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Kommentar über illegale Straßenrennen

Herr, lass Hirn regnen!

Illustration

Sportwagen und Motorsport sind unsere Heiligtümer, nur gibt es Menschen, die beides nicht kapieren. Stefan Helmreich ist fassungslos über die Häufigkeit illegaler Straßenrennen und ihre unvermeidlichen Folgen. Kommentar.

03.03.2016 Stefan Helmreich Powered by

Es liegt mir fern, hier den Moralapostel rauszukehren, schon weil man das tunlichst unterlassen sollte, wenn man sich als überführter Temposünder gerade erst im fahrenden Volk resozialisiert. Aber von Zeit zu Zeit passieren Dinge auf unseren Straßen, da kann man nur den Kopf schütteln. Oder besser gesagt: Da kommt einem die Galle hoch - speziell wenn man selbst kein Heiliger ist.

Die Tragik: Es erwischt immer Unschuldige

Es geschieht nachts, in deutschen Städten. Eine rote Ampel, zwei Autos nebeneinander, ein bisschen beiderseitiges Gasgespiele, ein Blick gibt den anderen - Grün. Jeder kennt das, hat das schon mal erlebt, mitgemacht, ganz egal. Und klar ist das affig, pubertär und vieles andere, aber zunächst noch kein terroristischer Anschlag auf die nationale Verkehrssicherheit.

Immer öfter wird dabei jedoch - ganz offensichtlich - nicht nur die Grenze der Vernunft, sondern auch die des gesunden Menschenverstands überschritten, sodass sich zweifelhafter Spaß zu bitterem Ernst und schließlich zu ganz illegalen Straßenrennen hochschaukelt. Das Tragische daran: Wenn es schiefläuft - und das wird es unweigerlich, wenn Hirnverbrannte mit weit jenseits der 100 km/h durch Innenstädte brettern, ohne Achtung vor Vorfahrt oder Leben - dann erwischt es immer auch Unschuldige.

Dramatische Ausmaße

Alleine in Köln töteten Raser im vergangenen Jahr drei Menschen: einen Taxifahrgast und zwei Radfahrer, alle nichts ahnend und nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sind; in Bremen starb eine Autofahrerin, weil sie einem Rennen auswich und gegen einen Baum prallte. Ein weiterer Fall stammt aus Berlin: In der Nacht zum 1. Februar wurde dort erneut ein Unbeteiligter in das Duell zweier Idioten (der Begriff "Rennfahrer" verbietet sich in diesem Zusammenhang) verwickelt, während er bei Grün eine Kreuzung querte. Sein Jeep kollidierte mit dem Audi des 26-jährigen Rasers, wurde durch die Luft geschleudert und landete Berichten zufolge Meter weiter auf einem Bürgersteig - noch am Unfallort erlag der Fahrer den Verletzungen.

Vielleicht haben Sie die schockierenden Bilder gesehen: den völlig zerfetzten A6, einen Schuh inmitten des Trümmerfelds, im Hintergrund die beleuchtete Gedächtniskirche, die angesichts von so viel Gedankenlosigkeit auf schwer bekömmliche Art ironisch wirkt. Die Frage, die ich mir stelle: Was geht in solchen Leuten vor, und warum geht der Gaul mit ihnen durch? Wir alle fahren gerne schnell, aber es gelten Regeln - Verkehrsregeln. Wer sie ignoriert, hat mit den Konsequenzen zu leben.

Gesetzgeber muss reagieren

Doch neben diesen Regeln gibt es eben auch noch ein Gesetz. Unser Gesetz. Und das besagt: Die Vorliebe für Geschwindigkeit darf niemals andere gefährden - weil man mit den Konsequenzen, die daraus entstehen, am Ende nämlich gar nicht leben kann.

Darüber hinaus besteht keine Notwendigkeit, sich und sein Auto im Straßenverkehr auszuleben. Denn es gibt Trainingsgelände, Rennstrecken, und die sind weder für Profis reserviert noch für Autos besonderer Leistungsklassen. Wer driften will, darf das dort tun, kriegt es sogar beigebracht, bei Trackdays kann man für relativ schmales Geld ans Limit gehen und reinfühlen in die echte Rennerei, die nichts, aber auch gar nichts zu tun hat mit stumpfsinnigem Geradeausgebolze - egal wo.

Außerdem muss der Gesetzgeber reagieren. Der Tatbestand des Straßenrennens wird momentan mit Geldstrafe und einem Monat Fahrverbot geahndet - also nicht groß anders als meine 141 km/h mitternachts in der 100er-Zone am Dreieck Darmstadt, die ich hier keineswegs beschönigen will. Ja, bei extrem schweren Verläufen wie in Köln, Bremen und Berlin kommen noch strafrechtliche Konsequenzen hinzu. Nichtsdestotrotz dürfte jemand, der derart über die Stränge schlägt und dabei jegliche Rücksicht vermissen lässt, grundsätzlich nie wieder ans Steuer gelangen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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