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Korruptionsaffäre

Faurecia schmiert?

Foto: Faurecia

Wegen des Verdachts der Korruption ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Mitarbeiter mehrerer deutscher Autokonzerne. Zunächst waren VW und Audi ins Visier der Justiz geraten. Bei der Korruptionsaffäre geht es um Schmiergelder für bevorzugte Auftragsvergaben an den französischen Zulieferer Faurecia.

24.07.2006

"Dem Unternehmen wird zur Last gelegt, spätestens seit 1998 Schmiergelder im Umfang von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an mehrere Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen von deutschen Automobilkonzernen gezahlt zu haben», teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Frankfurt mit. Die Ermittlungen dauerten bereits seit knapp einem Jahr an und richteten sich gegen 20 Personen.

Dabei sei auch ein zweiter, namentlich nicht genannter Zulieferer in Verdacht geraten. Zwei Einkaufsleiter von VW und ein Mitarbeiter der Tochter Audi stehen laut Staatsanwaltschaft im Mittelpunkt der Untersuchungen. Alle drei Tatverdächtigen sollen von Faurecia Schmiergelder von mehreren hunderttausend Euro für bevorzugte Auftragsvergabe erhalten haben. Neben Geld hätten die Männer im Alter zwischen 46 und 64 Jahren nach ersten Erkenntnissen auch Möbel und Urlaubsreisen angenommen. Faurecia zählt zu den zehn größten Autozulieferern weltweit und beliefert zahlreiche Konzerne.

Nach umfangreichen Vorermittlungen durch das Bundeskriminalamt seien drei Tatverdächtige in Untersuchungshaft genommen worden. Hierbei handelt es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um zwei Mitarbeiter von Faurecia im Alter von 43 und 58 Jahren sowie einen VW- Mitarbeiter. "Nach einem umfassenden Geständnis ist zwischenzeitlich einer der Inhaftierten wieder auf freien Fuß gesetzt worden", berichtete Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel.

Bei Volkswagen richte sich der Verdacht gegen zwei Verkaufsleiter im Alter von 46 und 64 Jahren, bei Audi gegen einen 53 Jahre alten Mitarbeiter. Der im Jahr 2002 ausgeschiedene Einkaufsleiter der Marke VW hat laut Staatsanwaltschaft bis zu seinem Ausscheiden mindestens 139.000 Euro in bar für bevorzugte Auftragsvergabe erhalten. Außerdem soll er von einem zweiten Zulieferer, dessen Namen der Oberstaatsanwalt nicht nennen wollte, 408.000 Euro angenommen haben. Der zweite VW-Mitarbeiter soll Möbel, Urlaubsreisen und erhebliche Geldzahlungen erhalten haben.

Der verdächtigte Audi-Mitarbeiter, der noch in Untersuchungshaft sitzt, hat laut Bechtel mindestens 160.000 Euro Bargeld angenommen. Außerdem habe er als Gegenleistung erreicht, dass seine 32 Jahre alte Freundin bei einem Zulieferbetrieb in der Schweiz zu einem überhöhten Gehalt von 3.400 Euro monatlich angestellt wurde.

Vor einem Jahr war die VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten ins Rollen gekommen. In ihrem Verlauf traten Arbeitsdirektor Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert zurück. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Alle wollen bei der Aufklärung helfen

Faurecia kündigte am Montag ebenso wie Audi an, in der Korruptionsaffäre umfassend mit der Justiz zusammenzuarbeiten. "Es ist im Interesse von Faurecia, dass diese Affäre völlig aufgeklärt wird", sagte Faurecia-Chef Pierre Lévi in Paris. "Wir unterstützen natürlich die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft", sagte ein Audi-Sprecher in Ingolstadt. Ein VW-Sprecher hatte bereits am Wochenende erklärt, Volkswagen als geschädigtes Unternehmen unterstütze die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft "aktiv und mit allen Kräften".

Daimler-Chrysler weiß nach eigenen Angaben nichts von einer Verwicklung in die neue Korruptionsaffäre. Bei Opel erklärte ein Unternehmenssprecher, man werde von Faurecia beliefert, sei aber nicht betroffen von der Affäre. Von BMW hieß es dazu lediglich: "Bei uns gibt es nichts Neues."

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben für den Fall zuständig, weil einer der Beschuldigten eine Tat in Frankfurt begangen habe. Die Finanzverwaltung habe einen Tipp gegeben, der das Verfahren auslöste.

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