Premium und Vans, das war bislang eine so unvorstellbare Kombination wie naturverbundene Alternativ-Politikerin mit Botox-Behandlung, frei nach dem Motto: Geht gar nicht. Aber die Zeiten ändern sich. Mercedes hat sich - nach eher nutzfahrzeuglastigen Ausflügen mit Vaneo und Viano - im Kompaktsegment mit der B-Klasse als einer der ersten Hersteller zu diesem Konzept bekannt. BMW stellt auf dem Pariser Autosalon im Herbst den ersten frontgetriebenen Van der Marke auf Mini-Plattform vor.
Und Audi? Tja, da liegen die Dinge noch etwas anders. "Audi ist keine Van-Marke", erklärte Designchef Wolfgang Egger noch vor einem dreiviertel Jahr gegenüber auto motor und sport. "Das, was man heute unter einem Van versteht, wird Audi nie bauen." Aber schon damals hat er das Konzept nicht kategorisch ausgeschlossen: "Wenn wir so etwas darstellen, dann wird es etwas komplett Neues sein, das zu unserer Designsprache und zu unserem Produktanspruch passt."
Neu ist zweifellos der Baukasten - zumindest im Moment: Der geplante Sechssitzer basiert auf dem modularen Querbaukasten, der in Form des neuen Audi A3 erstmals auf dem Genfer Autosalon Anfang März zu sehen war. Er dient auch dem nächsten VW Touran, mit dem der Audi-Van ab 2014/15 die Gene teilt. In der Länge streckt sich der Audi mit seinen drei Sitzreihen auf rund 4,50 Meter. Technisch ist der Van also ein Golf-Derivat, das es zur Markteinführung ebenso mit sparsamen Vierzylinder-Benzinern inklusive Zylinderabschaltung geben wird wie in einer Erdgas-Variante. Die befindet sich schließlich auch für den A3 in Vorbereitung.
Eine besondere Audi-Prägung bekommt das Konzept nicht nur durch eine umfangreiche Multimedia-Ausstattung, die bis dahin sogar die Gestensteuerung umfassen dürfte, sondern auch durch eine sportliche S-Version und natürlich den Quattro-Antrieb. Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Premiumkonkurrenz dürften diese Features dann aber nicht mehr sein. Auditypisch soll das A3-Derivat vor allem durch seine dynamischen Fahreigenschaften überzeugen - ein Touran darf da jedenfalls nicht mithalten können.
Kompaktklasse von Mercedes aufgemischt
Mercedes plant ebenfalls eine beeindruckende Produktoffensive in der Kompaktklasse. Dazu zählt - offenbar angestachelt vom Erfolg des Range Rover Evoque - auch eine Art SUV-Coupé auf Basis des intern X168 genannten GLC. Vor 2015 kommt dieses Modell zwar nicht auf den Markt, wird dann aber wahlweise mit Front- oder Allradantrieb angeboten. Das Fahrwerk verfügt über die neu entwickelte Vierlenker-Hinterachse und kann gegen Aufpreis mit Sportabstimmung und Direktlenkung ausgerüstet werden. Gut möglich, dass es auch von dem Gelände-Coupé eine AMG-Version mit rund 350 PS geben wird. In anderen SUV der Marke verkaufen sich diese Varianten schließlich prächtig, und ab 2013 soll bereits die A-Klasse mit Biturbo als AMG-Version erscheinen.
Vor dem Verkaufsstart des GLC sieht der Mercedes-Fahrplan in der Kompaktklasse folgende Derivate vor: Zunächst debütiert 2013 das viertürige Coupé, das nun CLA getauft wurde, gefolgt vom viertürigen GLC auf Basis der neuen Kompakt-Plattform. Zusätzlich steht die Entscheidung aus, ob noch 2015 eine zweitürige A-Klasse, ein Cabrio oder ein Kombi-Ableger, pardon, Shooting Brake-Ableger des CLA folgt. "Möglicherweise schicken wir sogar einfach ein Modell mehr als bislang geplant auf die Straße", verrät ein Daimler-Manager.
Das Cabrio sei dabei die aufwendigste Lösung. Darüber hinaus geistert noch die Idee einer Art Mercedes B-Klasse Plus durch die Entwicklungsabteilung. Durch einen längeren Radstand sowie einen größeren hinteren Überhang könnte sie bis zu sieben Personen Platz bieten und so den geplanten Vans von Audi und BMW Konkurrenz machen.
Smart-SUV gegen Mini-VanAn den Produktionskapazitäten soll es nicht scheitern, denn allein im neuen Werk in Ungarn könnten mit Hilfe einer dritten Schicht und steigender Effizienz statt der aktuell vorgesehenen 100.000 Einheiten pro Jahr doppelt so viele Fahrzeuge gebaut werden. Wolfgang Bernhard, Daimler-Produktionsvorstand, will den Zeitaufwand pro Fahrzeug erheblich drücken: "2008 lagen wir bei 43 Stunden, 2015 sollen es nur noch 30 sein". Um die EU-Richtlinien hinsichtlich der CO2-Emissionen verbindlich zu erfüllen, muss auch Smart stärker eingebunden werden, wie Vertriebsvorstand Joachim Schmidt durchblicken lässt: "Eine Serienproduktion der in Detroit präsentierten Pickup-Studie wäre zwar durchaus denkbar, ist allerdings noch nicht verabschiedet."
Zunächst bedarf es bei Smart jedoch an Feinschliff bei der Zusammenarbeit mit Partner Renault-Nissan - hier stimmt der Takt noch nicht. Gedacht wird aber aus der Kooperation heraus an ein Smart-SUV im Stil des Nissan Juke auf einer Länge von rund 4,20 Metern. Da droht also neue Konkurrenz für Mini, doch der Konter kommt: Der neuen Generation (ab 2013) folgt 2014/15 ein kleiner Van, der die Basis mit BMW teilt und ebenfalls rund 4,20 Meter lang sein wird.
Und was macht Kompaktklasse-König VW? Der wird auf Basis des Golf VII (ab November im Handel) wieder ein Cabrio mit Stoffverdeck anbieten, das 2016 auf den Markt kommt. Und auch hier soll die Zahl der Varianten gesteigert werden. In den Startlöchern stehen der Golf CC und ein siebensitziger Tiguan. Von Rang eins will sich die Marke in ihrem stärksten Segment trotz neuer Konkurrenten nicht verdrängen lassen.






