Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kommentar von Marcus Schurig

Plädoyer für die Einführung einer Abstellliste

Marcus Schurig, Portrait Foto: Rossen Gargolov 31 Bilder

Marcus Schurig über die ellenlangen Aufpreislisten und den frommen Wunsch, mittels wirkungsvoller Abbestelllisten all das aus dem Traumauto zu verbannen, was aus Sportfahrersicht dort nicht reingehört.

01.05.2014 Marcus Schurig Powered by

Spielen Sie auch gerne mit dem Konfigurator? Das Traumauto im Internet zusammenzupuzzeln, bringt einen zwar faktisch keinen Schritt weiter, aber es ist trotzdem eine hübsche Freizeitbeschäftigung. Und man lernt etwas. Über die unverschämte Aufpreispolitik der Hersteller zum Beispiel: 8.508 Euro Aufpreis für Keramikbremsen bei einem Sportwagen? Oder Sportschalensitze für 6.212 Euro? Warum ist das nicht eh alles schon drin – bei so einem Auto?

Hersteller und ihre Aufpreisliste

Der Sportwagen-Fan lernt aber nicht nur, was das Wort "Aufpreisliste" bedeutet, sondern er stellt auch resigniert fest, was man so alles nicht abbestellen kann. Nur äußerst selten gibt es die Option, Klimaanlage oder Radio wegzulassen – manchmal sogar aufpreisfrei! Wer bei einer solchen Occasion – weniger Ausstattung fürs gleiche Geld – nicht sofort zugreift, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen ...

Doch das wahre Hindernis beim virtuellen Zusammenfügen des Traum-Sportwagens sind heute die Sachen, die man nicht einmal gegen Aufpreis abbestellen kann – und die Liste wird Jahr für Jahr leider immer länger. Als Sportwagenfahrer müsste man ernsthaft für die Einführung der Abbestellliste plädieren, und im optimalen Fall sollte das Wunschauto dann auch weniger kosten. Weniger Ausstattung gleich weniger Kosten – die Umdrehung der Aufpreisliste. Seien wir ehrlich: Die Chancen dafür stehen schlecht.

Abbestellen als Option

Denn die Hersteller können vieles gar nicht mehr ausbauen, was der Sportfahrer gerne verfluchen würde. Das beginnt bei Banalitäten wie elektrischen Fensterhebern oder Sitzverstellungen und hört bei hochkomplexen Elektronikbaugruppen auf, die vernünftige und funktionsfähige mechanische Lösungen immer mehr ersetzen – oder besser: verdrängen.

Die Liste an Sachen, die wir nicht wollen, aber nicht abbestellen können, wird länger. Ganz oben steht das Elektronikgeklimper, das das Fahren so entkoppelt und synthetisch macht: Elektronische Fahrwerke, die den Spagat zwischen sanftem Gleiten und gekonntem Rasen gleichermaßen beherrschen sollen? Eine Propagandalüge von Software-Ingenieuren! Elektronischer Bremseingriff? Um Gottes Willen, stattdessen lieber ein Sperrdifferenzial! Doch wo bestellen, wenn in keiner Aufpreisliste verfügbar? In diesem Fall hilft leider weder die Aufpreisliste noch die imaginäre Abbestellliste wirklich weiter.

Elektronisch verschlimmbesserte Lenkungen sind eine weitere grassierende Seuche, gegen die auch kein Kraut mehr gewachsen ist. Man kann ja schlecht erst das Auto kaufen und dann die ganze Lenkungs-Chose umbauen. Serienmäßige Runflat-Reifen, deren Eigendämpfung so kalkulierbar ist wie das Wetter an der Eiger-Nordwand? Nein danke! Früher kosteten "sequenzielle" Getriebe extra, heute kann man mechanische Schaltgetriebe oft gar nicht mehr ordern, auch nicht gegen Mehrpreis. Es ist Fakt: Die Verfälschung nimmt beim Sportwagen immer mehr überhand, man kann sie nicht abbestellen, und die Hersteller bieten auch keine Möglichkeit, das Unverfälschte dazuzukaufen – ein Dilemma.

War früher alles besser?

Wer in den 90er-Jahren im Touristikverkehr auf der Nordschleife mit straßenzugelassenen Autos schnell fahren wollte, hatte bestenfalls vier Baustellen: Leistung, Bremsen, Rennfahrwerk und Sperre – fertig war ein Straßenauto, das auch auf die Rennstrecke konnte. Wer heute ein Trackday-taugliches Auto sucht, muss eine Heidenkohle ausgeben, um einen GT3 zu kaufen. Mit einem stinknormalen 3er-BMW oder VW Golf GTI wird es schon knifflig. Nicht umsonst kommen einem heute Trackday-Veranstaltungen wie Gruppe-H-Treffen vor: Die Hardcore-Klientel ignoriert die Angebote der Hersteller – und die Hersteller ignorieren ihre Kunden.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige