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US-Konzeptfahrzeuge

Der amerikanische Traum

Konzeptfahrzeug, Ford Model 40 Special Speedster Foto: High Museum of Art, Atlanta 19 Bilder

Der Griff nach den Sternen inspirierte US-Autobauer zu fantastischen Studien. Viele sind erstmals gemeinsam in der Ausstellung "Dream Cars" in Atlanta zu sehen.

12.09.2014 Daniel Hohmeyer

Konzeptfahrzeuge sind eigentlich kaum mehr als dreidimensionale Entwürfe, materialisierte Skizzen – Träumereien. Hersteller spekulieren mit ihnen über die automobile Zukunft. Klar, ob diese Zukunft eintritt, wissen sie selbst nicht. Bei der Entwicklung bekommen Designer alle nur denkbaren Freiräume, um Form und Funktion neu zu interpretieren. Auf diese Weise etablieren sich ihre Schöpfungen unverkennbar als Visionen ihrer Zeit. Die Silhouetten der Kreationen verraten durchaus das Jahrzehnt, in dem diese Gestalt annahmen. Ach ja: Ob die Autos tatsächlich fahren können, ist oft zweitrangig.

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Fotoausstellung Atlanta Amerikanische Konzeptfahrzeuge
auto motor und sport 17/2014
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Austellung von 17 Konzeptfahrzeugen in Atlanta

Unter den Deckenleuchten des High Museum of Art in Atlanta schimmern 17 Konzepte von 1934 bis 2010. Und obwohl mit dem Lancia Stratos HF Zero, dem Nachbau des zerstörten Bugatti Type 57S Compétition Coupé Aerolithe und dem Porsche 918 Spyder Concept europäische Konzepte vertreten sind, dominieren amerikanische Formen –besonders die einer Design-Legende: Harley J. Earl. Vier der ausgestellten Concept-Cars entstanden unter der Leitung des ehemaligen Designchefs von General Motors. Er war der Mann, der amerikanische Autoträume Wirklichkeit werden ließ.

Sein wohl einflussreichstes Design war das des GM Le Sabre XP-8 von 1951. Mit dem zweisitzigen Cabrio veränderte er die Formensprache amerikanischer Automobile für das nächste Jahrzehnt. Neben geradezu außerirdischen Konzepten wie Earls raketengleichem Firebird I XP-21 von 1953 wirkt der Le Sabre beinahe dezent und seriennah. In gewisser Hinsicht ist er das auch, denn für Earl war es keineswegs zweitrangig, dass der Wagen fahren konnte.

Bremsleuchte wie eine Turbine

Zwei Tanks versorgen einen 335 PS starken Aluminium-V8. Bei normaler Fahrt fördert der Vergaser Benzin in die Brennkammern, erst bei starker Beschleunigung schaltet sich ein zweiter Vergaser zu und mischt Methanol aus einem separaten Tank in den Treibstoff. Mit bis zu 7.000/min schiebt der Motor das 1,7-Tonnen-Cabrio voran. Die über fünf Meter lange Magnesiumkarosserie mit weiten Überhängen enthält Design-Elemente aus dem Flugzeugbau. Nirgendwo wird das deutlicher als am Heck. Mittig zwischen den dominanten Finnen flackert die Bremsleuchte, die unverkennbar dem flammenden Ende einer Düsenturbine nachempfunden ist. Zwischen 1951 und seinem Eintritt in den Ruhestand 1958 fuhr Earl den Le Sabre beinahe täglich. 45.000 Meilen spulte er in dieser Zeit damit ab – viele davon zügig. Er liebte den Motorsport, weshalb das Cabrio gelegentlich als Pace-Car über die Rennstrecke rauschte.

Am Vortag eines Rennens in Watkins Glenn, New York, unternahm Earl eine Spritztour. Er bremste an einem Bahnübergang. Beim Anfahren würgte er den Motor des Le Sabre ab, und die Brennräume füllten sich mit Benzin. Zunehmend verärgert versuchte er den Wagen zu starten – vergeblich. Erst nachdem sich der Motor abgekühlt hatte, begannen die acht Zylinder wieder zu feuern. Wütend presste Earl das Gaspedal zu Boden und riss den Wählhebel in D. Unter dem plötzlich anliegenden Drehmoment und der Wirkung des zugeführten Methanols verwand sich die Antriebswelle heftig. Ratternd rollte der Wagen zurück nach Watkins Glenn. In einer hektischen Nacht schweißten die Mechaniker, die eigens für den Le Sabre vor Ort waren, ein neues Stück in die Antriebswelle.

Am nächsten Tag fuhr das Concept-Car auf der Rennstrecke. Earl war getrieben von Konkurrenzdenken, und jedes seiner Produkte hatte besser zu sein als das anderer Hersteller.

Ein Ford für 1,76 Millionen Dollar

Der bivalente Antrieb schaffte es nicht in die Serie, dennoch begründete der Le Sabre den amerikanischen Trend der Finnen, Flossen und Flügel. Sie dominierten das Fahrzeugdesign der Fünfziger, und auch der Name Le Sabre lebte als Buick-Modellbezeichnung bis 2005 weiter. Earl, der 1969 im Alter von 76 Jahren in Florida starb, entwarf bis Ende der 50er-Jahre weitere Konzepte. Darunter den Buick Centurion XP-301, der durch seine Fiberglas-Karosserie sowie eine Kamera anstelle eines Rückspiegels auffiel. Earl war besessen davon, Designer anderer Marken zu übertreffen.

Begonnen hatte das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, als Edsel Ford, Sohn von Henry, den Model 40 Special Speedster präsentierte. Ein eleganter Sportwagen, der jedoch keine Trendwende auslöste. Für lange Zeit war nicht einmal sicher, ob er überhaupt noch existierte. Edsel Ford beauftragte 1932 den Ford-Designchef E. T. Gregorie, einen Sportwagen in europäischem Stil zu entwerfen. Es entstand eine Aluminiumkarosserie, die mit dem modifizierten Chassis eines 1934er Ford Roadster verheiratet wurde. Zusammen mit dem 75-PS-Motor eines Ford Model 40 brachte der Speedster weniger als eine Tonne auf die Waage. Nach Edsels Tod 1943 wechselte das Unikat, das zu diesem Zeitpunkt mit einem Wert von 200 Dollar beziffert wurde, nahezu jährlich den Besitzer. Bei einer Auktion im März 2008 erzielte es einen Preis von 1,76 Millionen Dollar.

Unter den Lichtern des High Museum sind die Konzepte von Earl und Ford nur durch wenige Meter getrennt. Beide haben die Autowelt auf unterschiedliche Weise beeinflusst. Der Speedster als Mythos und automobiles Fabelwesen, der Le Sabre als Vorreiter und Trendsetter. Beide sind mehr als simple Entwürfe oder Blicke in die Zukunft – sie sind amerikanische Träume.

High Museum of Art

Die Ausstellung "Dream Cars – Innovative Design, Visionary Ideas" findet im High Museum of Art in Atlanta statt. Vom 21. Mai bis 7. September werden dort 17 Konzeptfahrzeuge aus der Zeit von 1934 bis 2010 präsentiert. Dazu gehören unter anderem: Chrysler Streamline X (1955), Stout Scarab (1936), L'OEuf électrique (1942) und Ferrari 512 S Modulo (1970).

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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