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Kommentar von Marcus Schurig

Der Faktor Rennstrecke ist entscheidend

Rennstrecke, Panorama Foto: John Brooks

Marcus Schurig über den Zusammenhang zwischen spektakulären Rennstrecken und gutem Motorsport, und warum die Hammerpiste in Austin, Texas (hoffentlich) eine Trendwende einleiten könnte.

16.11.2013 Marcus Schurig Powered by

Die Erwartungshaltung war gering. Wieder mal ein Sportwagenrennen auf einer öden Formel 1-Rennstrecke, diesmal eben in Austin, Texas. Hermann Tilke hat den Parcours gezeichnet, und in der Vergangenheit bedeutete das nichts Gutes.

Die FIA verkorkst durch ihre Regeln jegliche Spannung

Die sehr speziellen und höchst einseitigen Sicherheitsanforderungen der Formel 1 bedeuteten in aller Regel: FIA-geödete Kurvenradien, FIA-verkorkste Überholstellen, FIA-erdachte Auslaufzonen von epischer Dimension, die ungefähr den Charme eines Aldi-Parkplatzes verströmen. Die Zuschauer hocken unendlich weit entfernt vom Geschehen und luchsen durch engmaschige Sicherheitszäune.

Die Fotografen werden durch sogenannte Red Zones vom Fotografieren abgehalten und - sehr wichtig - alle Nicht-F1-Piloten jammern und heulen, weil die F1-Kurvenfolgen für GT, Tourenwagen oder Prototypen nur höchst selten eine Herausforderung sind. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die F1-Tribünen ein Fassungsvermögen von weit über 100.000 Zuschauern bieten – eine Zahl, die keine andere Rennserie auch nur annähernd erreichen kann. So gesellt sich zur tristen Strecke auch noch der triste Eindruck, dass die Nicht-F1-Rennen prinzipiell vor leeren Tribünen stattfinden.

Die Rennstrecke von Austin ist nicht nur F1-tauglich

Genug gejammert: Der Kurs in Austin war (fast) das Gegenteil von alledem. Hermann Tilke schuf eine beeindruckende Strecke, die Fahrer waren voll des Lobes. "Ich lerne Strecken normalerweise sehr schnell, da reichen zwei oder drei Runden“, referierte Porsche-Werkspilot Jörg Bergmeister. "Aber in Austin musst du dich erst einarbeiten.“

So konnten ALMS und WEC in Texas gute Rennen bieten. Leider wurde das von den Zuschauern (noch) nicht honoriert, nur 11.000 Tickets wurden für den Double-Header verkauft. Doch es bleibt anzumerken, dass auch die ALMS zum ersten Mal in Austin gastierte und somit das Thema Sportwagen in der Region noch nicht wirklich verankert ist.

Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer, und den hat gerade die ALMS in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt: Guter Rennsport entsteht nur auf guten Rennstrecken. Wir kennen das aus Deutschland - jeder Tourenwagen- oder GT-Pilot schwärmt von der Nordschleife des Nürburgrings. Geht es dann aber darum, ein längeres Rennen auf unseren deutschen GP-Strecken zu bestreiten, dann fällt die Euphorie schlagartig tief in den Keller. Die Herausforderung fehlt, der Kitzel ist weg und die Zuschauer in aller Regel auch.

Geile Rennstrecken lassen sich an zwei Händen abzählen

Die wirklich geilen Monster-Rennstrecken auf dieser Erde lassen sich an zwei Händen abzählen: Nordschleife, Bathurst, Le Mans, vielleicht noch Road Atlanta, dann kommt man schon ins Grübeln. Danach kommt ein gutes Mittelfeld an tollen Kursen, auf denen aber schon der Einsatz hoch moderner LMP1-Prototypen grenzwertig wäre, wie Mosport oder Watkins Glen.

Immerhin hat Amerika noch so ein dichtes Mittelfeld an attraktiven Strecken, in Deutschland und Europa werden Pisten dieser Art immer seltener. Noch gibt es Strecken wie Spa oder Monza, die Charakter und Charisma verströmen, und auf denen neben der Formel 1 auch andere Rennserien eine gute Berechtigung haben.

Trendwende im Rennstreckenbau

Doch der satte Schwung an neuen F1-Pisten in aller Welt hat dem Motorsport nicht wirklich weitergeholfen: In der Türkei finden schon lange keine Rennen mehr statt, in Bahrain, China, Indien oder Korea gastieren nur dann Nicht-F1-Serien, wenn sie mit hohem Antrittsgeld geködert werden. Zuschauer kommen dann trotzdem keine, das kennen wir aus der Sportwagen-WM.

Vielleicht markiert Austin ja wirklich eine Trendwende im Rennstreckenbau - eine tolle Piste, die nicht nur die einseitigen Bedürfnisse der Formel 1 vollauf befriedigt.

Ihre Meinung ist gefragt: Öde Rennstrecken

Der Motorsport krankt auch daran, dass die Rennstrecken immer eintöniger werden und kein Spektakel mehr bieten. Richtig oder falsch? Der Autor freut sich auf Ihre Meinung.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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