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Kommentar zum Kaufverhalten der Sportwagenfans

Neu oder gebraucht?

Lotus Elise, Lotus Exile, Gebrauchtwagen Foto: Rossen Gargolov 25 Bilder

Marcus Schurig über das wachsende Desinteresse der Sportwagen-Fans an den Produkten der Hersteller und die Gründe, warum Käufer lieber auf junge Gebrauchtwagen schielen als neue Technologie zu kaufen.

24.12.2014 Marcus Schurig Powered by

Sportwagen-Fans sind eigentlich bekannt dafür, dass sie immer die neueste Technologie wollen. Denn neue Sportwagen sind ja meist schneller als die alten, längs- wie querdynamisch. Doch diese alten Glaubenssätze geraten zunehmend in Gefahr, wie wir von unseren Lesern immer häufiger hören. Für viele Sportwagen-Fans ist die neueste Technologie nicht mehr die begehrenswerteste.

Immer mehr Komfortplunder im Sportwagen

Es ist nicht schwer auszumachen, woran das liegt. Da sind natürlich die finanziellen Aspekte des Neuwagenkaufs, die jedem Fan seit jeher aufs Gemüt drücken: Man kauft einen Nissan GT-R, was ja für sich betrachtet eine preisbewusste Entscheidung ist, lässt ihn zu, fährt ihn vom Hof – und schwupps hat sich ein Drittel des Werts verdünnisiert. Was spricht dagegen, den Erstbesitzer diesen Verlust tragen zu lassen, und mehr Zeit damit zu verbringen, einen schönen jungen Gebrauchten zu finden? Nichts bis wenig.

Neben den pekuniären Aspekten macht uns etwas anderes Sorge: Fundamentale Teilaspekte der modernen Sportwagentechnologie empfinden viele scheinbar als antisportlich: permanente Regeleingriffe von ABS, Traktionskontrolle und ESP, womöglich ohne Abschaltmöglichkeit? Ganz fürchterlich. Immer schwerere Autos mit immer mehr Komfortplunder, die der Sportfahrer gar nicht will? Völlig entbehrlich.

Die flächendeckende Zwangsbestückung von Sportwagen mit Turbotechnik? Hier droht der Einheitsbrei, technisch wie vor allem akustisch, zudem mit negativen Auswirkungen bei der Gasannahme. Und obendrein saufen Turbos bei Volllast oder auf der Rennstrecke meist mehr als Saugmotoren – trotz anderslautender Behauptungen der Automobilhersteller.

Höchstpreise für Gebrauchtwagen

Der Gebrauchtwagenmarkt ist in vielen Sportnischen heute völlig leer gefegt, stellen Experten mit Verwunderung fest. Selbst optische No- Gos wie die Elfer der 996-Baureihe mit ihren wenig erotischen Boxster-Scheinwerfern erzielen heute absolute Höchstpreise, besonders der Turbo und der GT3. Neue Gebrauchte stehen hoch im Kurs, und wir reden hier nicht von Youngtimern, sondern von Sportmodellen aus den letzten zehn Jahren.

Deren Kennzeichen war die Ehrlichkeit: klassische, frei saugende Sporttriebwerke mit sechs, acht oder zehn Zylindern und herzzerreißender Musikalität. Mechanische Sperrdifferenziale ohne elektronische Bremseneingriffe. Harte, ehrliche Fahrwerke, die nicht den untauglichen Versuch unternehmen, Anforderungen des Alltags und des Sports gleich gut abfedern zu wollen. Dazu niedriges Gewicht, nach Sportkriterien abgestimmte Lenkungen und lukrative Preise. Vom Baukastenwahn, dem großen Plattwalzer automobiler Einzigartigkeit, wollen wir hier gar nicht sprechen.

Der Trend zu den jungen Gebrauchten ist nicht zu leugnen, und die Hersteller sollten sich alarmiert fühlen. Denn wenn sie Autos bauen, die die Zielgruppe nicht mehr versteht, werden sie in Zukunft in Seenot geraten. Klar, einen Ferrari 458 würde auch ich mir sofort kaufen, aber wer kann das bezahlen? Bei einem M3 – Entschuldigung, M4 – gerate ich schon ins Grübeln, würde vermutlich den V8-Hammervorgänger nehmen statt des aktuellen 1.600-Kilo-Koffers mit seinem drögen Turbosound. Offenbar bin ich nicht allein.

Rückschritt durch Technik?

Fortschritt durch Technik – dieser Glaubensgrundsatz gerät im Sportwagensegment ins Straucheln. Man könnte bei vielen Aspekten eher von Rückschritt durch Technik sprechen. Und mal ganz ehrlich: Ein guter Teil der tendenziell nach wie vor positiven Rundenzeitenentwicklung ist mehr der Reifentechnologie geschuldet als der Fahrzeuginnovation.

Und die Moral von der Geschicht'? Halbe Eier rollen nicht. Wenn Sportwagen keine Sportwagen mehr sind, verkrümeln sich die Fans und ihr Geld in die Vergangenheit.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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