Kraftstoff-Besteuerung: Kritik am vergünstigten Diesel wächst

In der Ölindustrie mehren sich die Stimmen gegen die steuerliche Förderung von Dieselkraftstoff. Würden in ganz Europa die steuerlichen oder sonstigen politischen Anreize zugunsten des Dieselkraftstoffs abgeschafft, könne sich die Abhängigkeit von Russland verringern.

Das sagte Iain Conn, der verantwortliche Manager des BP-Konzerns für Verarbeitung und Vertrieb, nach einer am Mittwoch (10.12.) in Bochum verbreiteten Mitteilung. Gegenwärtig müsse Westeuropa wegen der steigenden Nachfrage eine zunehmende Menge Diesel aus Russland importieren.


Die Diesel-Förderung ziehe zudem weitere unerwünschte Konsequenzen nach sich. Weil mehr Diesel, aber weniger Benzin verbraucht werde, exportiere Europa das hochwertige Benzin in die USA. "Europa wird damit gleichzeitig abhängiger von den Lieferungen aus Russland und gefährdeter durch Abschwung auf dem US-Markt", sagte Conn. Das wachsende Ungleichgewicht zwischen Benzin und Diesel in Europa erfordere aufwendige Investitionen in Raffinerien und führe zu erschwerten Produktionsbedingungen. Das ziehe einen erhöhten Ausstoß an Kohlendioxid nach sich.

In Deutschland ist Diesel um ca. 18 Cent je Liter niedriger besteuert als Benzin für Ottomotoren. Das sollte ursprünglich einmal Kleingewerbetreibende und Landwirte sowie den gewerblichen Güterverkehr entlasten, die nahezu die einzigen Nutzer von Dieselfahrzeugen waren.

Mittlerweile ist der Dieselantrieb auch für private Pkw-Nutzer attraktiv geworden; der Dieselabsatz steigt Jahr für Jahr und hat schon seit 2000 den Benzinabsatz überflügelt. Von dem Steuervorteil merken die Verbraucher in Deutschland nicht viel; er wird weitgehend durch die höheren Einkaufspreise für Diesel auf den europäischen Mineralölmärkten aufgebraucht.

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dpa

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