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Kraftstoff-Verbräuche

So teuer ist Autofahren wirklich

Audi A1 Foto: Hersteller 41 Bilder

In Zeiten hoher Spritpreise stören sich die Autofahrer besonders an den realitätsfernen Norm-Verbrauchsangaben der Fahrzeughersteller. Wie unsere Auswertung zeigt, kann der tatsächliche Verbrauch um bis zu 70 Prozent höher ausfallen als im Prospekt.

06.02.2013 Henning Busse

Es ist kein neues Thema, aber eines, das immer wieder für Wut und Verwunderung sorgt. Für handfeste Streits zwischen Autohändlern und Kunden. Und für viele Gerichtsprozesse. Die Rede ist von den Kraftstoffverbräuchen, mit denen die Hersteller werben. Lange Jahre hat die Diskrepanz zwischen der Angabe im Verkaufsprospekt und dem tatsächlichen Verbrauch viele Autofahrer kaum gestört, doch in Zeiten hoher Spritpreise werden die Kunden nun dünnhäutiger.

Normverbräuche sind alles andere als realitätsnah

Allerdings ist es falsch, allein der Branche den Schwarzen Peter zuzuschieben. Die Herstellerangaben sind das Ergebnis des so genannten NEFZ-Tests (Neuer Europäischer Fahrzyklus), den die Europäische Union (EU) bei Neuwagen vorschreibt. Die realitätsfernen Verbräuche kommen zustande, weil die Politik lediglich Prüfläufe unter Laborbedingungen vorschreibt. So ermittelt die Branche auf Rollenprüfständen nach exakt festgelegten Bedingungen und Fahr-
zyklen den Spritkonsum der Modelle. Allerdings steigt das Tempo niemals über 120 km/h. Vollgasbeschleunigungen fehlen somit.

Genausowenig wird Rücksicht auf wesentliche Stromverbraucher wie beispielsweise Klimaanlage oder Radioanlage genommen. Sie müssen beim Testlauf ausgeschaltet werden. Dabei treiben gerade die elektrischen Verbraucher den Spritkonsum in die Höhe - die Klimaanlage zum Beispiel um bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer. Hinzu kommt, dass die Autos während des Zyklus etwa zwei Drittel der Zeit mit niedrigem Tempo (bis 50 km/h) auf dem Rollenprüfstand gefahren werden. Mehr noch: Sogar die Außentemperatur ist geregelt. Sie liegt zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Lange Kaltlaufphasen des Motors, wie sie im Winter entstehen und den Verbrauch erhöhen, fallen somit unter den Tisch – das ist alles andere als realitätsnah.

Abweichung bei geprüften Autos beträgt mindestens 20 %

Das erkannte nun auch die EU und prüft Änderungen der Norm, was der Industrie natürlich nicht schmeckt. Schließlich kann sie mit NEFZ Verbräuche bewerben, die bis zu 70 Prozent unter den tatsächlichen Werten liegen. Schlimmer für die Kunden: Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern können die Spritkosten um bis zu 1.100 Euro höher liegen, als auf Basis des Normverbrauchs gerechnet. Das ergab unsere Auswertung, bei der die Hersteller-Angaben mit den Testverbräuchen der Redaktion verglichen wurden. Bei keinem der rund 80 untersuchten Modelle stimmten Theorie und Praxis überein – nicht mal annähernd. Die Abweichung bei den besten Autos lag immer noch über 20 %.

Aus juristischer Sicht ist auch das zu hoch, denn viele Gerichte erlauben bei einer Abweichung von mehr als zehn Prozent den Rücktritt vom Kaufvertrag. Der Haken an der Sache: In der Regel wird ein Gutachter beauftragt, das zu überprüfen – was jedoch nicht auf der Straße geschieht, sondern auf dem Rollenprüfstand.

Download Verbrauchsabweichungen wichtiger Modelle im Überblick (PDF, 0,70 MByte) Kostenlos
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