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Kroatien-Reise

Unterwegs auf abgelegenen Schotterpisten

Foto: Gerald Penzl 12 Bilder

Über zehn Jahre nach Kriegsende boomt Kroatien. 5.000 Kilometer Küste und 1.100 Inseln ziehen wieder die Badeurlauber an. Doch nicht nur die kommen auf ihre Kosten. Das Hinterland ist ein Paradies für Offroad-Fans. Eine Erkundungstour im Suzuki Jimny.

19.08.2008 Gerhard Penzl

Mit dem Suzuki Jimny nach Kroatien? Wollt ihr denn keine Tauch-Ausrüstung mitnehmen? Bei Kroatien-Reisenden denkt man meist an Flossen, Taucherbrille und bepackte Familienautos. Trotzdem ist der kleine Jimny das ideale Gefährt für die Tour. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist Kroatien nicht nur ein Paradies für Wasserratten, sondern auch das Land enger, abgelegener Schotterpisten.

Das behauptet jedenfalls Igor Bozikovic, und der muss es wissen. Seit rund zehn Jahren organisiert er die Croatia Trophy. "Gegen diese Hardcore-Rallye", schmunzelt er, "ist die Paris-Dakar ein Kinderspiel." Ob Übertreibung oder nicht, jedenfalls klopft er zum Abschied dem Jimny anerkennend auf die Motorhaube. "So einer war 2007 mit dabei und hat sich gegen die Land Rover und Toyota Landcruiser tapfer geschlagen."

Der Jimny nimmt die Steigung jenseits von zehn Prozent problemlos

So geadelt stürzt sich unser Mini-Offroader ins Verkehrsgewühl der Hauptstadt Zagreb, schiebt sich im Schritttempo durch einen architektonischen Mix aus KuK-Zeit, öder Plattenbau-Tristesse und hypermodernen Glas-Beton-Konstruktionen. Hinter der Mautstation der E 05 geht es schließlich in Richtung Südwesten. Gemächlich schleicht der Jimny mit 120 km/h durch dünn besiedelte Naturlandschaften und quert die Ausläufer des 1.500 Meter hohen Gorski-Kotar-Massivs.

Zwei Stunden später steigt die erste Prise Salzluft in die Nase. Bevor es zu einem Abstecher auf die Halbinsel Istrien geht, dreht der Jimny noch eine Runde durch die Altstadt der Küstenmetropole Rijeka, um dann das Ucka-Gebirge ins Visier zu nehmen. Endlich ins Gelände. Mit jeder engen Kurve der Serpentinenstraße werden die Villen und Jahrhundertwende-Paläste des Badeörtchens Opatija, die unten im Tal leuchten, immer mehr zu Spielzeughäusern. Der Jimny nimmt die Steigung jenseits von zehn Prozent, als sei er nur für diese schmale, steile Straße gebaut worden. Vom Gipfel des 1.401 Meter hohen Vojac bietet sich ein weiter Blick über das Hinterland der Halbinsel mit von schüsselförmigen Senken durchlöcherten Hügeln.

Wieder im Tal, muss eine Stärkung her. In der sonst einsamen Gegend sind Gourmettempel so weit verbreitet wie vierblättrige Kleeblätter. Ein über die Grenzen bekanntes Restaurant ist die Attraktion des 120-Seelen-Dorfs Livade. Das Lokal gehört Giancarlo Zigantes und verdankt seine Popularität einem Glückstreffer. 1999 fand Zigantes einen 1,3 Kilogramm schweren Trüffelpilz, der ihm den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde bescherte.

Nach einem guten, aber teuren Mahl macht sich die satte Jimny-Besatzung auf die Fähre zur Insel Cres. Schon nach wenigen Kilometern auf der Inselhauptstraße A 100 Richtung Süden kreisen Gänsegeier über uns, pflügen rechts und links weiße Segler durch das tintenblaue Meer. Cres ist 66 Kilometer lang und zwischen zwei und zwölf Kilometer breit. Große Hotelburgen gibt es auf dem Eiland nicht, nur ein paar Fischerdörfer, kleine Marinas und jede Menge Feldwege und Schotterpisten.

Im Velebit-Gebirge ist der Jimny in seinem Element

Tüpfelchen auf dem viel zitierten "i" ist Valum. Ein malerisches Irgendwo am kiefernbewaldeten Westufer mit kleinen Restaurants, die exzellente Fischgerichte zu Preisen servieren, für die Trüffel-König Zigantes wohl keinen Finger rühren würde. Dazu wird guter kroatischer Landwein gereicht. Als der Kellner den Jimny erblickt, grinst er, spendiert einen Espresso und serviert ein paar ordentliche Staub- und Schotterempfehlungen dazu.

Während Cres nur mit dem Schiff zu erreichen ist, können Besucher der Nachbarinsel Krk sogar per Flugzeug anreisen. Außerdem führt eine Brücke zum Festland. Kaum hat der Jimny diese kühn geschwungene Stahlkonstruktion unter die Räder genommen, klatscht ihm der Starkwind Bora in die Flanken. Damit es den kleinen Offroader nicht von der Brücke weht, heißt es konzentriert und kräftig gegenlenken. Aber nicht nur wir haben Probleme. Direkt vor uns kämpft ein alter Yugo verbissen gegen das berühmt-berüchtigte Himmelsgebläse an. Im Kampf gegen den Seitenwind machen SUV wie Audi Q7 oder Porsche Cayenne klar die bessere Figur, doch nach der Abzweigung ins Velebit-Gebirge hinter den Mauern des Wehrstädtchens Senj ist der Jimny in seinem Element.

Auf den schmalen Straßen mit den engen Serpentinen ist man besser mit einer Bergziege als einem Rennpferd unterwegs. Den Touristen mit ihren Familienkutschen überlassen wir die Küstenstraße E 65, obwohl die Strecke zwischen Senj und der Maslencia-Brücke zu den schönsten Autorouten des Landes zählt. Wir verzichten auf die Bilderbuchpanoramen entlang der Adria zugunsten der Klettertour. Vor dem Dörfchen Krasno auf knapp 1.000 Metern wird aus dem Sträßchen nach Oltari eine Mountainbike-Piste. Sie endet 20 Kilometer weiter vor einem von Fels umrahmten Kapellchen. Einen Steinwurf darüber thront die meteorologische Station Zavižan. Eigentlich ist sie nur eine alte, zugige Berghütte, die von einem freundlichen Unikum namens Ante Vukušic bewirtschaftet wird. Ante serviert hausgemachten Schnaps, Brot und Wurst und erzählt von den eiskalten Wintern und den Bären, bis sich der Tag verabschiedet.

Die Tour wird zur Zeitreise

"Keine Kroatienreise ohne die Plitvicer Seen", hatte uns Igor ins Pflichtenheft diktiert. Hinter Otocac wird die Tour zur Zeitreise. Wir treffen Pferdegespanne, alte Lada und nicht minder betagte Yugo. Dazwischen die von Kugeln durchsiebten Häuserfronten und Minenwarnschilder, die hier noch immer vom Krieg mit den Serben in den neunziger Jahren zeugen. Die Plitvicer Seen sind ein einzigartiges Ensemble aus 16 kleinen, durch Wasserfälle und unterirdische Höhlen verbundenen Gewässern. Sie liegen mitten im Wald, wurden von der Unesco zum Weltkulturgut gekürt. Es ist die Heimat von Winnetou Pierre Brice und Halbblut Apanatschi Uschi Glas. In Plitvic wurden in den sechziger Jahren die Karl-May-Filme gedreht.

Wir parken den Jimny in Split in der Nähe des antiken römischen Diokletianpalasts und setzen mit der Fähre nach Hvar über. Zwei Stunden später holt uns Igor am Hafen von Stari Grad ab. "Wie geht’s?" Ohne die Antwort abzuwarten, setzt er uns in seinen VW Passat 4motion und gibt Gas. "Hvar", sagt er über das rund sechs Kilometer lange und elf Kilometer breite Eiland, "ist Kroatiens schönste Insel." Hoch über dem alten Hafen von Hvar schottert Igor mit dem Passat den Sveti Nicola herauf. Von dem baumlosen Gipfel auf 628 Meter Höhe hat man einen traumhaften Blick.

"Wie wär’s mit einer kleinen Stärkung?" Wir nicken. Igor kutschiert uns bis zu seinem Haus und serviert schon ein paar Minuten später frisch gegrillte Meeresfrüchte und jungen Inselwein. Dann kommt er zur Sache. "Wollt ihr mal die Croatia Trophy mitfahren?" Wir schauen uns an. Meint er das ernst? "Aber", mahnt er, "der Jimny muss rallyetauglich sein. Aluplatten, Überrollkäfig, Seilwinden und dicke Socken sind Pflicht." Warum eigentlich nicht? Bergziegen kommen in Kroatien oft besser voran als Rennpferde.

Kurztipps Kroatien

Anreise: Von Frankfurt nach Zagreb beziehungsweise nach Rijeka sind es etwa 900 Kilometer. Zusätzlich zu den Spritkosten muss man die Vignette in Österreich und rund 20 Euro Mautgebühren einrechnen. In Kroatien beträgt die Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften 50 km/h, außerhalb 80 km/h und auf Autobahnen 130 km/h. Für Autofahrer gilt absolutes Alkoholverbot. Schiffe verkehren entlang der Küste und verbinden die größten Inseln mit dem Festland (www.jadrolinija.hr). Die Strecke Rijeka-Split schlägt je nach Saison und Komfortklasse mit 21 bis 97,50 Euro pro Person zu Buche. Für das Auto werden zwischen 56 und 67 Euro fällig. Noch ein wichtiger Hinweis für Offroad-Fahrer: Vergewissern Sie sich vor der Fahrt ins Gelände, ob das Gebiet minenfrei ist.

Übernachtung: Während es an der Küste meist genügend Übernachtungsmöglichkeiten gibt, sind diese im Landesinneren dünner gesät. In den touristischen Zentren liegen die Preise für Mittelklasse-Doppelzimmer um 60 Euro.

Reisezeit: Das angenehmste Klima herrscht in Kroatien zwischen Mai und Juni sowie September und Oktober. Im Hochsommer wird es an der Küste wie auch im Hinterland sehr heiß, und Unterkünfte sind knapp und teurer. In den Gipfellagen der Berge ist bis April mit Schnee zu rechnen.

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