziernähten und Schriftapplikationen nichts hat, was sich zu kaufen lohnte. Die künstliche Verknappung auf 150 Modelle erlaubte dafür einen kreativen Preiszuschlag - um kassentechnisch bedeutsame 38.000 Euro. Well done!

Beim ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen Aston Martin Vantage zählen Experten mittlerweile 14 Modellvarianten für Coupé und Roadster. Die Briten schrecken dabei auch nicht vor völlig unlogischen Abverkaufs-Auswüchsen zurück, wie zum Beispiel bei den Sondermodellen SP10 und N430, die das löbliche Rennsport-Engagement feiern sollen, aber gleichzeitig als Roadster-Varianten angeboten werden. Was das soll? Nun, der neue Vantage kommt erst 2017 - wenn er kommt. Bis dahin muss der reine Wein ein wenig gestreckt werden - ein Prosit auf die Shareholder!

Porsche und AMG ein wenig anders

Bei unseren Nachbarn in Zuffenhausen und Untertürkheim liegt die Sache doch ein wenig anders: AMG schickt die Black-Series-Modelle zum Abschied immerhin mit einer in aller Regel nennenswerten Anpassung bei Fahrwerk und Leistung heraus. Und in aller Regel sind diese Unterschiede auch messtechnisch relevant. Auch bei Porsche kratzt man gern ein wenig Geld zusammen, wenn die Modelle den Weg alles Irdischen gehen: Der 997 Speedster, der Sport Classic - sie schaffen keine Bestzeiten, greifen aber tief ins Kunstregal und verdienen sich Würdekrönchen.

Nicht jede dieser Varianten ist aus Sportfahrersicht erwägens- oder erstrebenswert. Aber Sondermodelle mit großspurigen Versprechungen rauszuklopfen, die technisch so wenig bringen, dass eine Schweinshaxe im Magen des Testfahrers reicht, um den Leistungsgewinn zu egalisieren - da fragt man sich dann schon: Was soll das? Ach ja, ich vergaß: Das Geschäft muss brummen!

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