Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kratzer im Lack - Experten diskutieren Mercedes-Legende

Foto: Frank Herzog 10 Bilder

In einem Fernsehbeitrag von SWR-Redakteur Eberhard Reuß wurden erneut Zweifel an der Lackabkratz-Legende des Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer laut. Mercedes reagierte prompt und lud am 24. Juli eine Expertenrunde zur Diskussion ins Classic-Center.

26.07.2007 Hans-Jörg Götzl Powered by

Die Geschichte gehört längst zur motorsportlichen Allgemeinbildung: Beim ersten Rennauftritt des neuen Mercedes W 25 beim Eifelrennen am 3. Juni 1934 habe der Wagen bei der Fahrzeugabnahme ein Kilogramm zu viel gewogen; Rennleiter Neunbauer habe daraufhin in der Nacht vor dem Rennen den weißen Lack abkratzen lassen, um das Gewichtslimit von 750 Kilogramm zu erreichen. Mit dem nunmehr silbernen Mercedes gelang Manfred von Brauchitsch ein triumphaler Sieg - seither wird das Ereignis als Geburtsstunde der Silberpfeile gefeiert.

Motor Klassik veröffentlicht erste Zweifel schon 1994

Zweifel an Neubauers Darstellung kamen allerdings bereits 1994 auf, als der damals 83 Jahre alte ehemalige Mercedes-Rennmechaniker Eugen Reichle in der Februar-Ausgabe von Motor Klassik erklärte, die Autos seinen niemals weiß lackiert gewesen, also habe es auch keine Farbe zum Abschleifen gegeben: "Die Geschichte hört sich zwar gut an, und sie wird auch immer gerne erzählt - sie stimmt nur leider nicht."

Neuen Stoff erhielt die Diskussion dann im Juni dieses Jahres, als Eberhard Reuß in einem Fernsehbeitrag für die ARD weitere Zweifel an der Legende anmeldete und bislang unbekanntes Bildmaterial veröffentlichte, in dem ausschließlich silberne Autos zu sehen sind. Außerdem hatte der Fernsehjournalist die Ausschreibung des Eifelrennens zu Tage gefördert, das gar nicht nach der neuen Gewichtsformel ausgetragen wurde - somit hätte auch kein Grund zum Lackabkratzen als Gewichtsminderung bestanden.

TV-Ausstrahlung ficht die Diskussion erneut an

Seit der Ausstrahlung wird das Thema in Fach- und Fankreisen wieder heiß diskutiert. Mercedes-Museumschef Michael Bock und Heritage-Sprecher Josef Ernst reagierten daraufhin erfreulich offen, verbrachten nun selbst zusammen mit Archivchef Harry Niemann viele Tage und Nächte im Konzernarchiv und luden schließlich eine Expertenrunde zur Diskussion ins Mercedes-Benz Classic-Center nach Fellbach - darunter auch Harvey Rowe, der in den Fünfzigern Neubauers Rennerinnerungen "Männer Frauen und Motoren" verfasst hatte sowie die Automobilhistoriker und Fachautoren Doug Nye und Karl Ludvigsen.

In Gegenwart eines W 25 wurde nun heiß diskutiert, Fotos gezeigt und bewertet und alte Quellen herangezogen. Zu einem definitiven Ergebnis kam die zum Teil philosophisch geführte Diskussion bislang allerdings nicht: "Wir werden weiter forschen müssen" erklärte Josef Ernst zum Abschied.

Eine ausführliche Geschichte mit allen Argumenten für und wider die Lack-Legende samt allen relevanten Fotos gibt es in der kommenden Ausgabe von Motor Klassik: am Kiosk ab dem 15. August 2007.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige